Regelbetrieb: Grenzen für Spitalsversor­gung gefallen

Landeskrankenhaus Gmünd
Foto: JüRGEN ZAHRL/Jürgen Zahrl Pro Jahr werden ungefähr 1000 tschechische Patienten im Landeskrankenhaus Gmünd medizinisch versorgt.

Patienten der größten tschechischen Versicherungsanstalt dürfen Medizin im Waldviertel nutzen.

Obwohl der Eiserne Vorhang seit 25 Jahren Geschichte ist und zahlreiche Grenzen zwischen Tschechien und Österreich abgebaut werden konnten, sind noch immer mehrere Hürden vorhanden. Vor allem Sprachbarrieren machen das grenzüberschreitende Zusammenleben schwierig. Zumindest eine weitere Hürden ist nun überwunden: Seit Donnerstag dürfen Patienten aus der tschechischen Grenzstadt Céskě Velenice und Umgebung ambulante und notärztliche Leistungen im Landeskrankenhaus Gmünd in Anspruch nehmen. Aus dem bilateralen EU-Projekt "Health Across" wurde jetzt ein Regelbetrieb.

Paradox

Wie paradox die Situation bisher war, zeigt ein Blick auf die Landkarte. Obwohl die Patienten aus Céskě Velenice das Gmünder Spital in Sichtweite hatten, mussten sie jahrelang zur Behandlung ins rund 60 Kilometer entfernte Krankenhaus nach Budweis fahren. Deswegen einigten sich die beiden Bundesländer Südböhmen und Niederösterreich, einen von der EU geförderten Testlauf zu starten. Im Vorjahr hatten 133 Patienten aus Tschechien die Möglichkeit, zwischen Februar und Juni die ambulanten Leistungen im Landeskrankenhaus Gmünd zu nutzen. Die Ergebnisse: 100 Prozent der Patienten waren mit der Behandlungsqualität zufrieden. Da das Waldviertler Spital mittlerweile auch tschechische Mitarbeiter hat, sind Sprachprobleme minimal.

Kostendifferenz

"Daher hat die größte tschechische Versicherungsanstalt ’VZP’ einem Regelbetrieb zugestimmt. Und das, obwohl sie auch Kostendifferenzen berücksichtigen muss", erklärte Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka. Die Verantwortlichen rechnen, dass jährlich ungefähr 1000 Patienten aus Tschechien das medizinische Angebot nutzen werden. "Mit dem grenzenlosen Projekt gehört Niederösterreich zu den Vorreitern in Europa", betonte Sobotka.

In den nächsten Wochen seien weitere bilaterale Gespräche geplant, um die barrierefreie, medizinische Zusammenarbeit auch auf andere Regionen auszuweiten. In Zukunft sollen die Niederösterreicher etwa die Strahlentherapie in Znaim nahe Hollabrunn nutzen können.

(kurier) Erstellt am
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