Chronik | Niederösterreich
22.04.2018

Poysdorf profitiert von Nordautobahn

Die A5 hat den Verkehr durch die Stadt reduziert – mit weitreichenden Auswirkungen

Obwohl Poysdorf (Bezirk Mistelbach) ein bekannter Weinort ist, wurden vor allem die Lkw-Kolonnen, die sich täglich durch die Straßen schoben, mit der Stadt im Weinviertel verbunden. 4700 Lastkraftwagen wurden im August 2017 täglich gezählt. Ende des Jahres wurde dann die Nordautobahn eröffnet. Seither hat sich das Ortsbild rapide verändert.

„Man kann mit den Kindern wieder ohne Angst spazieren gehen. Es war davor teilweise wirklich gefährlich“, erzählt die Poysdorferin Kerstin Klamm (38). Die Lebensqualität hat sich eindeutig verbessert. Und am Wochenende merken wir, dass auch Tagesausflügler aus Wien kommen“, sagt Brigitte Neustifter (53) vom gleichnamigen Weingut. „Die Leute hatten teilweise Angst, dass im Ort dann weniger Geschäft gemacht wird, aber das Gegenteil ist der Fall“, erklärt der Transportunternehmer Herbert Heger (64).

„Die Lkw, die früher durch Poysdorf gefahren sind, haben ohnehin nicht angehalten. Da hat man kaum Geschäft gemacht. Dafür kommen jetzt wieder Menschen aus den Nachbarorten, wie Poysbrunn, zum Einkaufen zu uns. Die haben sich früher eher nach Laa an der Thaya orientiert und Poysdorf gemieden. Jetzt kommen so viele, dass wir sogar zu wenig Parkplätze haben“, beschreibt der Bürgermeister Thomas Grießl (ÖVP) die Situation. „Früher musste man mindestens mit einer halben Stunde Zeitverlust rechnen, die Leute sind verspannt und gestresst angekommen. Das hat sich auf die Psyche ausgewirkt. In der Stadt herrscht jetzt ein ganz anderes Klima“, ist Karl Wilfing (ÖVP), seit März Präsident des Niederösterreichischen Landtages, überzeugt. Er wird auch „Vater der Nordautobahn“ genannt, hat er doch das Projekt A5 zwei Jahrzehnte betreut.

Bauplätze

Auch wirtschaftliche Auswirkungen sind durch die A5 bemerkbar. Der Wirtschaftspark Wilfersdorf verzeichnet laut Wilfing eine größere Nachfrage. Auch die umliegenden Orte werden wiederbelebt. Binnen kürzester Zeit gab es etwa in Baumgarten Nachfragen von Wiener Familien, die sich für Bauplätze interessieren. In Schrattenberg ist derzeit nichts mehr frei. „Davor gab es immer viel Wohnangebot, aber keine Nachfrage, das hat sich jetzt umgekehrt“, sagt Wilfing. In der Stadt selbst können wieder Sanierungsarbeiten angegangen werden. So stehen in nächster Zeit die Dreifaltigkeitssäule und das Rathaus auf der Liste. „Vorher hat es bei all dem Verkehr einfach keinen Sinn gemacht“, sagt Grießl. Und die Straßen, die durch den massiven Verkehr in Mitleidenschaft gezogen wurden – zum Beispiel durch Rillen im Asphalt merkbar –, sollen wieder hergerichtet werden. Auch die Ampelanlagen sollen angepasst werden, denn für das neue Verkehrsaufkommen, sind es zu viele. Dass der Verkehr so zurückgegangen ist, stört nur die Tankstelle. 35 Prozent Rückgang wurden verbucht. Das Weinhotel Rieder auf der anderen Seite atmet auf: „Jetzt beschweren sich die Gäste nicht mehr, wenn sie ein Zimmer an der Straße haben.“

Nächster Schritt im A5-Gesamtprojekt ist die Umfahrung Drasenhofen. Vor zwei Wochen erfolgte der Spatenstich. Ziel ist eine direkte Autobahnverbindung zwischen Wien und Brünn in Tschechien. Darüber würde sich auch Jana Konecna (31) freuen, die in einer Bäckerei in Poysdorf arbeitet und täglich nach Tschechien pendelt.