Chronik | Niederösterreich
14.06.2018

St. Gabriel: Psychisch kranke Flüchtlinge könnten bleiben

Waldhäusl will diese Option prüfen. Indes laufen Vorbereitungen zur Übersiedlung. Online-Petition will das verhindern.

In der Diskussion um die Schließung des Flüchtlingsheims St. Gabriel in Maria Enzersdorf, Bezirk Mödling, und die Verlegung von 110 körperlich und psychisch kranken Menschen in andere Einrichtungen, gibt es eine erste Annäherung zwischen Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) und der Caritas. So soll laut dem Politiker geprüft werden, ob schwerwiegend psychisch erkrankte Asylwerber vorerst in St. Gabriel bleiben können.

Damit sei man der Bitte von Caritas-Präsident Michael Landau auf humanitäres Vorgehen nachgekommen. Gleichzeitig gab Waldhäusl bekannt, dass die Vorbereitung der Übersiedlung der jungendlichen Flüchtlinge sowie der ersten Erwachsenen Anfang nächster Woche auf Hochtouren laufe. Dennoch versuchen Unterstützer, dies mittels Online-Petition zu verhindern. "Natürlich wäre es im Sinne der Bewohner, wenn sie in ihrem Zuhause bleiben könnten", heißt es seitens der Caritas. Am Mittwoch machte sich auch Kardinal Christoph Schönborn vor Ort ein Bild der Lage.

"Ich gehe davon aus, dass der Umzug in die neuen Quartiere professionell abläuft und vertraue hier auf die Kompetenz der Vertragspartner des Landes NÖ", sagt der Landesrat. "Immerhin ist die Caritas in vielen Bereichen Partner des Landes."

Bluttat als Auslöser

Wie der KURIER bereits berichtete, werden die 24 Minderjährigen am Montag in ein Wohnheim der Österreichischen Jungarbeiterbewegung bei der HTL Mödling ziehen. 27 Erwachsene, darunter 19 Kranke sollen am Dienstag in zwei Heime des Betreibers SLC-Asylcare in Alland, Bezirk Baden, und nach Lilienfeld gebracht werden. Wobei in letztere Einrichtung nur einige wenige einziehen sollen.

Hintergrund der Verlegung der Flüchtlinge ist ein tödlicher Angriff in der Unterkunft am 3. Mai. Der psychisch kranke Asylwerber Terry A. wird beschuldigt, einen Mitbewohner erstochen zu haben.

Laut Waldhäusl werden für die "Sonderbetreuungsfälle selbstredend entsprechende gesundheitliche Sicherheitsvorkehrungen" getroffen. "Die Dialysepatienten darunter finden natürlich auch in Alland die notwendige Infrastruktur vor."

Sicherheitspaket

Für das Quartier in Alland werde derzeit ein Sicherheitspaket ausgearbeitet, erklärt der Landesrat. Wobei man natürlich nie ausschließen könne, dass etwas passiere. Waldhäusls Aussagen zufolge werden dafür etwa 70.000 Euro bereit gestellt. Geld, das auch der Caritas für ein gleichwertiges Projekt angeboten, aber abgelehnt worden sei. Die Vorfälle im Heim hätten den Politiker zu raschen Handeln gezwungen.

Diese Aussagen wies die Organisation bereits in den vergangenen Tagen vehement zurück. Man habe ein Konzept für eine Intensiv-Betreuung für schwerst psychisch Kranke vorgelegt, für das aufgrund notwendiger weiterer Diensträder eine höhere Summe veranschlagt worden waren. Das sei in der Vergangenheit als zu teuer abgelehnt worden. Das Konzept mit 50.000 Euro umzusetzen, wie vom Land gewünscht, sei nicht möglich gewesen.

Damit hätte die notwendige Betreuung nicht finanziert werden können. Von 70.000 Euro Soforthilfe sei nie die Rede gewesen.  Nach der Bluttat habe man darum gebeten, mit dem Land noch einmal über das ursprüngliche Konzept zu sprechen. Das sei vor rund einem Monat geschehen. Nach diesem konstruktiven Termin, habe man vom Land nichts mehr gehört.

Caritas warnte im März

Noch am 29. März teilte die Caritas dem Land in einem Schreiben mit, das dem KURIER vorliegt: „Als Organisation legen wir Wert darauf, für den aus unserer Sicht erwartbaren Fall eines tragischen Vorkommnisses bereits jetzt darauf hinzuweisen, dass wir alles in unserer Macht Stehende unternommen haben, um dieses zu verhindern; dass wir die zuständigen und verantwortlichen Behörden auf die Umstände aufmerksam gemacht und Lösungsvorschläge unterbreitet haben.“ Am 3. Mai geschah die Bluttat.

Die Organisation befürchtet nun, dass die Versorgung der kranken Asylwerber in den neuen Unterkünften schlechter sei. Viele Angebote in St. Gabriel hätten nur Dank Spenden finanziert werden können. Zudem habe man Flüchtlinge aufgenommen, mit deren Betreuung SLC-Asylcare in der Vergangenheit überfordert gewesen war. Vielfach sei man das letzte Auffangnetz für schwer körperlich und psychisch Kranke gewesen. Auch Experten wiesen darauf hin, dass die Verlegung der Asylwerber die Sicherheit der Bevölkerung nicht erhöhe. Mittwochabend kündigte auch Volksanwalt Günther Kräuter an, ein Prüfverfahren einzuleiten.

Petition an Landeshauptfrau

Unterstützer von St. Gabriel fordern indes Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mittels Online Petition auf, die Schließung zu verhindern. Mehr als 4.500 Menschen hatten diese bis Donnerstagabend unterzeichnet.

Laut Waldhäusl sei an eine Schließung des Heims St. Gabriel nicht gedacht. Im selben Atemzug erklärt der Landesrat aber, dass die Wirtschaftlichkeit eines Quartiergebers nicht im Vordergrund stehe, sondern die Sicherheit der Bewohner und Menschen im Umfeld. Die Caritas betont, dass Betreuung nur durch Spenden und dank Unterstützer gewährleistet werden konnte.