Eisenriegler gründete vor 15 Jahren das Reparaturzentrum

© Katharina Zach

Engagement
11/28/2013

Reparieren statt wegwerfen: Land lehnte Initiative ab

Bürger wollten Reparaturnetzwerk in NÖ aufziehen und Ärmere entlasten

von Katharina Zach

Die Leute haben es schon lange satt, immer zu hören: Eine Reparatur ist zu teuer, die zahlt sich nicht aus.“ Wenn Horst Reingruber aus Gloggnitz, über die sogenannte „geplante Obsoleszenz“ von Elektrogeräten spricht, ist er in seinem Element.

Als ihm kürzlich – wieder einmal – ein Elektrogerät eingegangen ist und sich die Reparatur angeblich nicht gelohnt hätte, beschloss er selbst aktiv zu werden. Sein Plan: Ein Reparaturnetzwerk in Niederösterreich aufzuziehen, bei dem Geräte günstig repariert werden und Second-Hand-Ware angeboten wird. Unterstützung bekam er von Sozialökonom Sepp Eisenriegler, der seit 15 Jahren erfolgreich das Reparatur- und Servicezentrum R.U.S.Z. in Wien führt. (siehe Zusatzbericht) Als Förderer und Koordinator wollte er das Land NÖ gewinnen. Dieses lehnte jedoch nach anfänglichem Interesse ab.

Absage unverständlich

Unverständlich für Reingruber. „Das Thema betrifft vor allem die ärmere Bevölkerung und die Pensionisten“, ärgert er sich. Besonders sauer stößt ihm auf, dass das „Nein“ noch vor Durchführung einer Machbarkeitsstudie durch Experten Eisenriegler kam. Dieser hatte die Studie um 10.000 Euro angeboten. Und mit Gloggnitz und Baden hätten sich bereits zwei Gemeinden für derartige Reparaturzentren interessiert. „Damit wird eine Chance verpasst, den Ärmeren zu helfen“, sagt Reingruber.

Seiner Idee zu Folge sollten mit Unterstützung Ehrenamtlicher in Ballungsräumen Reparaturzentren errichtet werden, in der Peripherie sollten Annahmestellen für Elektrogeräte sowie ein Second-Hand-Verkauf entstehen. Weiter hätten Reingruber und Eisenriegler geplant – analog zum Wiener R.U.S.Z. – Langzeitarbeitslose zu beschäftigen oder Lehrabbrecher auszubilden. Nach spätestens vier Jahren hätten sich die Zentren selbst erhalten können.

Eisenriegler ist von der Absage ebenfalls enttäuscht. „Es wäre sicher machbar gewesen. Es gibt enormes Interesse seitens der Leute.“ Auch aus Hollabrunn habe er kürzlich eine Anfrage bekommen. Er könne beweisen, dass man mit derartigen Projekten nicht dauerhaft am Fördertropf hänge. Eisenriegler betont außerdem, dass die EU-Mitgliedsstaaten die Reparatur- und Re-Use-Netzwerke zu fördern haben.

Den beiden Männern missfällt vor allem die Begründung für die Ablehnung. In einem Schreiben aus dem Büro von Landeshauptmann-Stellverteter Wolfgang Sobotka heißt es etwa sinngemäß: Unter Berücksichtigung der derzeit laufenden sozial- und arbeitsmarktpolitischen Projekte sei im Vergleich zum Aufwand kein wesentlicher Mehrwert zu erkennen.

Auf Anfrage wird erklärt, dass es derartige Initiativen in NÖ bereits gebe. Etwa mit Caritas Recycling in Pöchlarn, Zwettl und Vitis oder das Projekt SoCom in St. Pölten. „Die Machbarkeitsstudie kostet 10.000 Euro. Man muss mit Steuergeldern vorsichtig umgehen“, sagt Sobotkas Sprecher Eberhard Blumenthal.

Reparatur als Erfolgsrezept

Projekt. Vor 15 Jahren gründete der Sozialökonom Sepp Eisenriegler das R.U.S.Z. Reparatur- und Service-Zentrum im 14. Bezirk in Wien. Kaputte Haushalts- und Elektrogeräte werden dort durch Fachkräfte auf Vordermann gebracht. Ist ein Gerät nicht reparierbar, werden Ersatzteile ausgebaut. Mittlerweile umfasst das Lager im R.U.S.Z. 25.000 Teile. Zudem werden Second-Hand-Geräte verkauft und diese teils technisch aufgerüstet.

Zehn Jahre lang hat der Sozialökonom zudem in Kooperation mit dem AMS im R.U.S.Z. Langzeitarbeitslose aufgenommen, mit dem Ziel, sie wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Mittlerweile führt er das Zentrum auf eigene Initiative. Seit Kurzem können Lehrabbrecher bei ihm ihren Abschluss nachholen.

www.rusz.at

Der Müll in Zahlen:

77.000 Tonnen Elektrogeräte werden pro Jahr in Österreich abgegeben. 16.000 Tonnen sind es allein in NÖ.

50 Prozent der weggeworfenen Geräte im Bereich der Unterhaltungselektronik funktionieren noch, sind lediglich veraltet.

250.000 Waschmaschinen wurden 2012 in Österreich neu gekauft. Ähnlich viele dürften entsorgt werden.

840 Kilometer, das entspricht einer Strecke von Wien nach Straßburg, erreicht man, wenn man sämtliche 2012 gekaufte Weißware, rund 1,4 Millionen Geräte, Stück für Stück aneinander reiht.

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