Chronik | Niederösterreich
12.08.2018

Schloss Rosenau: Land NÖ sucht neuen Pächter

Margit Zulehner verwirklichte ihren Traum vom eigenen Schlosshotel. Anfang 2019 wechselt sie in den Ruhestand

„Ich hab’ den schönsten Job der Welt“, sagt Margit Zulehner, Chefin des Vier-Stern-Superior-Hotels im Schloss Rosenau, Bezirk Zwettl, während sie stolz ihre Romantikzimmer herzeigt. Beim Betreten der prachtvollen „Kaisersuite“ erzählt sie, dass es immer ihr großer Traum gewesen sei, ein eigenes Hotel in einem historischen Gebäude zu führen. Allerdings wird sie nicht mehr lange Schlossherrin in Rosenau bleiben, weil sie am 7. Jänner 2019 ihren Ruhestand antritt.

Besitzer des Schlosses ist das Land Niederösterreich. Dort sucht man auch bereits in einer öffentlichen Ausschreibung ab 1. Februar 2019 eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für den Betrieb, der 38 Hotelbetten und ein Restaurant mit 100 Plätzen umfasst. Wobei Gerhard Tretzmüller von der Abteilung Gebäudeverwaltung im Land NÖ betont, dass „die Vergabe an das qualitativ beste Angebot und nicht an den Bieter mit dem höchsten Pachtzins erfolgt“. Nachsatz: „Wir werden auch in den nächsten Jahren jährlich 100.000 Euro in dieses Juwel im Waldviertel investieren, um das Schloss Rosenau zu erhalten.“

Harte Aufbauarbeit

Zulehner hofft, dass sich „hier ein junger, frischer Wind findet, der meine Arbeit mit genauso viel Elan und Liebe weiterführt“.

Als sie vor knapp 20 Jahren das Schloss als Pächterin übernahm, musste sie zuerst Aufbauarbeit leisten – denn ihre Vorgängerin rutschte in die Pleite. „Am Anfang hatte ich eine schlimme Zeit. Ich war schockiert, wie tot das Haus tatsächlich war. Der Ruf war schlecht und Zustand des Gebäudes desolat“, erzählt Zulehner. Sie musste aus eigener Tasche viel Geld investieren, um das Hotel wieder auf ein anspruchsvolles Niveau zu bringen. „Es funktionierte nicht einmal die vorhandene Heizung. Die Erneuerung musste ich vorfinanzieren“, schildert die Hotel-Chefin, deren Hund Amadeus nicht von ihrer Seite weicht.

Da sie eine Meisterin im Improvisieren sei, habe sie viele Hürden schnell bewältigen können. Nach und nach realisierte Zulehner ihren Traum vom Hochzeits- und Romantik-Hotel. Sie ließ über die Jahre alle Zimmer renovieren und modernisieren, in denen ihre Gäste jetzt spezielle Angebote wie etwa „Du und ich“ oder „1001 Nacht“ buchen können. „Eine klare Linie und viel Werbung haben geholfen, um die Leute wieder herzubringen. Unser neues, positives Image hat sich glücklicherweise schnell herumgesprochen“, betont Zulehner, die auch auf ihr Team stolz ist. „Einige sind von Anfang an hier“, freut sie sich.

Auch wenn sich das barocke Baujuwel abseits der Hauptverbindungswege befindet, wird es von Gästen aus aller Welt gefunden. „Viele kommen extra zum Verloben oder Heiraten hier her. Wir können darin nämlich auch ein Standesamt, eine Kirche und verschiedene Räumlichkeiten für eine Hochzeitstafel anbieten“, sagt Zulehner.

Obwohl sie demnächst in Pension geht, wird sie ihrer Branche noch eine Zeit lang treu bleiben. „Vor zehn Jahren habe ich neben dem Schloss die Residenz gekauft und führe das Vier-Stern-Hotel selber weiter“, sagt sie.

Freimaurer-Museum

Änderungen stehen auch beim Freimaurer-Museum der Großloge Wien, das sich seit Mitte der 1970er Jahre im ersten Stock des Schlosses befindet, bevor. Im Vorjahr wurde es von rund 8.000 Besuchern besichtigt. Um die Attraktivität des Freimaurermuseums weiter zu erhöhen, soll der Verein 2019 in eine Betreibergesellschaft umgewandelt werden.

Geschichte

Ende des 16. Jahrhunderts entstand aus einem Vierkanthof ein Renaissanceschloss in Dorf Rosenau bei Zwettl. Erster Inhaber war Leopold Christoph Graf von Schallenberg, der das Gut 1720 kaufte. Nach den Plänen des Baumeisters Joseph Munggenast ließ er es im barocken Baustil umbauen und richtete dort Räume für eine Freimaurer-Loge ein.
1883 erwarb Georg Heinrich Ritter von Schönerer den Besitz und verwaltete das Haus bis zu seinem Tod 1921. Er wurde als Anführer der Alldeutschen Vereinigung bekannt.  Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Schloss nur noch unwirtschaftlich. Daher ging es 1964 in den Besitz  des Landes Niederösterreich über.