Chronik | Niederösterreich
05.11.2017

Raus aus dem NÖ Landhaus: 500 Jobs für die Regionen

Arbeitsplätze und Aufgaben werden übersiedelt, neue Mitarbeiter im ländlichen Raum rekrutiert.

Die Freude von Johanna Mikl-Leitner darüber, dass das Umweltbundesamt von Wien nach Klosterneuburg übersiedeln soll, war groß. Die Landeshauptfrau will nun auch innerhalb der eigenen Verwaltung kräftig umrühren und mehr Jobs von St. Pöltener Zentralstellen in die Regionen verlagern.

Aktuell arbeiten rund 2800 Bedienstete im Landhaus. Rund 100 Arbeitsplätze sollen an andere Dienststellen des Landes – etwa Kliniken, Heime oder Schulen – wandern. Andererseits werden Verwaltungseinheiten vom Landhaus in die Regionen verlagert – konkret etwa ein "Kompetenzzentrum für Strafen mit Auslandsbezug", ein Amt ohne Parteienverkehr, was die Standortsuche erleichtert. Die von Erwin Pröll begonnene Bündelung von Kompetenzen bei einzelnen Bezirkshauptmannschaften wird fortgesetzt. Standorte in Randlagen stehen im Fokus.

Das Fünfjahresprojekt wird gemeinsam mit der Personalvertretung umgesetzt. Beginnend mit 2018 sollen 100 zusätzliche Telearbeitsplätze für Landesbedienstete entstehen – bevorzugt in Grenzregionen im Wald- und Weinviertel, im südlichen Industrieviertel oder Mostviertler Tallagen. Bis 2022 werden weitere 200 Telearbeitsplätze auf BHs, Straßenbauabteilungen und in Sozialpädagogischen Einrichtungen in Aussicht gestellt. 100 Dauerarbeitsplätze werden in Form von Landhaus-Außenstellen geschaffen.

"Unser Bestreben ist eine Belebung des ländlichen Raumes", sagt Mikl-Leitner. "Das erreichen wir durch Arbeitsplätze. Zugleich glauben wir, damit die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeiter zu erhöhen." Anfahrtswege würden minimiert, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf damit gestärkt. Wichtig: Die Verlagerung von bereits bestehenden Jobs soll ausschließlich auf freiwilliger Basis erfolgen. Kein Landesbediensteter werde zur Übersiedlung gezwungen. Allerdings will man neue Mitarbeiter verstärkt im ländlichen Raum rekrutieren.

Die Offensive bedeutet die größte Beamtenwanderung seit den 1990er-Jahren, als die Landesregierung von Wien nach St. Pölten übersiedelte. Grundvoraussetzung dafür ist die Digitalisierung. "Der fixe Schreibtisch ist für viele Arbeitsfelder nicht mehr notwendig, daraus ergibt sich für viele die Möglichkeit, räumlich unabhängig zu arbeiten. Gleichzeitig gibt es immer mehr Menschen, die sich mehr Flexibilität wünschen", sagt Mikl-Leitner. Dafür muss aber der Breitbandausbau rasch vorangetrieben werden. "Dann können wir noch offensiver über neue Arbeitsmodelle nachdenken."