Chronik | Niederösterreich
19.06.2018

St. Gabriel: Schwerkranke mussten doch umziehen

Am Montag hieß es beim Land noch, dass "humanitäre Härtefälle" bleiben dürfen. Am Dienstag mussten elf Schwerkranke umziehen.

Bis zuletzt hatten die Bewohner des Flüchtlingsheims St. Gabriel in Maria Enzersdorf und die Caritas auf eine gute Lösung für Schwerkranke gehofft. Dass zumindest diese Menschen in ihrem Zuhause bleiben dürfen. Doch entgegen der Ankündigung von Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) am Montag, dass "humanitäre Härtefälle" bleiben dürfen, wurden Dienstag um neun Uhr 26 Personen abgeholt. Elf von ihnen sind solche Härtefälle, die ohne entsprechende Hilfe kein eigenständiges Leben führen können.

Sie alle werden nach Alland in eine Einrichtung des Betreibers "SLC Asylcare" verlegt. Denn wer letztendlich bleiben darf, entscheidet die Fachabteilung des Landes.

"Heute war der schlimmste Tag. Es gab viele Tränen, es war dramatisch", berichtet die Mitarbeiterin Eva Kocvera, eine Psychologin. "Wir hatten gehofft, dass sie von der Liste ausgenommen werden."

Unter denjenigen, die unter Argusaugen der Landesbediensteten umziehen mussten, ist auch Duhaje K., die unter Hypoplasie und spastischen Lähmungen - etwa ihrer Hände - leidet. Sie ist unter anderem beim Duschen auf eine behindertengerechte Einrichtung angewiesen. Ob es diese im neuen Heim gibt, wissen ihre bisherigen Betreuer und Freunde nicht. Auch der russische Künstler Valeriy Ch., 77 Jahre alt, psychisch krank und pflegebedürftig, wurde abgeholt, sowie ein Asylwerber, der wegen rasch fortschreitender Multipler Sklerose auf den Rollstuhl angewiesen ist und zwei Dialysepatienten. Beide Männer lebten acht bzw. sieben Jahre in St. Gabriel. Insgesamt waren etwa  50 körperlich und psychisch Kranke sowie ihren Angehörigen in der Einrichtung untergebracht.

Am Montag waren bereits 24 minderjährige Flüchtlinge in ein Wohnheim der Österreichischen Jungarbeiterbewegung verlegt worden.

Unklare Zukunft

Bei der Caritas spricht man von dramatischen Verabschiedungsszenen, die sich am Dienstag abspielten. Zudem herrsche große Unsicherheit, da niemand weiß, wie es weitergehen soll. Zuletzt hatte Waldhäusl erklärt, dass es zu keiner Schließung kommen wird. Nun sollen weitere Gespräche folgen.

Dienstagvormittag haben indes auch Unterstützer einer Online-Petition, die sich für den Erhalt von St. Gabriel einsetzte, diese an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) übergeben. Mehr als 12.000 Menschen hatten unterschrieben. Mittlerweile sind es bereits mehr als 13.000. Auch die Landeschefin habe zugesagt, die Einrichtung nicht zu schließen, heißt es bei der Caritas.

Die Verlegung der 110 Bewohner des Flüchtlingsheims hatte Landesrat Waldhäusl nach einer Bluttat in der Unterkunft Anfang Mai angeordnet. Ein psychisch Kranker soll einen Mitbewohner getötet haben.