Rückzug offenbart tiefe Gräben in der Kremser Volkspartei

Dorothea Renner, Thomas Höhrhan (mi.) und Ex-Medienbeauftragter Georg Mantler.
Stadtparteiobmann legt Amt nieder, weil der Vorstand seinen weitreichenden Neustart ablehnte.

Nach den beiden historischen Schlappen bei den Gemeinderatswahlen 2012 und 2017 kriselt es innerhalb der Kremser Volkspartei gewaltig. Die Differenzen hinter der Fassade lösten jetzt einen Paukenschlag aus. Obmann Thomas Höhrhan und seine Stellvertreterin Dorothea Renner gaben ihren Rückzug bekannt, weil ihr weitreichender Vorschlag, wie sie die Stadtpartei wieder neu aufrichten wollten, abgelehnt wurde. Die Mehrheit des Vorstands stellte sich hinter den gescheiterten Bürgermeister-Kandidaten Erwin Krammer, der sich trotz der Stimmenverluste auf dem richtigen Weg sieht.

Höhrhans Kurskorrektur werteten mehrere Parteifreunde, wie er selbst sagt, als "Majestätsbeleidigung", weil er eine runderneuerte Truppe ins Stadtparlament schicken wollte. "Dabei hatte ich auch an der Spitze der Mannschaft eine Veränderung vorgesehen", verrät Höhrhan. Immerhin sei es der Wunsch des Stadtparteivorstands gewesen, alles für einen Neustart – sowohl auf personeller als auch struktureller Ebene – vorzubereiten. "Obwohl ich mit allen Beteiligten gesprochen habe, kam plötzlich ein fundamentaler Gegenvorschlag", erzählt der scheidende Parteiobmann. Wegen "verkrusteter Strukturen und starrer Persönlichkeiten" sei ihm nur bedingt gelungen, die 2012 zerstrittene Partei wieder wahlkampffit zu machen.

Wahlunterschiede

Nach der Wahlschlappe gegen Bürgermeister Reinhard Resch (SPÖ) sei Krammer wohl nicht die Antwort, die sich "unsere Sympathisanten erwarten", betonen Höhrhan und Renner. Das beweise das unterschiedliche Abschneiden der ÖVP bei den jüngsten Urnengängen. Während die ÖVP bei der Nationalratswahl in Krems ein Plus von 6,18 Prozent erzielte, stürzte sie bei der Gemeinderatswahl um 9,47 Prozentpunkte ab. "Die Kremser wissen genau, welche Volkspartei sie wählen", sagt Höhrhan.

Krammer versucht die internen Differenzen herunterzuspielen: "Was unser Team angeht, hat es viele Übereinstimmungen gegeben. Es ist unser Bestreben, ein gemeinsames Zukunftsteam zu finden." Das Wahlergebnis sieht er aber nicht als persönliche Niederlage. "Die Wähler haben der SPÖ abgenommen, dass wir die Verhinderer wären. Die Früchte unserer guten Arbeit gingen diesmal auf das Konto von Resch", sagt Krammer, der jetzt den Stadtchef in der Pflicht sieht, wie er sich die künftige Zusammenarbeit vorstellt.

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