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Chronik Niederösterreich
08/05/2020

Projekt „A faire Milch“ wurde zu Grabe getragen

Die Interessensgemeinschaft (IG) Milch muss das Projekt aufgeben, will aber als Vertretung weiterkämpfen.

von Martin Gebhart

Vor 14 Jahren hatten Milch-Rebellen das Projekt „A faire Milch“ im Mostviertel und dem benachbarten Oberösterreich gestartet. Man stellte sich gegen das System der Milchgenossenschaften und der Bedingungen der Molkereien. Markenzeichen wurde die rot-weiß-rote Kuh „Faironika“, die vor Supermärkten und an der Autobahn platziert wurde. Ihre Organisation die IG-Milch. Ende Juli wurde nun das Projekt „A faire Milch“ zu Grabe getragen. Nicht ohne einen Rundumschlag gegen den Bauernbund und die Landwirtschaftskammer.

Zu den Gründungsmitgliedern der IG-Milch zählt der Mostviertler Biobauer Ernst Halbmayr. Er war Projektleiter von „A faire Milch“, das nun komplett aus den Regalen verschwunden ist. Er sagt, dass nicht die Handelsketten das Projekt zum Scheitern gebracht hätten, sondern das landwirtschaftliche System. Halbmayr: „Wenn wir eine Werbetafel oder eine unserer Kühe aufgestellt haben, wurden wir sofort angezeigt. Man wollte nicht zulassen, dass es uns am Markt gibt.“

Ewald Grünzweil, Obmann der IG, sieht auch die Molkereien als Ursache: „Es wurden Absprachen unter den Molkereien getätigt, keine wechselwilligen Betriebe aufzunehmen. Das war für Bauern, die ihren Abnehmer wechseln wollten, praktisch eine gezielte Existenzvernichtung, denn jeder Bauer ist von der Milchabholung abhängig.“

Auch wenn das Projekt „A faire Milch“, das 2006 den Staatspreis für Marketing erhalten hatte, jetzt gestoppt werden musste, so will die IG Milch dennoch weitermachen. Halbmayr: „Wir haben weiter über 1.000 zahlende Mitglieder. Wir werden als IG-Milch unsere Leute im Kampf um einen fairen Milchpreis und gerechtere Vermarktungsmöglichkeiten unterstützen.“

Gescheitertes Projekt

Unterstützung erhält die IG-Milch von den SPÖ-Bauern. In einer Vorstandssitzung in St. Pölten bekräftigte Bundesvorsitzender Josef Etzenberger die Wichtigkeit der IG für die Landwirtschaft. Man bedaure, dass die Eigenmarke „A faire Milch“ nun eingestellt wird.

Die ÖVP-Bauern sehen keinen Grund, das Aus „zu beweinen“. Leopold Gruber-Doberer, Obmann der Milchgenossenschaft NÖ (MGN): „Sie haben einen Versuch gestartet und nun einsehen müssen, dass es so nicht geht. Aber schuld sind dann immer die anderen.“ Und: „Der Preis für die faire Milch war in gewissen Zeiten ein hoher, weil die IG einen Keil in die Bauernschaft getrieben hat und Wunden geschlagen wurden, die nur langsam heilen können“, heißt es weiters aus der Bauernschaft.

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