Renaturierung: Die March bekommt wieder „Kurven“
Die Arbeiten zur Wiederanbindung des Mäanders haben begonnen.
Renaturierung ist das Wort der Stunde: 20 Jahre nach dem March-Hochwasser starten Österreich und die Slowakei jetzt ein länderübergreifendes Renaturierungsprojekt. Der Fluss, dessen Wassermassen im April 2006 so viel Schaden angerichtet haben, wird wieder mehr Raum bekommen.
900 Meter länger
Zwei Mäander (Flusswindungen oder -schleifen) werden wieder mit der March verbunden und verlängern so ihren Lauf um 900 Meter. Die Maßnahmen werden zwischen den Ortschaften Hohenau und Ringelsdorf umgesetzt.
Die Projektleitung obliegt der Wasserstraßengesellschaft Viadonau: Das Unternehmen untersteht dem Infrastrukturministerium und ist für den Erhalt und die Entwicklung der Donau als Wasserstraße zuständig. Seit einigen Jahren revitalisiert Viadonau gemeinsam mit Partnern aus Tschechien und der Slowakei auch Flussabschnitte an March und Thaya.
Im Prinzip bekommt die March im Zuge des Renaturierungsprojektes mehr Umwege – und die lohnen sich, weil frei fließende Flüsse mehr Leben und Vielfalt in die Umgebung bringen. Das einst begradigte Korsett wird entfernt, Uferverläufe biologisch aufgewertet: Das stärkt insgesamt die Verbindung zwischen Fluss und Au und dient letztlich dem Hochwasserschutz.
Größte zusammenhängende Auenlandschaft Mitteleuropas
Die March-Thaya-Auen bilden gemeinsam mit den Donau-Auen die größte zusammenhängende Auenlandschaft Mitteleuropas. Das Gebiet ist ein vielfältiger und einzigartiger Lebensraum für seltene Arten.
Im Rahmen des gemeinsam mit slowakischen Partnern entwickelten Maßnahmenplans für die beiden Renaturierungsprojekte an der March werden auf österreichischer Seite auf dem Gebiet der drei Gemeinden Hohenau, Ringelsdorf-Niederabsdorf und Drösing zwischen der Straßenbrücke in Hohenau und der Zaya-Mündung seit März 2026 mehrere ökologische und flussmorphologische Verbesserungen umgesetzt.
Besserer Lebensraum für Flora & Fauna
Durch die Rücknahme der Flussregulierung und die Wiederanbindung von zwei Mäandern wird einerseits der Lauf der March um 900 Meter verlängert und andererseits das Gefälle der Flusssohle verringert. Die Absenkung des Ufers verbessert nicht nur die Verbindungsfähigkeit des Flusses mit seinem Umland, sie erhöht auch die Qualität dieses Lebensraumes. Und zwar sowohl für die Lebewesen im und am Fluss als auch für Flora und Fauna in den umliegenden Auwaldgebieten. Neben der dadurch erhöhten „Bewegungsfreiheit“ der March verbessern zusätzliche Maßnahmen für den effizienten Wasserrückhalt den passiven Hochwasserschutz im Grenzgebiet.
Maßnahmen nach 2006
Das aktuelle Projekt ist nur eines in einer langen Reihe von Verbesserungsmaßnahmen, die seit 2006 umgesetzt wurden.
Bereits nach dem Hochwasser 2006 haben das Land Niederösterreich und der Bund ein gemeinsames Maßnahmenpaket beschlossen, das in den Folgejahren umgesetzt wurde: 80 Kilometer Hochwasserschutzdämme wurden saniert und ausgebaut, wofür rund 127 Millionen Euro investiert wurden.
„Leben für 20.000 Menschen sicherer gemacht“
Für elf Renaturierungsprojekte an March und Thaya wurden zusätzlich zehn Millionen Euro aufgewendet. Man habe damit das Leben von rund 20.000 Menschen entlang der March sicherer gemacht, sagt der zuständige Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) dazu. Ein Teil der Hochwasser-Schutzmaßnahmen sei auch, „den Flüssen wieder mehr Raum zu geben. Denn im Katastrophenfall können so Fließgeschwindigkeiten reduziert, mehr Überschwemmungsflächen geschaffen und Hochwasserpegel abgesenkt werden.“
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