Chronik | Niederösterreich
04.11.2018

Stadtchef Mold: „Die besten Ideen kommen mir auf dem Traktor“

Der neue Zwettler Bürgermeister Franz Mold (ÖVP) im Interview über die Innenstadt, Autobahn und Zukunft.

KURIER: Sie sind Landtagsmandatar, Landwirt und jetzt Bürgermeister von Zwettl. Wie lassen sich drei zeitintensive Aufgaben unter einen Hut bringen?

Franz Mold: Mehrere Landtagsmandatare in NÖ sind gleichzeitig Bürgermeister, wie etwa Jürgen Maier in Horn. Ich denke, dass sich beide Aufgaben sehr gut kombinieren lassen. Im kommenden Frühjahr werde ich auch sehen, inwieweit ich meine Landwirtschaft noch persönlich weiterführen kann. Aufgeben möchte ich sie nicht. Denn wenn ich auf dem Traktor unterwegs bin, kommen mir immer die besten Ideen.

Die Informationspolitik ihres Vorgängers stand oft in der Kritik. Was wollen Sie anders machen?

Schon im Vorfeld meiner Wahl habe ich Gespräche mit allen Fraktionen geführt. Mir geht es in Zukunft darum, alle Parteien stärker einzubinden. Regelmäßig wird es Gespräche geben. Klar ist, dass wir politisch nicht immer einer Meinung sein werden. Aber schon in der Vergangenheit waren die meisten Gemeinderatsbeschlüsse einstimmig.

Der Bevölkerungsrückgang in der Gemeinde Zwettl wird auch in Zukunft weitergehen, was wollen Sie dagegen machen?

Ich hab’ noch kein Patentrezept. Trotz vieler Neubauten sind wir leider nicht mehr geworden. Wir müssen auch in Zukunft in der Stadt und in den Dörfern neues Bauland schaffen, damit sich junge Leute bei uns niederlassen können. Wichtig sind dabei weitere Ausbildungsmöglichkeiten und Jobs – vor allem im akademischen Bereich –, damit die Bürger hierbleiben können. Richtig ist auch der Ansatz des Landes, in den nächsten fünf Jahren rund 500 Behörden-Arbeitsplätze von St. Pölten in unsere Region zu verlagern.

Sie haben in Ihrer Antrittsrede gesagt, dass Sie Zwettl als Zentrum des Waldviertels weiterentwickeln wollen, wie soll das gehen?

Ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt ist Zwettl bereits. Auch als Schulstandort ist die Stadt überregional bedeutend. Daher sind vor allem bei den Buslinien nach Waidhofen an der Thaya Verbesserungen notwendig. Wir haben zwar keine Industrie wie Schrems, aber Dienstleistungsbetriebe, in denen viele Mitarbeiter aus dem ganzen Waldviertel arbeiten. Diese Firmen sollen sich weiterentwickeln können. Und für die wollen wir auch Bauland anbieten können.

Viele Bürger bewegt das Thema Einkaufszentrum: Kann es aus Ihrer Sicht ein Wirtschaftsmotor für die Innenstadt sein?

Fakt ist, die Entscheidung ist gefallen, die Umwidmung ist durch. Jetzt ist der Investor am Zug. Alles weitere wird das Genehmigungsverfahren der BH bringen. Aber auch ohne Einkaufszentrum ist zu erkennen, dass es für die Innenstadt nicht einfacher wird. Wir sind laufend bestrebt, im Dialog mit den Kaufleuten weitere Maßnahmen zu setzen.

Die Kundenfrequenz im Zentrum ist schlecht, wäre etwa eine Begegnungszone in der Hamerlingstraße denkbar?

Die Geschäftsleute haben nichts davon, wenn Kunden nicht mehr in der Stadt parken können. Ich bin aber dafür, dass es in der Stadt lebendige Zonen gibt. Eine wichtige Grundlage wird uns das neue Verkehrskonzept liefern. Dann kennen wir das Verhältnis zwischen fließendem und stehenden Verkehr und können ab Frühjahr 2019 Maßnahmen umsetzen.

Die Waldviertel-Autobahn soll im Norden entstehen. Nach der Franz-Josefs-Bahn, die auch im Norden verläuft, klingt das wie der nächste Rückschlag.

So sehe ich das nicht. Die Waldviertel-Autobahn wird den Bezirk Zwettl berühren und unsere Anbindung nach Linz verbessern. Richtung Osten hat Zwettl bereits mit der B37 eine perfekt ausgebaute Strecke, die bis Krems schon fast ortsdurchfahrtsfrei ist. Der Ausbau der Bahn und der Bundesstraße über Ottenschlag Richtung Donau werden auch Teil des Autobahn-Konzepts sein.