Chronik | Niederösterreich
29.11.2018

Schwechat: Teil des Multiversum vor Verkauf

Teil der Immobilie soll veräußert werden. Der Gemeinderatsbeschluss steht aus. Widerstand der Opposition

In Schwechat leben alte Zeiten wieder auf – zumindest im politischen Diskurs. Wie der KURIER erfuhr, steht der Verkauf eines Teils der skandalträchtigen und schuldenbelasteten Veranstaltungshalle Multiversum bevor. Am 6. Dezember soll er im Gemeinderat beschlossen werden; bereits jetzt gehen die Wogen hoch.

Konkret soll – sollte der Gemeinderat zustimmen – jener Teil der Halle, der die Eurospar-Filiale beherbergt, an einen Immobilienverwalter veräußert werden. Der Kaufpreis liegt bei etwa 6,2 Millionen Euro.

„Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass wir da zustimmen“, sagt ÖVP-Stadtpartei-Obmann Anton Imre. Wirtschaftlich sei das nicht zu vertreten. Durch den Eurospar generiere die Stadt 370.000 Euro Mieteinnahmen pro Jahr. Die Mietrendite liege bei über sechs Prozent und damit über den zu zahlenden Kreditraten. Zudem decke der Kaufpreis nur etwa 18 Prozent der rund 33 Millionen Euro an Verbindlichkeiten der Halle ab. „Wir verscherbeln das Familiensilber“, meint Imre. „Das Spar-Gebäude ist das Herzstück und mit Abstand das teuerste vom ganzen Multiversum. Wenn dieses verkauft wird bleit uns der Rest auf ewig und ist unverkäuflich“, meint auch Neos-Gemeinderat Michael Sicha. Die FPÖ ist noch uneins.

Anders sieht das Multiversum-Geschäftsführerin Annette Neumayer-Weilner. Mit dem Verkauf könne eine Teilent- sowie eine Umschuldung vorgenommen werden, was die Zinsen verringere und dem Steuerzahler Geld spare. Konkret soll ein Darlehen der Kommunalkredit getilgt werden, das vor Jahren zu hohen Fixzinsen abgeschlossen wurde. „Was wir uns an Zinsen ersparen, entspricht etwa dem Betrag den Spar im Jahr Miete zahlt.“ Der Verkauf der restlichen Immobilie soll bis Ende 2019 über die Bühne gehen. Erst müssten die freien Flächen entwickelt – also Mieter gefunden werden, sagt Neumayer-Weilner, deren Firma risma bis Jahresende auch das Verkaufsmandat für das Multiversum hat, das verlängert werden soll.

Vorgangsweise

Doch die Vorgangsweise erzürnt viele Mandatare. Erst mit der Übermittlung der Tagesordung zur Gemeinderatssitzung habe man vom geplanten Teilverkauf erfahren haben. „Uns hat keiner eingeweiht“, meint ÖVP-Stadtrat Lukas Szikora. Stimmt nicht, kontert SPÖ-Stadtchefin Karin Baier. Die Opposition sei voll informiert worden. Der Verkauf sei in Ausschüssen und im Stadtrat behandelt worden; wenn Fraktionen nicht anwesend waren, sei das deren Verantwortung. „Wenn sie gerne am Nikolotag Dreckwäsche waschen wollen, bitte“, meint sie. Zum Verkauf selbst will sie unter Hinweis auf die Amtsverschwiegenheit nichts sagen.