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Streit in Asylquartier eskalierte: Attacke mit zerbrochener Flasche

Zwei Algerier fügten einander in Traiskirchen mehrere Schnittwunden zu. Vor Gericht schoben sie dem jeweils anderen die Schuld zu.
Zwei Angeklagte werden von Justizwachebeamten eskortiert

Ein blutiges Duell mit zerbrochenen Glasflaschen trugen zwei algerische Asylwerber im September 2025 am Bahnhofsplatz in Traiskirchen (Bezirk Baden) aus. Sie fügten einander mehrere Schnittwunden zu. 

Eine Zeugin wählte schließlich den Notruf. Sie hatte beobachtet, wie ein Mann zunächst auf seinen Kontrahenten eingeschlagen und danach mit der zerbrochenen Flasche auch noch auf ihn eingestochen hatte.

Als die Polizei am Bahnhofsplatz eintraf, hatten sich die Streithähne bereits aus dem Staub gemacht, konnten aber rasch ausfindig gemacht und festgenommen werden. Beide wiesen Stichverletzungen, unter anderem im Hals, auf. Von "einer klaffenden, circa 11 Zentimeter langen Schnittwunde mit Durchtrennung des linken Ohrläppchens und Fortsetzung an der linken Halsseite bis zum Kehlkopf", spricht ein medizinischer Sachverständiger. Lebensbedrohlich verletzt worden sei aber keiner der beiden.

Versuchter Raub und Mord?

Am Dienstag standen sich die beiden nun am Landesgericht Wiener Neustadt wieder gegenüber - beide als Angeklagte. Versuchten Mord warf ihnen der Staatsanwalt vor, einem der beiden außerdem versuchten schweren Raub, weil er vom anderen Geld verlangt haben soll.

Das bestritt der 39-Jährige jedoch. Er habe weder versucht, seinen 28-jährigen Landsmann zu berauben, noch ihn zu ermorden. Vielmehr sei er von diesem dazu aufgefordert worden, einen Disput, den die beiden zuvor in der Asylunterkunft gehabt hatten, nun "als Kampf auszutragen", behauptete der Algerier. Weil er dies verweigert habe, sei er attackiert worden, habe dem Kontrahenten dessen Verletzungen dann nur in Notwehr zugefügt.

"Ein bisschen weggetreten"

Dass der 39-Jährige nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus dort auch Ärzte beschimpft und bedroht sowie Polizeibeamte attackiert hatte, versuchte seine Verteidigerin am Dienstag ebenfalls als Abwehrreaktion darzustellen. Ihr Mandant sei nach dem gewalttätigen Zwischenfall in Traiskirchen "ein bisschen weggetreten gewesen", dann im Krankenhaus zu sich gekommen und habe die Ärzte und Polizisten daher im ersten Moment als Bedrohung wahrgenommen, argumentierte die Anwältin.

Angefangen habe die Auseinandersetzung damit, dass er von seinem Zimmergenossen in der Asylunterkunft an jenem Tag dazu aufgefordert worden sei, dessen Bett zu machen, schilderte dann der 28-jährige Zweitangeklagte seine Sicht der Dinge. "Das wollte ich nicht. Da hat er mir eine Ohrfeige gegeben. Ohne Vorwarnung", behauptete er. Später habe er die Unterkunft alleine verlassen, sei von seinem 39-jährigen Landsmann aber verfolgt und zur Rede gestellt worden. Dieser habe ihn dann - wieder ohne Vorwarnung - mit der Glasflasche attackiert und verletzt.

Urteil

Auch er beteuerte, sich nur gegen diesen Angriff verteidigt zu haben. "Sie haben gar nicht zurückgeschlagen?", fragte der vorsitzende Richter. "Ich habe ihn nur weggedrückt", antwortet der Algerier. Woher die Verletzungen seines Kontrahenten stammten, konnte er jedoch nicht beantworten.

Am Dienstagabend standen die – nicht rechtskräftigen – Urteile schließlich fest: Der 39-Jährige wurde zu sechs Jahren Haft, der 28-Jährige zu fünf Jahren Haft verurteilt. Allerdings nicht für versuchten Mord, sondern für absichtliche schwere Körperverletzung. Vom Vorwurf des schweren Raubs wurde der 39-Jährige freigesprochen.

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