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Ratschenbauer aus dem Weinviertler holt den Weltrekord

Ernst Ribisch hat die bisher größte Schubkarrenratsche der Welt gebaut.
Ratschenbauer Ernst Ribisch bei der Arbeit in seiner Werkstatt.

Für viele andere wäre es wohl nur ein altes Wagenrad gewesen. Für Ernst Ribisch war es hingegen eine neue Herausforderung: Der Herrnbaumgartner ist als Ratschenbauer bekannt und hütet das alte Brauchtum wie seinen Augapfel. Mit viel Geschick und Liebe zur Tüftelei repariert und baut er seit vielen Jahren Ratschen, große wie kleine. Und nun hat er sogar kurzerhand eine der größten Ratschen der Welt gebaut.

„Das Wagenrad hing lange Zeit als Luster in unserem Presshaus“, erzählt Ribisch, wie es dazu kam. Um mehr Licht zu haben, ließ es jedoch abnehmen – woraufhin es zunächst achtlos in einer Ecke lagerte. Bis ihn ein Tischler aus der Region historische Aufnahmen von großen Schubkarrenratschen zeigte, die Ribisch zuvor schon oft im kleineren Maßstab gebaut hatte.

Zündende Idee

„Da kam mir die Idee, das Rad in einer großen Ratsche zu verbauen“, so Ribisch. Also machte er sich mit der gewohnten Akribie an die Arbeit: In seiner Werkstatt probierte er verschiedene Versionen aus, überlegte genau, welche Holzarten er in welchen Dimensionen verbauen musste. Denn eines war klar: Ratschen musste die neue Riesenratsche schon – auch dann, wenn Ribisch sie eigentlich nur als Ausstellungsstück für seine Arbeit verwenden wollte.

Erst durch einen Hinweis wurde ihm klar, dass er womöglich einen Weltrekord erzielt hatte: Die Schubkarrenratsche ist satte 2,71 Meter lang, 0,58 Meter breit und 20,1 Kilogramm schwer. Und sie ist laut – mit 80 Dezibel etwa so laut wie ein vorbeifahrender Lkw.

Ernst Ribisch mit seiner 2,71 Meter großen Weltrekord-Ratsche.

Ernst Ribisch mit seiner 2,71 Meter großen Weltrekord-Ratsche.

Das Rekord-Institut Österreich bestätigte den neuen Weltrekord und machte Ribisch damit zum „offiziellen Rekordhalter“. Das war nur dank Unterstützerinnen und Unterstützern möglich; denn eine Zertifizierung und der Eintrag ins Register kosten Geld, und das stellten mehrere Sponsoren aus der Gemeinde zur Verfügung.

Hochoffiziell

„Das ist der erste Weltrekord bei uns in Herrnbaumgarten“, ist Ribisch stolz. Fichte, Esche und Eiche hat er für die Riesenratsche verwendet. Insgesamt arbeitete er zwei Monate daran – allerdings nur, wenn es seine Zeit erlaubte. Denn als einer der letzten Ratschenbauer in Österreich und Ansprechperson für die UNESCO-Kommission, die das Ratschen als immaterielles Kulturerbe anerkannt hat, hat der Weinviertler das ganze Jahr über viel zu tun.

Am Samstag wird Ribisch seine Urkunde ganz offiziell erhalten. Landtagspräsident Karl Wilfing wird sie ihm überreichen. „Dass ich mal einen Weltrekord hinlege, hätte ich niemals gedacht!“, freut er sich.

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