Mehr Erntehelfer aus Drittstaaten werden gefordert

© APA/dpa/Armin Weigel

Chronik Niederösterreich
04/06/2019

Spargelernte in Gefahr: Zu wenige Helfer

Die Landwirtschaftskammer fordert zu Saisonbeginn mehr Spargelstecher aus Drittstaaten.

von Lisa Rieger

Ab Anfang nächster Woche geht es los: Dann wird mit einer flächendeckenden Belieferung von Supermärkten mit niederösterreichischem Spargel gerechnet.

Die Monate April und  Mai gelten als Haupterntezeit des edlen Gemüses. Aber auch dieses Jahr gilt: "Knackpunkt der heurigen Ernte ist die Verfügbarkeit von Spargelstechern. Viele Betriebe klagen, dass über die vergangenen Jahre angestammte Erntehelfer nicht mehr kommen, da sie in anderen Bereichen längerfristige Anstellungen gefunden haben", sagt der Präsident der NÖ-Landwirtschaftskammer (LK) Johannes Schmuckenschlager.

Witterung als Erschwernis

Werner Magoschitz arbeitet seit 44 Jahren in der Spargelbranche. In dieser Zeit hat er den kleinen Betrieb seines Vaters zu einem Imperium im Marchfeld ausgebaut. So etwas wie vergangene Saison hat er jedoch noch nie erlebt: "20 Prozent der Felder konnten nicht geerntet werden, weil die Erntehelfer fehlten."

Erschwerend hinzu könnte - wie auch vergangenes Jahr - die Witterung kommen. "Kommt es nämlich hitzebedingt zu Ertragsschüben, brauchen die Betriebe mehr Saisonarbeitskräfte, um das Arbeitspensum zu schaffen", sagt der LK-Präsident. Um die Spargel- und Erdbeerernte nicht zu gefährden, sei bereits  jetzt die rasche Freigabe eines zusätzlichen Kontingents für Drittstaaten (nicht EU-Staaten) notwendig.

 "Für unseren Betrieb schaut es derzeit gut aus. Aber wir haben die Ernte auch noch nicht eingebracht", sagt Magoschitz. „Wenn ich Menschen aus Drittstaaten doch noch anstellen muss, dauert es etwa drei Wochen, bis sie arbeiten können (sie benötigen Visa, Arbeitsbewilligung, Sozialversicherung etc., Anm.). Dann ist es eigentlich auch schon wieder vorbei."

 

Problem in ganz Österreich

Das gleiche Problem gelte für ganz Österreich. Das Kontingent für Erntehelfer sei zu niedrig, sagt auch Josef Norz, Gemüsebauer aus Tirol: "Die Arbeit steht an, wir brauchen Arbeitskräfte. Vergangenes Jahr ist bei vielen Betrieben ein Drittel der Erdbeeren am Feld geblieben."

"Zur Erklärung: Das Sozialministerium kann ein Kontingent für die Land- und Forstwirtschaft festlegen. Dieses gilt für das gesamte Jahr und wird auf die Bundesländer aufgeteilt. Für NÖ sind es 460 Plätze", sagt Johann Zimmermann, Referent der Rechtsabteilung in der LK. Die EU-Bürger aus den früheren Ostblock-Staaten würden nur mehr in einer geringeren Dimension zum Arbeiten nach Österreich kommen, weshalb die Drittstaaten-Kontingente aufgestockt werden müssten.

"500 bis 600 Plätze fehlen"

Österreichweit fehlen dem LK zufolge 500 bis 600 Plätze, in NÖ stehen 150 zur Diskussion. Auf Anfrage beim Sozialministerium heißt es aber nur: "Für das Jahr 2019 wurde bereits ein Kontingent mit Anfang Jänner für die Land-und Forstwirtschaft genehmigt."

Um den Bedarf dennoch zu decken, plädiert Walter Medosch, Generalsekretär vom Landarbeiterkammertag, für eine flexible Lösung: "Wir haben das neue Phänomen, dass viele Kulturen gleichzeitig reif sind. Das Kontingent könnte über den Jahresschnitt eingehalten werden, aber wenn ein Monat aber eine Spitze hat, könnte man da darüber hinausgehen, es im nächsten Monat aber wieder ausgleichen."

Thema Asylberechtigte

„Als wir auf die Politik zugegangen sind, hat es geheißen, wir sollen Asylberechtigte beschäftigen“, erzählt Gemüsebauer Norz von seiner Erfahrung. „Uns wäre das recht. Deswegen haben wir das in Tirol mit dem AMS organisiert. Bei Veranstaltungen im Februar und März waren 32 Betriebe anwesend. 200 Asylberechtigte würden kommen, hat es im Vorfeld geheißen. Tatsächlich waren es nur 100, von denen haben 40 Interesse bekundet." Mittlerweile gäbe es aber auch von diesen einige, die sagen, sie wollen es nicht machen. Manche würden aber täglich zur Arbeit kommen.

„Es ist schwere Arbeit und wir können nur Menschen brauchen, die auch wirklich bereit sind, diese auszuführen“, erläutert der Spargelbauer Magoschitz. „Die Bestellung von Merkur zum Beispiel kommt um 10 Uhr und um 14 Uhr ist der Lkw da, der sie abholt. Da ist ein enormer Druck vorhanden.“

 

Lohnnebenkosten

Anzusetzen sei laut dem Neos-Landtagsabgeordneten Helmut Hofer-Gruber daher vorwiegend bei Arbeitsbedingungen und Entlohnung, die in einem Missverhältnis zum Arbeitseinsatz stünden. „Es muss ja Gründe geben, warum wir den Bedarf nicht mit Arbeitskräften aus Österreich decken können. Ein wesentlicher Punkt sind sicher die hohen Lohnnebenkosten, die die Arbeit am Feld unattraktiv macht.“

Die Lohnnebenkosten sieht auch Magoschitz als Problem. „Da können wir im internationalen Vergleich nicht mithalten, wenn wir pro Arbeitsstunde drei Euro mehr zahlen müssen. Bei 800 Arbeitsstunden zahlen wir in Österreich um 2400 Euro mehr als in Deutschland“, rechnete er vergangenes Jahr vor, als immer mehr ins Nachbarland zum Arbeiten fuhren.

Schmuckenschlager sieht dennoch einen Silberstreif: "Etwas besser geht es jenen Betrieben, die ihre Erntehelfer über die zweimonatige Spargelsaison hinaus beschäftigen können - zum Beispiel mit Erdbeeren als Folgekultur. In diesen Fällen ist der Arbeitsplatz in der Landwirtschaft wieder interessanter, da eine Einkommensmöglichkeit über einen längeren Zeitraum besteht." Zimmermann gibt jedoch zu bedenken, dass aufgrund der wärmeren Temperaturen Spargel und Erdbeeren, die eigentlich ihre Arbeitsspitzen hintereinander haben sollten, plötzlich gleichzeitig geerntet werden müssen.

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