Der zähe Kampf gegen eine stille Invasion am Donauufer

Immer wieder montags rücken Hannes Seehofer und Katharina Sandbichler aus, um invasive Pflanzen entlang der Wachau einzudämmen.
Zwei Personen auf einer Donauinsel in der Wachau versuchen mit Werkzeug invasive Pflanzenarten aus dem Boden zu bekommen.

Mit ihrem gesamten Körpergewicht stemmt sich Katharina Sandbichler gegen den gelben Hebelarm. Am anderen Ende des Werkzeugs ist eine junge Robinie zwischen die Schenkel der metallischen Klammer gespannt. Das feste Wurzelgeflecht und der sandige Untergrund machen es der 29-Jährigen nicht leicht, die Pflanze aus dem Boden zu ziehen. Es wird gedrückt, geruckelt, gezogen. Vergeblich.

Schließlich tauscht Sandbichler den sogenannten Tree Popper gegen eine Axt. Mit gezielten Schlägen entfernt sie einen etwa zehn Zentimeter breiten Streifen Rinde rund um den gesamten Stamm. "So ist die Saftzufuhr aus den Wurzeln unterbrochen. Dadurch stirbt der Baum ab, weil er geschwächt wird", erklärt sie, den Blick auf den verletzten Stamm gerichtet.

Einige Meter weiter ist ihr Vorgesetzter Hannes Seehofer ebenfalls damit beschäftigt, Jungbäume auszureißen und ältere Bäume zu ringeln - wie das kreisförmig Abschälen der Rinde genannt wird. So arbeitet sich das Duo an diesem Montag mehrere Stunden durch eine der Wachauer Donauinseln in der Nähe von Weißenkirchen und greift damit dem heimischen Ökosystem unter die Arme. Denn die Pflanzen, die unter der Axt oder im Tree Popper landen, sind sogenannte Neophyten.

Stiller Vormarsch

Invasive Baumarten wie Robinie, Eschenahorn und Götterbaum breiten sich in der Wachau zunehmend aus. Die konkurrenzstarken Pflanzen verdrängen in den Auen unter anderem Weiden und Pappeln - mit spürbaren Folgen für die natürlich vorkommende Lebensgemeinschaft: "Wenn sie die heimische Flora verdrängen, dann haben die Tiere keine Nahrungsbäume mehr und auch keinen Platz zum Brüten. Weil sie meistens spezialisiert sind", schildert Sandbichler.

Sandbichler kniet vor einem jungen Baum und hackt die Rinde mit der Axt ab.

Ringeln und rupfen: Der Naturschutz auf der Donauinsel braucht Zeit und ist zudem ein Kraftakt.

Um die Ausbreitung von Neophyten einzudämmen, ist mit Jahresbeginn ein dreijähriges Projekt des Vereins Welterbegemeinden Wachau gestartet, das Seehofer und Sandbichler gemeinsam umsetzen. Es handelt sich um die Fortsetzung einer von 2023 bis 2025 umgesetzten Initiative zur Eindämmung von invasiven Pflanzenarten in der Nähe von rund 30 Trockenrasen. Das neue Projekt umfasst neben vielen bereits betreuten Flächen auch sechs Donauinseln mit insgesamt 21 Hektar, die zwischen Grimsing und Weißenkirchen sowie am neu erweiterten Nebenarm bei Grimsing liegen.

Kraftakt und Geldfrage

Den Kampf gegen die Neophyten beschreibt Sandbichler als Sisyphusarbeit. "Es ist so ein bisschen wie bei Herkules, der der Schlange einen Kopf abschlägt und zehn neue wachsen nach", so die 29-Jährige. Alles, was flussaufwärts wächst, kann die Arbeit des Duos zusätzlich erschweren: "Wenn in Tirol Robinien stehen, dann können ihre Samen über den Inn bis in die Wachau." 

In der Region sind etwa dank des UNESCO-Welterbestatus Gelder für ihre Bekämpfung vorhanden. Das aktuelle Projekt wird zu gänzlich durch den Biodiversitätsfonds gefördert. Die Umsetzung erfolgt zusammen mit der KLAR!-Region Wachau und den Wachaugemeinden. Andernorts würden die finanziellen Mittel jedoch häufig fehlen, so Sandbichler. Dort ist man häufig auf Freiwillige angewiesen.

Seehofer und Sandbichler stehen mit ihrem Werkzeug auf einer Donauinsel und lächeln in die Kamera.

Mindestens drei Jahre lang widmen sich die beiden der Neophytenbekämpfung.

Laut Seehofer trägt die Arbeit der vergangenen Jahre bereits erste Früchte. "Es wird schon immer besser. Wir bekommen es so langsam in den Griff", sagt der Biologe. Umso wichtiger sei die gesicherte Fortsetzung des Projekts bis 2028: "Einmal ist keinmal. Es bringt fast nichts, wenn du einmal was tust." 

Seehofer blickt über die Sandbank hinweg zum Donauufer und positiv in die Zukunft der Insel, auf der er an diesem Montag arbeitet. Er ist zuversichtlich, die Neophyten langfristig in den Griff zu bekommen. Damit können sich die heimischen Arten ihr natürliches Habitat zurückerobern beziehungsweise auch künftig bewohnen  – wie der Flussuferläufer, der im Frühjahr auf der Donauinsel bei Weißenkirchen brütet.

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