Chronik | Niederösterreich
12.07.2018

Schülerin drohte mit Giftanschlag

Gerichtspsychiaterin Gabriele Wörgötter untersucht den Geisteszustand der 15-Jährigen.

Plante die 15-jährige Dafina tatsächlich einen Terroranschlag mit dem Nervengift „Agent Orange“, oder handelt es sich um reine Wichtigmacherei eines pubertierenden Teenagers?

Um das herauszufinden, hat die Staatsanwaltschaft St. Pölten die renommierte Gerichtspsychiaterin und Neurologin Gabriele Wörgötter damit beauftragt, in die Psyche des terrorverdächtigen Teenagers aus dem Mostviertel (Niederösterreich) zu blicken. Wörgötter soll beurteilen, ob die HLW-Schülerin tatsächlich Mordgelüste hat oder gegebenenfalls eine verzögerte Reife der Auslöser für die Handlungen ist.

Die Tochter albanischer, erzkatholischer Eltern, ist in einer 3000-Seelen-Gemeinde im Mostviertel in einem wohlbehüteten Elternhaus aufgewachsen. Aus heiterem Himmel konvertierte das Mädchen im Jahr 2016 zum Islam. Vermutlich um sich gegen den Vater aufzulehnen, soll sie damals damit begonnen haben, strikt ein Kopftuch zu tragen. 2017 wurde der Verfassungsschutz wegen radikaler Postings im Internet das erste Mal auf die Schülerin aufmerksam. Für eine Anklage reichte es aber nicht.

Kinderzimmer

Unter dem Decknamen „Dawud Al Amriki“ trat das Mädchen im vergangenen April vom Computer ihres Kinderzimmers aus über den Messenger-Dienst „Telegram“ mit IS-Sympathisanten in Verbindung. In zahlreichen Chats zwischen dem 1. und dem 6. Mai gab sie an, für einen Anschlag in Wien, Frankreich und anderen westlichen Orten Giftstoffe wie das Insektengift „Dichlordiphenyltrichlorethan“ (DDT) oder den militärischen Kampfstoff „Agent Orange“ zu suchen. Ihren Chat-Partnern gegenüber soll die 15-Jährige noch konkreter geworden sein. Sie wolle die Chemikalien dort einsetzen, wo Lebensmittel verarbeitet oder verkauft werden.

Am 3. Mai schrieb sie als „Dawud“ in den Internetchat, dass sie eine Möglichkeit gefunden habe, an die Materialien für den geplanten Terroranschlag zu kommen. Kurz darauf zog der Verfassungsschutz die 15-Jährige wegen dringenden Tatverdachts aus dem Verkehr.

Seit dem 18. Mai sitzt das Mädchen in St. Pölten in Untersuchungshaft. Ihr Vater zeigte sich von der Festnahme wenig überrascht und meinte, dass die Behörden das Mädchen am besten nicht mehr freilassen sollten.

Versuch „cool zu sein“

Für ihren Rechtsanwalt, Wolfgang Blaschitz, sind die Postings und „geistigen Ergüsse“ der 15-Jährigen nicht mehr als Wichtigmacherei und der Versuch „cool zu sein“. „Sie wollte religiös ausbrechen und mit dem Kopftuch rebellieren. Als sie dann in den Chats aufgefordert wurde, endlich das zu tun was sie angekündigt hatte, wurde ihr die Sache zu heiß. Sie hat sofort ihr Profil gelöscht“, sagt Blaschitz, der zugibt, dass das Mädchen zuvor „vom Feinsten im Netz schwadroniert hat“. Die Schülerin habe anfangs alles als Spaß gesehen. „Der ist ihr grundsätzlich vergangen“, so Blaschitz.

Seine Hoffnungen ruhen nun in den Untersuchungen von Psychiaterin Gabriele Wörgötter. Der Versuch, die Tatverdächtige unter strengen Auflagen aus der Untersuchungshaft zu bekommen, scheiterte auch in zweiter Instanz am Oberlandesgericht Wien.