Stadlers Südsee: Ehrgeiziges Großprojekt, das noch Fragen aufwirft

Matthias Stadler und Hydrologe Hannes Gabriel
St. Pölten arbeitet an einem neuen See bei der Traisen. Das Projekt verspricht mehr Sicherheit bei Hochwasser und Naherholung.

Von St. Pölten in die Südsee ist es ein weiter Weg: Etwas mehr als 15.000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der Landeshauptstadt und Tahiti.

SPÖ-Bürgermeister Matthias Stadler kann an diesem eiskalten Montag auch nur mit dem schneebedeckten Ötscher dienen, den man vom obersten Stockwerk des Hotels "Das Alfred" sieht. Hier präsentiert er – wie schon im Jahr 2020 – das Projekt "Südsee".

Naturjuwel

Denn geht es nach Stadler, der sich derzeit mitten in der Verteidigung der absoluten Mehrheit bei der Gemeinderatswahl am 25. Jänner befindet, soll im Süden St. Pöltens ein neuer See entstehen. "Der See", sagt Stadler, "soll etwa halb so groß wie der Viehofner See sein." Das Naturjuwel im Norden der Stadt lockt jährlich Tausende Badegäste an.

Als der Politiker die Idee vor etwas mehr als fünf Jahren zum ersten Mal ins Spiel brachte, betonte er, dass für die Umsetzung ein Zeitrahmen von etwa zehn bis 15 Jahren vorgesehen sei. Auch heute sind noch einige Fragen offen.

Aber der Reihe nach: Konkret soll die Traisen zwischen der Ochsenburger Brücke und zumindest dem Windpassinger Steg wieder jenen 200 bis 300 Meter breiten Korridor erhalten, den sie vor ihrer Regulierung um 1910 hatte. In diesem Bereich könnten bestehende Sohlstufen rückgebaut und die ökologische Durchgängigkeit des Gewässers wiederhergestellt werden. Ein dynamisches Flussbett soll künftig wieder natürliche Entwicklungsprozesse zulassen.

Wo der "Südsee" entstehen soll

Weiter nördlich ist zusätzlich eine großflächige Geländeabsenkung vorgesehen, die bei Hochwasser als zusätzlicher Retentionsraum dient. In diesem Bereich soll der sogenannte "Südsee" entstehen. Sohle und Böschungen werden so gestaltet, dass sich das Gewässer weitgehend natürlich entwickeln kann und zugleich für Erholungszwecke nutzbar ist.

Der "Südsee" soll nicht nur Hochwasserspitzen abpuffern, sondern auch positive Effekte auf den Grundwasserhaushalt und das regionale Klima haben. Langfristig könnte so ein neuer, ökologisch wertvoller Naherholungsraum für die St. Pöltner Bevölkerung entstehen.

Welche Hürden es noch gibt

Doch es gibt noch einige Hürden. Derzeit besitzt die Stadt in diesem Bereich etwa 45 Hektar Grund. Man würde diese Flächen aber gerne auf etwa 75 Hektar erweitern. "Die Gespräche laufen. Wir sind bereit, Grundstücke zu kaufen, es besteht aber auch die Möglichkeit des Tausches", sagt Stadler.

"Strenge Prüfung"

Dann gibt es noch Bedenken hinsichtlich einer möglichen Verschmutzung des Grundwassers durch den See; auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich Brunnenfelder. "Es wird eine strenge Prüfung durch die Behörden stattfinden", sagt dazu Hydrologe Hannes Gabriel. Dazu zählen hydrologische und naturschutzfachliche Gutachten sowie eine Umweltverträglichkeitsprüfung.

Im Zuge der wasserrechtlichen Verhandlung zum Projekt "NÖ Central II" im August 2024 wurden zusätzliche Untersuchungen zu den Grundwasserverhältnissen eingefordert. Ein eigens eingerichtetes Messnetz lieferte über ein Jahr hinweg Daten, die gemeinsam mit den Erfahrungen aus dem Hochwasser im September 2024 in die Überarbeitung des Projekts einflossen.

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