Essstörung im Alter: Studie aus Krems zeigt Missstände auf
Wer an Betroffene von Essstörungen denkt, hat häufig jüngere Menschen vor Augen. Ein stereotypes Bild, mit teils fatalen Folgen für ältere Patientinnen und Patienten. Wie eine aktuelle Veröffentlichung der IMC Hochschule für Angewandte Wissenschaften Krems zeigt, wird krankhaftes Essverhalten im höheren Lebensalter häufiger übersehen und falsch eingeordnet.
Im Zuge einer Masterarbeit wurden Interviews mit mehreren Hausärztinnen und Hausärzten geführt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Gewichtsverluste oder Appetitveränderungen bei über 65-Jährigen häufiger als altersbedingt oder als Folge körperlicher Erkrankungen interpretiert werden. Psychische Ursachen, wie Magersucht, wurden seltener in Betracht gezogen, heißt es in einer Aussendung der Hochschule.
Handlungsbedarf
Hinzu kommen laut den Autorinnen unter anderem geschlechterspezifische Zuschreibungen: So gelten ältere Frauen oft als weniger am äußeren Erscheinungsbild interessiert, während Essstörungen bei älteren Männern kaum wahrgenommen werden. Mehrfacherkrankungen, fehlende altersgerechte Screening-Instrumente sowie ein starker Fokus auf körperlicher statt psychischer Auslöser würden die Diagnostik zusätzlich erschweren.
"Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Essstörungen im höheren Lebensalter in der hausärztlichen Praxis nicht immer erkannt oder angemessen adressiert werden", so Hanna Köttl, Studiengangsleiterin des Health Departments der IMC. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass die qualitative Methodik und die begrenzte Stichprobe keine Verallgemeinerung der Ergebnisse erlauben. Die Autorinnen plädieren für eine stärkere Sensibilisierung im Gesundheitswesen sowie für Public-Health-Maßnahmen, um Essstörungen im Alter sichtbar zu machen und die Versorgung nachhaltig zu verbessern.
Kommentare