Ein Malinois im Einsatz beim Jagdkommando

© REUTERS/HEINZ-PETER BADER

Chronik Niederösterreich
11/21/2019

Soldat von Hunden getötet: Eltern fordern vom Heer Transparenz

Angehörige des Opfers der tödlichen Hundeattacke hinterfragen die mysteriösen Vorgänge in der Kaserne. Das Heer reagiert.

von Patrick Wammerl

Nach der tödlichen Hundeattacke auf den 31-jährigen Jagdkommandosoldaten Dominik R. haben sich die Eltern und die Schwester des Getöteten erstmals zu Wort gemeldet. Über ihren Anwalt Erich Gemeiner stellen sie die Vorgänge in der Kaserne in Wiener Neustadt kritisch in Frage.

Dominik R. ist, wie berichtet, vergangene Woche beim Füttern von zwei Malinois-Diensthunden (Belgische Schäferhunde) bei der Zwingeranlage der Kaserne attackiert und tödlich verletzt worden. Laut dem Obduktionsergebnis starb der Elitesoldat „an einer Vielzahl von Bissverletzungen im Hals-, Nacken- und Oberschenkelbereich“, sagte Erich Habitzl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt.

Die Eltern stellen sich die Frage, wie es sein kann, dass ihr sterbender Sohn stundenlang am Kasernengelände unentdeckt geblieben ist. „Was jedenfalls nicht mehr von der Hand zu weisen ist, ist die unfassbare und traurige Tatsache, dass ein ausgebildeter Elitesoldat sowie geschulter und stets gewissenhafter Hundeführer das Kasernengelände betrat, um die Hunde zu versorgen, dabei durch einen tragischen bisher ungeklärten Unfall ums Leben kam und mehrere Stunden im Hundeareal nicht aufgefunden wurde“, so die Angehörigen.

„Müssen hier nicht womöglich sämtliche Kontrollmechanismen und Überwachungsmaßnahmen evaluiert werden, um insbesondere auch den Schutz der Soldaten und Hundeführer zu gewährleisten? Das Bundesheer ist nicht nur dem Schutz der Bevölkerung, sondern selbstverständlich auch jenem der eigenen Soldaten verpflichtet“,  heißt es in einem Statement der Familie.

Laut Rechtsanwalt Gemeiner erwartet sich die Familie des Verstorbenen daher ein ehrliches und lückenlos transparent geführtes Ermittlungsverfahren, in dem jedweder noch so unbedeutend erscheinende Beweis aufgenommen und jede Spur verfolgt wird. Und allenfalls fehlende Kontroll- und Überwachungsmechanismen aufgedeckt werden. „Dies kann vielleicht in Zukunft dazu beitragen, dass sich ein derartiger und bisher nie da gewesener Unfall nicht wiederholt“, so Gemeiner.

Heer geht in die Offensive

Das Bundesheer dürfte von der Stellungnahme der Eltern Wind bekommen haben und hat Donnerstagfrüh mittels Presseaussendung auf die Nachricht der Angehörigen reagiert. Darin heißt es, dass das Verteidigungsministerium „unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalles am 14. November 2019 eine Unfallkommission eingesetzt hat. Sie besteht aus dem Leiter, einem rechtskundigen Organ, einem Veterinärmediziner, einem Arzt und einem Experten des Militärhundezentrums. Ihre Aufgabe ist es, die Erhebungsarbeit der Ermittlungsbehörden zu unterstützen und alle mit dem Vorfall zusammenhängenden Sachverhalte zu untersuchen. Anlassbezogen werden zusätzliche Experten beigezogen.“

Wie man beim Heer betont, sei bereits in den Vormittagsstunden des 14. November nach Auffinden der Leiche ein Lokalaugenschein vor Ort durchgeführt worden. „Dabei wurde die Hundezwingeranlage hinsichtlich des technischen Zustands geprüft. Hier konnten keine Mängel festgestellt werden. Gleichzeitig unterstützte die Untersuchungskommission die Kriminalpolizei bei ihren Ermittlungen und stellte die Übermittlung aller erforderlichen Unterlagen sicher. Hier gilt es festzuhalten, dass das Ermittlungsverfahren der Strafverfolgungsbehörden Vorrang hat.“

Hunde in Quarantäne

Die Wiener Neustädter Amtsveterinärärztin habe die beiden Hunde untersucht und eine zehntägige Quarantäne verfügt. Beide Hunde sind derzeit sicher verwahrt und werden von zwei Militärhundeführern betreut. Als Sicherungsmaßnahme wurde angeordnet, dass die Fütterung durch zwei Personen durchgeführt werden muss, so das Bundesheer.

Auf den Vorwurf des späten Auffindens des Toten und der stundenlang unentdeckt gebliebenen Tragödie gibt es von Seiten des Heeres keine Reaktion. Rechtsanwalt Erich Gemeiner begrüßt selbstverständlich die Arbeit der Untersuchungskommission, erwartet sich aber auch von dieser völlige Transparenz. "Derzeit gibt es viel zu viele offene Fragen und einfach keine Antworten darauf."

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