© Josef Vorlaufer

Chronik Niederösterreich Sankt Pölten
12/11/2020

Müll-Gestank erhitzt Gemüter in St. Pölten

Die Deponie in St. Pölten verströmt unangenehmen Geruch und hat eine Polit-Debatte entflammt. Anrainer sind besorgt um ihre Gesundheit, Betreiber will die Probleme beheben.

von Sophie Seeböck, Johannes Weichhart

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"Chemischer Duft nach Lack und Lösungsmittel", "wie Hausmüll oder Bioabfall" und sogar "Moder- und Leichengeruch" - all das liegt laut Anrainern in den Wohn- und Naherholungsgebieten rund um die Mülldeponie "Am Ziegelofen" in der Luft. 

Sorge um Gesundheit

Zwar wird dort am Stadtrand bereits seit dem Jahr 2002 Abfall behandelt und verwertet, die beißenden Duftwolken würden aber erst seit dem Vorjahr auftreten, betont eine Anwohnerin vom Eisberg im Gespräch mit dem KURIER. "Wir wohnen seit mittlerweile 30 Jahren in dieser Gegend, so gestunken hat es noch nie. Der Geruch ist wirklich beängstigend."  Sie macht sich Sorgen, dass die chemischen Dämpfe in der Luft womöglich auch gesundheitsgefährdend sein könnten. 

"Wir glaubten anfangs, dass der Gestank von den Feldern kommt. Doch dann fiel auf, dass die vorbeifahrenden Lastautos auf ihrem Weg von und zur Deponie ebenso rochen", schildert ein Anrainer vom Hafner-Weg. "In meinem Büro in der Linzer Straße konnten wir im Sommer vor lauter Gestank nicht einmal die Fenster öffnen", so ein weiterer Anrainer. "Auch in der Eichendorff-Straße, wo ich wohne, lag der Müllduft in der Luft."

"Mist wird vor der Nase eingegraben"

Im April 2019 übernahm die Zöchling Abfallverwertung GmbH den Standort „Deponie am Ziegelofen, St. Pölten“ von der Stadt und betreibt seither dort eine Massenabfalldeponie sowie eine mechanisch-biologische Abfallbehandlungsanlage (kurz: MBA). Dass zwischen dem Betreiberwechsel und der steigenden Geruchsbelästigung ein Zusammenhang besteht, ist für die Anrainer klar.

Ein Bürger vermutet, dass weniger Müll verbrannt, sondern wieder mehr deponiert wird: "Eigentlich hat sich die Deponie über die letzten Jahre total positiv entwickelt, durch den Bau der Sortieranlage und die Verbrennung war der Gestank kein Problem mehr. Wies aussieht, graben sie uns den Mist jetzt wieder vor der Nase ein."

"Die Stadt bewirbt unsere Gegend als beliebtes Wohn- und Siedlungsgebiet. Durch den Gestank nimmt die Qualität ab", zeigt sich eine Anwohnerin verärgert. "Es gibt viele junge Familien, die in der Nähe Häuser errichten, die werden irgendwann auf die Barrikaden gehen", meint ein anderer.  

Nicht gefährlich

Die Beschwerden der Anrainer gehen natürlich nicht an den Deponie-Betreibern vorbei. Karin Zöchling, Standortleiterin der Deponie, betont aber, dass die Vermutung der Anwohner nicht der Wahrheit entspreche und gibt zu verstehen, dass die Müllverwertung ein komplizierter langwieriger Prozess ist. Ein Großteil werde der thermischen Verwertung zugeführt, ein geringer Rest werde deponiert. Gefahr für die Gesundheit bestünde jedenfalls keineswegs, betont Zöchling.

Im September sei die Gruchsproblematik durch die Anrainer an die Betreiber und Behörden herangetragen worden. "Wir verstehen natürlich die Beschwerden und es ist uns ein großes Anliegen, Geruchsemissionen so gering wie möglich zu halten und diese auch soweit es geht zu vermeiden", so Zöchling.

Maßnahmen werden bereits umgesetzt

Doch woher kommt nun der Gestank?

"Wir betreiben die gesamte Anlage noch nicht lange, bei den Rotten muss sich noch einiges einspielen", so die Standortleitung. "Wir haben das Behandlungsverfahren bereits modifiziert, um den Abbauprozess zu optimieren." Man habe außerdem die Prozessführung sowie die Rottezeiten überarbeitet und verbessert. Und: Die Abluftmessungen des in der Abfallbehandlungsanlage eingebauten Biofilters entsprechen den Normwerten. 

Schon im Vorjahr machten die neuen Betreiber Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass diese 7.000 Tonnen italienischen Haushaltsmüll an die Traisen importierte und dort verwertete. Das stieß nicht nur der Bevölkerung sauer auf, sondern auch in Politikreihen trafen diese Lieferungen auf Unverständnis.

ÖVP kritisiert Stadtregierung

Auch ein Jahr später hagelt es seitens der Volkspartei Kritik an den Betreibern, und der Stadtregierung: "Die SPÖ hat einen Verkauf ohne Nachteile für die Bevölkerung versprochen. Fakt ist, dass nur ein Jahr später die Lieferung von 7.000 Tonnen Hausmüll aus Italien bekannt wurde", so Vizebürgermeister Matthias Adl (ÖVP). "Heute haben wir mit Problemen zu kämpfen, denen sich die SPÖ stellen muss."

Verfahren eingeleitet

Im SPÖ-geführten Rathaus trifft diese Kritik auf Unverständnis. Was "Am Ziegelofen" behandelt und verwertet wird, liege nicht mehr in der Hand des Magistrats. Die Kritik der Anrainer nehme man aber trotzdem ernst: "Uns ist natürlich wichtig, dass St. Pölten lebenswert bleibt, deshalb haben wir die Situation 'Am Ziegelofen' auch im Blick", teilt ein Sprecher mit.

Die Firma Zöchling betont, dass man sich an alle behördlichen Vorgaben halte: "Die Bescheide der Anlagen beinhalten strenge Auflagenpunkte sowie eine genehmigte Anlagenkapazität, die es einzuhalten gilt. Die Auflagen sowie daraus resultierende Untersuchungen und Befunde werden laufend von der Behörde überprüft. Der Genehmigungskonsens wird eingehalten."

Neben Gestank auch mehr Verkehr

Neben dem Geruch habe sich aber durch die neuen Betreiber auch der Verkehr in der Stadt intensiviert. Anrainer stört vor allem das vermehrte Aufkommen stinkender Müll-LKWs im Stadtgebiet, die ÖVP meint in einer Aussendung, dass "Italo-LKW an vielen Tagen für Stau auf der B1 sorgen." Karin Zöchling betont in diesem Zusammenhang "Wir betreiben diese Anlage natürlich wirtschaftlicher als die Stadt St. Pölten früher, da passiert natürlich mehr."

Man versuche aber einen Großteil des Mülls mit der Bahn anzutransportieren, da aber der Schienenzugang fehle, müsse man die letzten Kilometer auf der Straße zurücklegen. Kommt der Müll über die Autobahn würden die meisten Anlieferungen generell aus dem Westen eintreffen, somit also nicht das Stadtgebiet durchfahren.

Emissionen

"Ein geringer Anteil der Anlieferungen, aus beispielsweise Wien und Umgebung, erfolgen über den Süden der Stadt. Wir bemühen uns seit Jahrzehnten, Transportwege zu verkürzen, um Emissionen einzusparen. Wir wählen den kürzesten und somit den umweltschonendsten Transportweg, um CO2-Emissionen so gering wie möglich zu halten.

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