Mit einem halben Jahr Verzögerung erfolgte Montagvormittag der Spatenstich. Im Frühjahr sollen die Arbeiten erfolgreich beendet sein

© /Stefan Sailer

Angern
12/02/2014

Sanierungsstart: Altlasten der Teerfabrik werden entfernt

Nach zahlreichen Einsprüchen gegen die Vergabe hat das Projekt doch noch heuer begonnen.

von Stefan Sailer

Über die March kommen nach der negativen Abstimmung zum Brücken-Projekt zwar keine Lkw-Lawinen, dennoch rollen seit Montag mehrere Schwerfahrzeuge durch den Ort. Auf dem Anhänger: Kontaminierte Erde aus dem ehemaligen Gelände der Rüdgers-Teerfabrik. Mit einem halben Jahr Verzögerung hat 2014 doch noch der großflächige Oberbodentausch begonnen.

52.000 groß ist das betroffene Areal. Die Anrainer haben sich bereits vorbereitet. Die Gärten wurden in den vergangenen Tagen leer geräumt, Sträucher und Pflanzen wurden entfernt. In den nächsten Tagen werden die Bagger eineinhalb Meter des kontaminierten Erdreichs abgraben. Insgesamt werden bis zum Frühjahr 26.000 m³ Erde bewegt. "Wir hoffen auf ähnliches Wetter wie im Vorjahr", sagt Gerald Luschin, Projektleiter der Bundesaltlastensanierungs GmbH (Balsa).

Zwischen alter und neuer Erde wird nun ein Fließ eingelegt. Auf Grundstücken, wo sich der Grundwasserspiegel nahe an der Oberfläche befindet und dadurch ein Aufstieg von kontaminierten Grundwasser in die ausgetauschte Bodenschicht möglich ist, wird zusätzlich grobkörniger Kies hineingeschüttet. Danach wird frische Erde aufgetragen und neu begrünt.

Die Sanierung sorgt allerdings auch für Kritik. Lediglich 48 der 62 betroffenen Grundstücksbesitzer haben der Sanierung zugestimmt. Demnach sei der Tausch von gerade einmal eineinhalb Metern wirkungslos. "Da können die Bagger in zehn Jahren wieder anrollen", ärgert sich ein Anrainer. Schließlich haben manche bereits vor Jahren in Eigenregie die Erde getauscht. Und nun war der Garten wieder belastet.

Selbst verseucht

Für die Balsa ist diese Ansicht nicht nachvollziehbar. Denn über das verseuchte Grundwasser wurde der Boden seither wieder verunreinigt. "Man kann sagen, die Leute haben sich selbst kontaminiert", sagt Luschin.

Für eine umfassende Sanierung des Areals müsste somit auch das Grundwasser gereinigt werden. Dagegen legt sich aber der ehemalige Betreiber quer. Ein Gerichtsverfahren ist derzeit anhängig. Im Falle eines Schuldspruchs hat Rüdgers aber angekündigt, in Konkurs zu gehen. Die Kosten trägt somit auf jeden Fall der Steuerzahler.

Die Geschichte hinter der Altlast „N53“

1860: Errichtung einer Teerfabrik neben dem Bahnhof in Angern.
1912: ein Brand zerstört das Fabriksgelände
1924: Schließung der Anlage
1945: Aufschüttung eines Teils des Geländes um ca. eineinhalb Metern; zeitgleich wird darauf eine Wohnsiedlung errichtet
1999-2003: erste Erkundung des Untergrunds sowie Untersuchung des Grundwassers;
September 2003: das Areal wird als Altlast (N53) ausgewiesen
Oktober 2013: die Balsa wird mit der Sanierung beauftragt
Jänner 2014: Start des europaweiten Vergabeverfahrens
Oktober 2014: Vergabe der Arbeiten an drei Unternehmen
November 2014: die Sanierung wird gestartet

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