Zulauf bei Schuldnerberatung: Acht von zehn Schuldnern erkranken
Teuerung und Inflation gelten als Schuldentreiber.
"Es zeigt sich, dass immer mehr Menschen Probleme haben, ihr tägliches Leben zu finanzieren.“ Teuerung und hohe Inflation waren im Vorjahr weiter prägende Faktoren in der Arbeit der Schuldnerberatung in Niederösterreich, bilanzierte deren Geschäftsführer Michael Lackenberger. Die Gründe für die wegen Überschuldung vorstellig gewordener Klienten sind aber vielschichtig.
Die Zahl der Hilfesuchenden, die das kostenlose Beratungsangebot in den fünf nö. Dienststellen in Anspruch nahmen, ist im Vergleich zu 2024 um 900 auf 9.023 zurückgegangen. Doch diese Zahl sei trügerisch, sagt Lackenberger. Andererseits gab es mit 36.218 Interventionen der 41-köpfigen Mitarbeiterschaft neuen Rekord. „Die Fälle werden immer komplizierter und aufwendiger“, so der Geschäftsführer.
Landesrätinnen Teschl-Hofmeister (l.) und Eva Prischl (r.) mit Geschäftsführer Michael Lackenberger.
In der Jahresstatistik für 2025 sei generell ein leichter Rückgang in allen Bereichen feststellbar, man liege aber weiter über dem fünfjährigen Schnitt, erklärte Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP). In der Schuldnerschar halten Männer mit 59 und Frauen 41 Prozent. Die auffälligste Gruppe sind die 41- bis 45-Jährigen. Hauptgründe für die privaten wirtschaftlichen Desaster sind Arbeitslosigkeit, gefolgt von gescheiterter Selbstständigkeit und Ehescheidungen.
Arbeitslosigkeit
SPÖ-Landesrätin Eva Prischl wies darauf hin, dass der Jobverlust bei Erwachsenen mit 42 und bei Jugendlichen mit 46 Prozent die markanteste Schuldenfalle darstelle. Falsches Konsumverhalten betrifft insgesamt 22 Prozent, bei Jugendlichen 32 Prozent. Bei der Schuldnerberatung wurden im Vorjahr Niederösterreicher im Alter zwischen 18 und 89 Jahren vorstellig.
Wegen des allgemein hohen Niveaus bereitet es auch wenig Freude, dass die Durchschnittsverschuldung der Klienten mit 77.386 Euro um 9.000 Euro niedriger war als 2024. Der Anteil der verschuldeten Jugendlichen betrage zum Glück nur sechs Prozent, so Teschl-Hofmeister, "allerdings stellt der Durchschnittswert mit 29.780 Euro einen Höchstwert im langjährigen Vergleich dar“.
Deshalb habe man in NÖ auch die Förderung für die Finanzbildung in den Schulen von 2024 bis 2025 verdoppelt, so die Landesrätinnen. Teschl-Hofmeister forderte auch Aktivität vom Bund. An den Schulen soll es verpflichtende Finanzbildung innerhalb des Lehrstoffs in verschiedenen Gegenständen geben.
Gesundheit
Prischl hob den Wert der niederschwelligen, professionellen Schuldnerberatung im Zusammenhang mit physischer und psychischer Gesundheit hervor. Laut Studien würden 8 von 10 Schuldner wegen des Stresses, wegen Schlafmangels und anderer Beschwerden krank, berichtete sie.
Ebenfalls einen Appell an die Bundesregierung richtete auch Lackenberger. Im Juli laufe für Private die gesetzliche Möglichkeit der Entschuldung innerhalb von drei Jahren aus. Bei längeren Fristen würden viele Betroffene aus dem Konsolidierungsprozess aussteigen und die Schuldnerberatungen hätten mit einem neuen Ansturm zu rechnen, befürchtet er.
Weitere interessante Daten aus der Jahresbilanz: 323 betreute Konten werden von der Schuldnerberatung für Schuldner geführt. Darauf wurden 19.235 Überweisungen durchgeführt und eine Summe von 4,8 Millionen Euro transferiert. 2025 wurden weiters 953 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet und 1.067 vorbereitet.
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