Trügerische Idylle an der Donau: Der Fluss kann auch ganz anders, wie die Anrainer wissen

© Uwe Mauch

Niederösterreich
07/04/2015

Sanitäter starb nach Rettung zweier Mädchen

23-jähriger Lebensretter wurde in der Stockerauer Au von einem Strudel erfasst und ertrank.

Nur zweieinhalb Meter ist das Wasser an jener Stelle tief, an der Robert Haas am Freitag das Leben zweier Kinder rettete – und sein eigenes verlor. Der 23-Jährige war in einem Nebenarm der Donau bei Stockerau (NÖ) in einen Strudel geraten und ertrunken.

Feuerwehrmann Markus Kramer war einer der ersten Helfer an der Unfallstelle: „Es ist an der Stelle nicht tief, trotzdem konnte man ihn nicht sehen. Mein Freund hat immer wieder etwas am Fuß gespürt, gleich darauf war es wieder weg“, schildert der 24-Jährige. Als sie den Verunglückten finden, ist es zu spät. Eine halbe Stunde wird Haas vom Notarzt reanimiert – vergeblich.

Mädchen gerettet

Die Unglücksstelle in der Stockerauer Au dient eigentlich als Überlaufbecken bei Hochwasser; im Sommer ist sie aber ein beliebter Natur-Badeplatz. Auch Robert Haas, ein ehrenamtlicher Rotkreuz-Rettungssanitäter in Hollabrunn, war Freitagnachmittag privat dort. Er entdeckte zwei Mädchen im Alter von sechs und zwölf Jahren, die kurz nach einer Engstelle in einen Wasserstrudel geraten waren.

Dem 23-Jährigen gelang es noch, die Kinder in Sicherheit zu bringen, dann wurde er selbst von der Strömung erfasst und unter Wasser gezogen. Die Mädchen wurden am Ufer versorgt – laut den Einsatzkräften haben sie nur ein wenig Wasser geschluckt und sind wohlauf.

Markus Kramer ereilte der Notruf gegen 17 Uhr über seinen Feuerwehr-Pager. Er war gerade mit Freunden auf dem Heimweg vom Baden, drehte sofort um und fuhr in die Au. „Ich habe nur schnell mein T-Shirt ausgezogen und bin ins Wasser gesprungen.“ Einige Badegäste waren bereits selbst ins Wasser gestiegen, um den Verunglückten zu suchen, wurden aber von der Strömung abgetrieben. Von den mittlerweile eingetroffenen Feuerwehrkameraden wurden Kramer und sein Freund mit Rettungsleinen gesichert. Markus Pribyl konnte Haas nach zwanzigminütiger Suche bergen. „Ich hab ihn herausgezogen“, erklärt er knapp – sichtlich gezeichnet von dem dramatischen Einsatz.

Das Rote Kreuz Niederösterreich trauert um ein engagiertes Mitglied. Auf der Facebook-Seite der Bezirksstelle Hollabrunn drückten am Samstag Hunderte ihr Beileid aus. Die Rettungsorganisation habe einen besonders talentierten und hoffnungsvollen Menschen verloren, erklärt Präsident Willi Sauer.

Haas wohnte und studierte zuletzt in Wien, verbrachte seine Freizeit aber oft in seiner Heimatstadt Hollabrunn. Nach dem Zivildienst ist er beim Roten Kreuz geblieben und hat zahlreiche Spezialausbildungen absolviert. Erst kürzlich habe der 23-Jährige den Schein zum Jugendgruppen-Führer gemacht, sagt Sprecher Andreas Zenker. „Er ist für seinen Einsatz in den verschiedensten Bereichen offiziell belobigt worden. Für sein Alter war das außergewöhnlich.“

Mann ertrunken

Zu tödlichen Badeunfällen kam es am Samstag auch in Salzburg und Vorarlberg. Im Hintersee im Flachgau ertrank ein 81-Jähriger, Ursache war vermutlich Herzversagen.

Am Alten Rhein in Lustenau endete ein nächtlicher Badeausflug für einen Urlauber aus Ungarn tödlich. Die näheren Umstände sind nicht geklärt.

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