Chronik | Niederösterreich
18.04.2018

St. Pölten: Toter Hase führte zu Amtsmissbrauch

Der Richter entschied auf Diversion. Angeklagter Polizist muss nun 6200 Euro zahlen.

„Diese Vorwürfe zeigen ein Verhalten, das man von einem Polizisten nicht erwarten würde“, sagte die Staatsanwältin.

„Vielleicht“, meinte hingegen der Anwalt, „war zu viel Menschlichkeit im Spiel.“ Und mittendrin – zwischen der Anklägerin und der Verteidigung – saß ein Polizist aus dem niederösterreichischen Zentralraum, der bislang ohne Fehl und Tadel seinen Beruf ausgeführt hatte, sich nun aber wegen Amtsmissbrauchs verantworten musste.

Was war passiert? Am 4. September 2017 hatte ein Mann auf dem Weg in die Arbeit einen Hasen überfahren. Der Unfall mit Blechschaden war bereits in den frühen Morgenstunden passiert, doch der Lenker griff erst am Nachmittag zum Telefon, um die Exekutive darüber in Kenntnis zu setzen. In der Dienststelle hob der spätere Angeklagte ab. Er teilte dem Anrufer mit, dass er den Vorfall eigentlich gleich hätte melden müssen und ihm nun eine Anzeige wegen Fahrerflucht drohe. Wenn er allerdings eine spätere Uhrzeit angeben würde, würde ihm nichts passieren, soll ihm der Beamte noch mit auf dem Weg gegeben haben.

Geständig

Dann passierte Folgendes: Nach der Arbeit klingelte der Pkw-Lenker tatsächlich bei der Polizeiinspektion. Der Ermittler, mit dem er Stunden zuvor telefoniert hatte, war aber schon in der Freizeit, deswegen berichtete er dessen Kollegen von dem Unfall mit dem Tier. Als diese wissen wollten, wann denn der Vorfall passiert sei, wurde der Anzeiger unsicher. „Soll ich jetzt lügen, oder die Wahrheit sagen?“, bekannte er freimütig.

Ein paar Monate nachdem dieser Satz gefallen war, fand sich der Polizist am Landesgericht St. Pölten wieder. Er zeigte sich reumütig und betonte, dass er einen Fehler begangen habe.

Im Gerichtssaal traf er aber auf einen verständnisvollen Richter, der nicht mit der vollen Härte des Gesetzes auffuhr. Recht schnell einigte man sich auf eine Diversion, die für den Beamten mit 6200 Euro allerdings recht kostspielig ausfiel. Auch die Staatsanwältin zeigte sich damit einverstanden.

Johannes Weichhart