© Tamás Réthey-Prikkel

Kritik
05/21/2021

Atemberaubend: "Solus Amor" im Festspielhaus St. Pölten

Die ungarische Compagnie Recirquel gastierte am Donnerstagabend mit ihrer neuen Produktion "Solus Amor" und verblüffte mit Artistik. Eine Kritik.

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Die Wiedereröffnung des Festspielhauses St. Pölten hätte spektakulärer kaum sein können: Die ungarische Compagnie Recirquel gastierte am Donnerstagabend mit ihrer atemberaubenden neuen Produktion "Solus Amor" (Choreografie und Regie: Bence Vági), uraufgeführt im Oktober 2020 in Budapest. Standing Ovations für eine fesselnde Synthese aus akrobatischem Zirkus und zeitgenössischem Tanz.

Unglaubliche Artistik 

"Die Kraft des Cirque Danse wurzelt in einer modernen Sehnsucht nach Wundern", wird Vági im - nur als Download verfügbaren - Programmheft zitiert. Und aus dem Staunen und Wundern kam man an diesem Abend tatsächlich gar nicht heraus. Was die zehn Mitglieder der Compagnie an unglaublicher Artistik leisten, ist schier unfassbar. Da wirbeln Körper durch die Luft und werden auf abenteuerlichste Arten aufgefangen, werden seiltänzerische Gratwanderungen vollführt, dazu hinreißende Pas de deux in großer Höhe und mit halsbrecherisch wirkenden Anhaftungen und Verschlingungen, an Tüchern, schwingenden Stäben oder sogar an den eigenen Haaren.

Koexistenz zwischen Mensch und Natur

Und doch geht es nicht nur um die effektvolle Show als bildstarken Selbstzweck. Etwas Archaisches, Märchenhaftes mutet dem Stück an, das oberflächlicher Rasanz nicht bedarf, sondern den Bewegungen Raum und Zeit gewährt. Ersichtlich wird das am Eisbären als Symbol für die Koexistenz zwischen Mensch und Natur. Der alte Bär verhält sich freundlich, und als er stirbt, trauert ein Mensch mit ihm. Am Ende beobachtet ein junger Bär die schwebenden Menschen mit Interesse. Darum geht es Vági auch: "Bei der Inspiration geht es ums Zuhören und Beobachten." In der Umsetzung dann sichtlich um allergrößte Präzision und Konzentration.

"Solus Amor" bildet den Abschluss einer Trilogie. Vorangegangen sind "Non Solus" (Ende April im Festspielhaus als Stream zu sehen gewesen) und "My Land". Brigitte Fürle, Leiterin des Festspielhauses, die vom Publikum mit herzlichem Applaus begrüßt wurde, ist es zu danken, dass dieses Wunderwerk in St. Pölten zu sehen war, wenn auch leider nur an diesem einen besonderen Abend, der eindrücklich ins Bewusstsein rief, was Kunst bedeuten kann - wenn sie stattfindet.

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