Andrang überschätzt? Noch Plätze im Psychotherapie-Master frei
Wer Psychotherapie studieren möchte, musste das bisher meist neben dem Beruf und auf eigene Kosten tun. Die Ausbildung erfolgte lange Zeit an privaten Hochschulen oder nicht-universitären Bildungseinrichtungen und war mit hohen Gebühren verbunden. Ab Herbst 2026 können angehende Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten dank einer Novelle im Psychotherapiegesetz erstmals an öffentlichen Universitäten ausgebildet werden.
Derzeit läuft die Anmeldung für das kostenlose Masterstudium. 500 Plätze stehen österreichweit zur Verfügung – 80 davon allein an der Universität für Weiterbildung Krems (UWK). Die Ausbildung richtet sich an Personen mit unterschiedlichen Bachelorabschlüssen, etwa in den Bereichen Psychologie, Soziale Arbeit oder Gesundheits- und Krankenpflege. Bis 7. April können Bewerbungen eingereicht werden.
Im Vorfeld wurde ein großer Andrang erwartet. Dieser blieb bisher jedoch aus, wie Christoph Pieh, Leiter des Departments für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, erzählt. Konkrete Zahlen nennt er nicht. Es seien jedoch noch Plätze frei. Der erwartete "regelrechte Run" mit mehreren Tausend Bewerbungen österreichweit sei bisher ausgeblieben.
Christoph Pieh, Leiter des Departments für Psychosomatische
Medizin und Psychotherapie an der UWK.
Pieh führt die verhaltene Nachfrage unter anderem auf die neuen Rahmenbedingungen zurück: "Es ist diesmal kein berufsbegleitendes Studium, sondern ein klassisches Studium." Das bedeutet: Lehrveranstaltungen finden wochentags statt – konkret von Montag bis Donnerstag.
Neue Zielgruppe
Die bisherige, außerordentliche Psychotherapieausbildung an der UWK werde jedoch von im Schnitt 40-jährigen Personen nachgefragt, die bereits im Berufsleben stehen, so Pieh. Ein Vollzeitstudium sei für diese Gruppe häufig nicht möglich. Pieh erwartet daher eine Verjüngung der Ausbildung: "Wir sprechen jetzt ein neues Zielpublikum an."
Seit zwei Jahrzehnten wird Psychotherapie an der Universität für Weiterbildung Krems unterrichtet. Aus einem Lehrgang in Kooperation mit der Niederösterreichischen Ärztekammer habe sich der Ausbildungs- und Forschungsstandort entwickelt, teilte die Einrichtung in einer Aussendung mit. Rund 1.200 Personen befinden sich heute in den unterschiedlichen Phasen ihrer Psychotherapieausbildung an der UWK.
Seit 2024 ist die Einrichtung über die Universitätsambulanz für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie direkt an die klinische Praxis angebunden. Als besonderes Angebot führt die Universität das therapeutische Klettern an. An der universitätseigenen Boulderwand werde psychotherapeutische Arbeit mit Bewegung verbunden, um Selbstwirksamkeit, Körperwahrnehmung und Vertrauen zu fördern.
Ab dem Wintersemester 2026/27 bietet die Universität für Weiterbildung Krems ein ordentliches Masterstudium Psychotherapie an.
Der geringe Andrang könnte laut dem Institutsleiter auch mit offenen Fragen zur noch jungen Ausbildung zusammenhängen – insbesondere zur dritten Phase. Diese beginnt im Anschluss an den Masterabschluss und besteht aus Praxis unter Supervision; dieser Teil wird nicht von den Universitäten, sondern von Vereinen oder Fachgesellschaften angeboten. Pieh sieht hier für Krems einen Standortvorteil, da mehrere Fachgesellschaften hier angesiedelt sind und die zweite und dritte Ausbildungsphase aufeinander abgestimmt werden können.
Während sich die Plätze im Masterstudium nur langsam füllen, ist die Nachfrage nach dem außerordentlichen Studium an der UWK groß. "Wir starten im Semester mit zwei bis drei Kohorten und sind eigentlich schon voll. Auch für den Herbst, auch für nächstes Jahr", sagt Pieh.
Abwarten
Dass die Plätze im neuen Masterstudium noch nicht vollständig vergeben sind, bewertet der Institutsleiter allerdings nicht als Hinweis auf ein Scheitern des Modells. "Die meisten bewerben sich in der letzten Woche", ordnet der Institutsleiter ein. Er sieht in der derzeitigen Lage eher eine Chance für Interessenten: "Die Konkurrenz wird mit jedem Jahr größer." Wer mit dem Gedanken spiele, solle sich demnach jetzt bewerben. Er selbst sieht das neue Studium als Zukunft der Branche.
Auch im Wissenschaftsministerium, das maßgeblich an der Novelle beteiligt war, ist man über die bisher laue Nachfrage informiert. In Salzburg zeichne sich derzeit ein ähnliches Bild ab. Noch gebe es jedoch keinen Grund zur Sorge. Belastbare Aussagen seien erst nach Ablauf der Bewerbungsfrist möglich.
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