Chronik | Niederösterreich
24.11.2017

So klingt Integration

Im Bezirk Scheibbs singen Einheimische gemeinsam mit Flüchtlingen in einem Chor.

Die Tische im Werkraum sind zur Seite geschoben, an der Wand hängen Laubsägen, bunte Werkkoffer stehen im Regal. Noch albern alle herum, Kinder wie Erwachsene, sie schnipsen, flüstern, kichern. Doris Neubacher drückt eine Taste am Klavier: Sie gibt den Ton an, alle stimmen ein.

Die 23-jährige Musikstudentin leitet einen Chor, in dem Erlauftaler und Geflüchtete gemeinsam singen. Die heutige Probe in der Volksschule St. Anton/Jeßnitz ist eine besondere: Es ist die Generalprobe für „Asüüül“ am 25. November im Scheibbser kultur.portal.

Der Chor ist ein Projekt von „Willkommen“, dem „Verein zum Finden einer neuen Heimat“ aus Scheibbs. Hier bringt man neue Mostviertler mit alteingesessenen zusammen, sammelt Spenden für Deutschkurse, hilft beim Papierkram. Vor zwei Jahren wollte man die Asylwerber dann auch kulturell einbinden: „Wir dachten uns, singen tut doch jeder gern“, erzählt Obmann Johann Pöcksteiner.

Menschsein

Lange vor der Flüchtlingswelle hatte der Deutschlehrer die Idee, mit einem Verein etwas zum besseren Zusammenleben beizutragen. Integration ist für den 59-Jährigen die einzige Alternative, die einer Gesellschaft bleibt: „Wenn man die Menschen links liegen lässt, riskiert man, dass sie zu Kriminellen werden. Integration lohnt sich.“ Bei Vereinsveranstaltungen wie dem jährlichen „Asüüül“ könne man Einheimischen die Scheu nehmen: „Da erkennt man, dass Flüchtlinge auch nur ganz normale Menschen sind“.

Die meisten heute anwesenden Sänger wohnen derzeit im Flüchtlingsheim Puchenstuben. Dort betreibt man schon seit 2004 Asylpolitik: Mit der Aufnahme von Flüchtlingen rettete man vor 13 Jahren den Schulstandort, der aufgrund des Geburtenrückgangs im Ort gefährdet war. Puchenstuben wurde als Gemeinde mit dem prozentuell höchsten Flüchtlingsanteil Österreichs bekannt – doch in einem 300-Seelendorf ist das auch schnell erreicht. „Probleme gibt es bis heute keine“, sagt Bürgermeisterin Petra Jani.

Obmann Pöcksteiner erwähnt hingegen, dass nicht immer alle integrationswillig sind. Grund für eine Abneigung gegen alle Asylwerber sei das aber keiner: „Das ist als würde man einer ganzen Schulklasse den Skikurs streichen, weil sich zwei Schüler nicht benehmen.“

Nachdem der letzte Ton verstummt, wird noch über den großen Auftritt gesprochen. Chorleiterin Neubacher hat eine Idee: Die T-Shirts der Sänger sollen farbenprächtig sein. Also so kunterbunt wie der Chor eben selbst auch ist.