Verhinderter Swift-Attentäter wollte Osama Bin Ladens Uhr
Der Prozess gegen den 21-jährigen Beran A. aus dem Bezirk Neunkirchen, der im August 2024 einen Terroranschlag auf ein Konzert von Sängerin Taylor Swift in Wien geplant haben soll, wird heute, Dienstag, fortgesetzt. Am Landesgericht Wiener Neustadt kommen ehemalige Freunde und Bekannte des mutmaßlichen Terroristen zu Wort.
Und deren Aussagen werfen kein gutes Licht auf den Angeklagten. Ebenso wie ein offizieller Antrag des 21-Jährigen am Montag, der eine ganz spezielle Armbanduhr zurück haben möchte, womit ihn die vorsitzende Richterin am Dienstag überraschend konfrontiert.
Es handelt sich dabei um jene Digitaluhr, die er bei seiner Verhaftung trug. Dieselbe Uhr, die auch Osama Bin Laden - Drahtzieher der Terroranschläge auf das World Trade Center im September 2001 - getragen hatte. Davon habe er aber erst nach seiner Verhaftung erfahren, beteuert Beran A.
Die Richterin lässt trotzdem keinen Zweifel an ihrer Meinung über den Antrag aufkommen: „Diese Art von Uhr wird in Terrorcamps für Zeitbomben verwendet. Was glauben Sie, denkt man sich, wenn Sie eine Uhr zurückhaben wollen, die Osama Bin Laden getragen hat und die für Zeitbomben verwendet wird?“
„Wollte einfach nur eine Uhr“
Der Bau einer Zeitbombe sei nicht seine Absicht gewesen, sagt Beran A. Er habe zuvor die Rückerstattung einer seiner anderen Uhren beantragt, dies sei jedoch mehrfach abgelehnt worden. „Ich wollte einfach nur eine Uhr.“
In ihren Aussagen als Zeugen berichten dann mehrere ehemalige Freunde und Bekannte von der zunehmenden Radikalisierung des Angeklagten in den Monaten vor dem verhinderten Terroranschlag im Wiener Ernst Happel Stadion. Er habe ihn mehrfach gebeten, ihm Waffen zu besorgen, erinnerte sich einer der Zeugen etwa. Man habe mit Platzpatronen Schießübungen neben der Bundesstraße 17 in Neunkirchen veranstaltet.
„Habe etwas Großes vor“
„Warum macht man so etwas?“, will die Richterin wissen. „Weil uns fad im Schädl war“, sagt der Zeuge, der selbst in Handschellen aus der Haft in den Gerichtssaal geführt wird. „Wir haben damals viel Blödsinn gemacht, einfach weil uns langweilig war.“ Beran A. habe offen seine Sympathie zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bekundet. Als er ihn bat, ihn mit dem Auto nach Wien zu bringen, habe er daher schon „ein ungutes Gefühl“ gehabt, behauptet der 18-Jährige. Seine Antwort damals: „Solange es kein Amoklauf wird, ist alles ok.“
Wie er darauf gekommen sei? „Ich weiß es nicht, aber er hat gesagt, dass er etwas Großes vorhat und dass wir alle davon mitbekommen werden.“
Am Tag vor seiner Verhaftung habe ihn Beran A. dann nach Batterien erkundigt. Auf seine Frage „Willst du eine Bombe basteln, oder wofür brauchst du Batterien?“, habe der 21-Jährige nur ausweichend geantwortet. „Ich habe überlegt, ob ich zur Polizei gehen soll, habe es dann aber nicht gemacht. Und am nächsten Tag ist schon der Verfassungsschutz vor meiner Tür gestanden“, erinnert sich der Zeuge.
Gespräche in der Moschee
Einen weiteren Zeugen hatte Beran A. gefragt, wo er eine Zündschnur erwerben könne. Einen anderen - ein Bekannter aus einer Moschee, die er frequentierte - nach seiner Meinung zu Terroranschlägen im Namen des Islam. Er habe klargestellt, dass dies ausnahmslos verboten sei, betont der Mann am Dienstag.
Zu seiner eigenen Einstellung befragt, gibt er an, er sei für ein „Kalifat“ und die islamische Rechtsordnung Scharia, sei aber IS-Gegner. Er habe Beran A. zu einer Pilgerfahrt nach Saudi-Arabien geraten. Nach dieser sei A. „immer radikaler“ geworden und Osama Bin Laden als „Held“ bezeichnet. Nach „schlaflosen Nächten“, weil er Beran A. nicht umstimmen konnte, habe er den Kontakt abgebrochen. In einer Sprachnachricht sagte er Beran A. mehrmals „Du bist gefährlich mit diesem Gedankengut. Aber denk nicht, dass sich jemand fürchtet vor dir. Das einzige, was wir wollen, ist Abstand.“
Schließlich habe er öffentlich vor Beran A. gewarnt und ihn aus einer WhatsApp-Gruppe entfernt. Nicht die Polizei alarmiert zu haben, sehe er aus heutiger Sicht als Fehler, gibt der Mann zu. „In Zukunft werde ich das immer sofort tun, wenn ich den Verdacht habe, dass jemand gefährlich ist.“ Beran A. schade allen Muslimen: „Man schaut mich jetzt schief an, meine Frau und meine Schwester werden beschimpft.“
Der Prozess wird am Nachmittag fortgesetzt.
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