Chronik | Niederösterreich
02.05.2018

Schulhund: Ein Lehrer auf vier Pfoten

Jeden Freitag kommt der Hund Esprit mit in die 4b in Korneuburg und unterstützt die Schüler beim Lernen.

17 Mal hintereinander, ein Kind nach dem anderen ruft „Esprit“. Geduldig kommt er immer angelaufen und holt das Leckerli aus den kleinen Händen. Der Rüde kommt seit Schuljahresbeginn einmal in der Woche für drei Stunden in die 4b der Volksschule II in Korneuburg. Die Begrüßung gehört zum wöchentlichen Ritual dazu. Danach haben die Schüler die Möglichkeit, verschiedene Kommandos mit dem Hund zu probieren: Sitz, Platz, Pfote. Sogar zum Springen kann er gebracht werden. Danach stellen sich die Kinder nebeneinander und bilden einen Tunnel mit ihren Händen, Esprit läuft durch. Anschließend wird der Unterricht ganz normal fortgeführt. Während die Kinder Übungen zum Prädikat machen, läuft der Hovawart (eine Hunderasse, Anm.) zwischen den Tischen umher, lässt sich streicheln oder legt sich zu Füßen der Schüler.

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„Man merkt, dass die Schüler mit besonderer Freude in die Schule kommen, aber vor allem, dass sie konzentrierter arbeiten können, wenn der Hund da ist“, sagt Lehrerin Lisa Wagner, der Esprit gehört, über die Effekte, die ihr Hund auf die Kinder in der Klasse hat. Bei der hundegestützten Pädagogik geht es darum, die Lernatmosphäre, das Sozialverhalten und den Lernerfolg der Schüler zu verbessern. Im Umgang mit den Tieren können die Kinder ihre sozialen Kompetenzen zwanglos erproben und verfeinern. „Der Hund ist eine gute Unterstützung im Unterricht. Besonders soziale Kompetenzen wie Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen werden in diesen Stunden intensiv geschult“, sagt Wagner.

„Es konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass ein Hund die Sozialkontakte in Klassen fördert, dass Kinder dadurch ein gutes Beziehungsgeflecht entwickeln und besser lernen können“, sagt auch Harald Mandl von der Pädagogischen Hochschule (PH) Burgenland. Er gilt als der Pionier der hundegestützten Pädagogik in Österreich. Seit dem Beginn im Jahr 2010 wurden 150 Pädagogen mit ihren Hunden in Eisenstadt zertifiziert.

Charakter wichtig

Nicht jeder Hund ist dafür geeignet. „Es kommt auf den Charakter des Hundes an, die Rasse ist zweitrangig. Mein anderer Hund, ein Labrador-Sennenhund-Mischling, ist nicht so ruhig und belastbar. Er eignet sich daher nicht als Schulhund“, erzählt Wagner. Esprit wurde schon als Welpe mit in die Schule genommen und hat sich so von klein auf an die Kinder, den Lärm und die Gerüche in Schulen gewöhnt. Zudem verbringen Wagner und Esprit rund 100 Trainingsstunden am Hundeplatz, zu Hause wird ohnehin permanent geübt.

Mehr als drei Stunden schafft Esprit dennoch nicht in der Klasse. Danach wartet der Hund auf den Schulschluss bei Direktorin Andrea Zöchling. Sie war von Anfang an für das Projekt und sehr erleichtert, als vom Landesschulrat das Okay kam. „Die Resultate sind sehr positiv. Wir weiten das Projekt bis Schulschluss auf die gesamte Schule aus. Esprit wird in jeder Klasse eine Stunde zu Besuch sein“, sagt sie. Derzeit macht eine weitere Lehrerin die Ausbildung, um im nächsten Schuljahr starten zu können.

„Esprit ist bereits ein Star in unserer Schule. Alle Kinder freuen sich, dass sie ihn in einer Schnupperstunde demnächst kennen lernen dürfen“, fährt sie fort. Auch der 4b schein es zu gefallen: Der zehnjährige Timo streichelt Esprit während er die Prädikate markiert: „Ich finde es gut, dass er jeden Freitag da ist. Ich kann mich besser konzentrieren.“