Spargel aus Österreich: Erntepause durch Wintereinbruch
In Österreich wird doppelt so viel weißer als grüner Spargel angebaut.
Einerseits ist der Spargel eine Diva: Er wächst nur üppig, wenn es warm ist und die Sonne scheint. Andererseits ist er genauso ein anpassungsfähiges Chamäleon. Spielt das Wetter nicht mit, drücken die grünen, weißen oder purpurnen Stangerl einfach die Pause-Taste.
So geschieht es seit dieser Woche auf den Feldern in ganz Österreich. Der Winter ist zurück, das mag der Spargel nicht. Also stellt er das Wachstum ein, bis es wieder wärmer wird.
Ein bisschen geerntet wurde schon im niederösterreichischen Marchfeld bei Werner Magoschitz. 1975 hat er die ersten Spargelpflänzchen gesetzt, mittlerweile braucht er in der Erntesaison 180 bis 200 Mitarbeiter, um das Volumen zu bewältigen.
„Der weiße Spargel wächst bei Wärme rund 5 cm pro Tag, der grüne sogar bis zu 10 cm“, weiß der Landwirt. Die Saison des Spargels könne man nie nach hinten, höchstens nach vorne verlängern.
Marchfelder Spargelbauern-Paar Magoschitz.
Erste Stangen seien schon geerntet worden, erst in zwei, drei Wochen geht es aber richtig los. Der Boden und die Pflanzen werden mit Folien erwärmt. „Dass in den kommenden Tagen Spargel abfrieren wird, damit rechnen wir.“ Bei der Produktion sei es das Ziel, kontinuierlich zu ernten: „Wir brauchen keine Spitzen und auch keine Flauten“.
Schwere Arbeit
Aus Rumänien und der Ukraine kommen nach wie vor die Erntehelferinnen und -helfer, vermehrt werden auch Arbeiter Vietnam und Nepal geholt. „Das ist schwere, körperliche Arbeit. Dafür finden wir keine Inländer, die arbeiten bei uns im Verkauf.“
Es sei vor allem schwer, im Vorfeld der Erntesaison technisch versierte Menschen zu finden, die sowohl die Maschinen bedienen, als auch den Betriebsleiter unterstützen können, sagt Stefan Hamedinger. Er ist Geschäftsführer des Verbandes der Gemüse- und Erdäpfelbauern Oberösterreichs.
„Es fehlen uns die Männer. Dann müssen oft der Altbauer, der jetzige Bauer und der Sohn werkeln, damit sich alles ausgeht.“
Stechen der Stangen ist eine schwere Arbeit.
22 Spargelbetriebe gibt es im Bundesland, er kennt sie alle. Was ihn ärgert: „Dass es bereits jetzt vereinzelt Gastrobetriebe gibt, die mit heimischem Spargel werben. Das kann nicht sein.“
Genießer und Patrioten
Hamedinger hat sich auch bewusst die Ware im Supermarkt angesehen, die teils angeboten wird: „Da ist Spargel aus Mexiko, Peru und Thailand dabei, die Qualität ist nicht vergleichbar mit unserem Produkt. Ich frage mich: Wer kauft das? Genießer und Patrioten warten auf den heimischen Spargel.“
In acht bis zehn Tagen soll es auch in Oberösterreich voll losgehen mit der Ernte. „Heuer ist an sich ein frühes Jahr für die Spargelernte, aber jetzt gibt es halt eine wettertechnische Watsch’n.“ Das heißt, für das Ostermahl wird sich der Spargel aus Oberösterreich nicht ausgehen.
„Dieses Wettrennen zwischen den Betrieben, wer den ersten Spargel hat, ist sowieso nicht sinnvoll.“ In Oberösterreich gibt es etwa auch Biobauern, die sogar bewusst auf jede Folie verzichten.
In Kärnten sieht die Lage witterungstechnisch ein wenig anders aus. Da gibt es zwar ebenfalls den unerwarteten Wintereinbruch, aber davor konnte aufgrund der milden Temperaturen teils schon geerntet werden. „Es ist ein sanfter Start und wir schreien auch nicht raus, wenn wir was haben“, erklärt Anna Sternath vom gleichnamigen Spargelhof im Lavanttal.
Ihr Betrieb ist kleiner als jener im Marchfeld, sie beschäftigt rund 25 Erntehelfer auf dem Feld, im Verkauf und beim Putzen und Verpacken.
„Das gleicht alles aus“
27 Hektar werden bepflanzt, kultiviert und dann gestochen. „Das ist wirklich schwere Arbeit, besonders bei Regen, Schnee und Kälte.“ Sternaths Erntehelfer kommen aus Rumänien, sie hat seit Jahren gute Erfahrungen. Dass der Saisonstart holprig ist, macht der Landwirtin keine Sorgen: „Wir stehen ja erst am Anfang. Das gleicht sich alles aus.“
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