Chronik | Niederösterreich
01.07.2018

Schützenhilfe gegen Borkenkäfer-Invasion

Militärische Spezialkräfte sollen helfen, um ein weiteres Ausbreiten auf dem Übungsplatz im Waldviertel zu verhindern.

Im Kampf gegen die Borkenkäfer-Invasion auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig im Waldviertel fährt das Bundesheer inzwischen schwere Geschütze auf. Während die Verantwortlichen weiterhin nach einer Spezialfirma mit splittersicheren Forstgeräten Ausschau halten, um in dem mit Blindgängern belasteten Sperrgebiet vorrücken und von Käfern befallene Fichten schlägern zu können, holen sich Forstmitarbeiter militärische Unterstützung – etwa ABC-Abwehrspezialisten sollen helfen, um ein weiteres Ausbreiten bei der Gefahrenzone zu verhindern.

Wie berichtet, drängt die Borkenkäfer-Armee das Bundesheer auf dem Übungsgelände an den Rand der Kapitulation. Grund für die explosionsartige Ausbreitung des Schädlings sind laut Konstantin Lütgendorf, Kommandant des Truppenübungsplatzes, der Eisbruch im Waldviertel vor vier Jahren und die klimatischen Veränderungen. Die Trockenheit schwächt den jahrelang geförderten Fichtenbestand im Waldviertel und begünstigt den Befall durch die sich ausbreitende Käfer-Population. Schon in der Vergangenheit mussten zirka 180.000 Festmeter befallenes Holz auf dem weitläufigen Übungsgelände gefällt und abtransportiert werden. Das waren rund 6000 Lkw-Ladungen.

 

Obwohl die Förster in den Randgebieten am Limit arbeiten, kommt ein großes Problem dazu. In der belasteten Zone A, in der absolutes Betretungsverbot gilt, können rund 100.000 Festmeter befallenes Fichtenholz derzeit nicht gefällt werden, weil splittersichere Harvester und Forwarder, also schwere Holzfällergeräte, fehlen. Das Heer hofft, bis nächste Woche fündig zu werden. Dass die Zeit drängt, belegt auch eine weitere Prognose. In den nächsten drei Jahren rechnen die Verantwortlichen mit einer weiteren Schadholzmenge von nahezu 300.000 Festmetern. Ein eigenes Käfer-Monitoring hilft den Förstern, den aktuellen Ausbreitungsgrad abzulesen.

Abwehrkräfte

Mit aller Härte will das Militär – auch mit Unterstützung der Pioniere, Luftstreit- und ABC-Abwehrkräfte – gegen die Käfer-Invasion vorgehen. Spezialeinheiten seien angefordert worden, um im Nahbereich der Gefahrenzone auch gesunde Bestände zu schlägern und mit Insektizid-Gift zu besprühen, damit man ein weiteres Ausbreiten abwenden kann, erklärt Lütgendorf. Er befindet sich inzwischen auch mit dem Verteidigungsministerium in Gesprächen, um in Zukunft auch eigene splittersichere Forstgeräte verfügbar zu haben. Bisher fehlte der politische Wille, die finanziellen Mittel für den Ankauf locker zu machen. Nicht einmal vor elf Jahren, als der Orkan Kyrill in den Wäldern große Schäden anrichtete, musste reagiert werden, weil es für die Aufräumarbeiten – laut Kommando – eine Sondergenehmigung gegeben habe.

In Zukunft will das Heer auch in Sachen Aufforstung neue Wege gehen. Dort, wo es auf dem Gelände kahlgeschlägerte Waldflächen gibt, soll es eine Naturverjüngung – zum Teil durch Laubbäume – geben. „Die Fichte war der Brotbaum der Forstwirtschaft. In Zukunft wollen wir klimafitte Dauerwälder haben, die auch Belastungen durch den Schießbetrieb aushalten und militärische Funktionen wie Kugelfang oder Emissionsschutz für umliegende Gemeinden übernehmen müssen“, erklärt Andreas Berger, Forstdirektor des Truppenübungsplatzes.