Chronik | Niederösterreich
04/11/2019

Polit-Zaubertrick: SPÖ lässt ÖVP-Stadtrat verschwinden

Der Schwarze passte nicht ins Bild, da griffen die Roten kurzerhand zum Pixel-Pinsel.

„The man who wasn’t there“ betitelten die oscarprämierten US-Filmemacher Joel und Ethan Coen ihr 2001 erschienenes Leinwand-Drama. Der Inhalt des Films, in dem es um Erpressung, Mord und eine UFO-Entführung geht, hat nichts mit der Mostviertler Kommunalpolitik zu tun. Trotzdem könnte ein zeitgenössisches Remake in St. Valentin angesiedelt sein. Der dortige „Mann, der nicht da war“ heißt Andreas Pum.

Der ÖVP-Stadtrat wurde jüngst gemeinsam mit SPÖ-Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr, Citymanagerin Doris Haider und SPÖ-Stadtrat Patrick Hagmüller für die Titelseite der St. Valentiner Stadtzeitung abgelichtet. Grund für den Fototermin war ein Bericht über das gemeinsame Vorgehen von Rot und Schwarz beim neuen Innenstadt-Konzept.

Die in der Stadt absolut regierende SPÖ verschickte das Bild außerdem an diverse Regionalmedien. Allerdings dürfte den Verantwortlichen der Schwarz-Anteil im Foto zu groß gewesen sein: Folglich war im versendeten Bild von Andreas Pum nichts mehr zu sehen – der Stadtrat war kurzerhand wegretuschiert worden.

Die Bürgermeisterin goutiert die künstlerische Freiheit ihrer Gemeindepartei zwar nicht – „das war nicht besprochen“ –, meint aber zum KURIER: „Jetzt ist das halt passiert und ich mache kein großes Thema daraus.“

Ganz anders ÖVP-Stadtparteichef Michael Purkarthofer, der sich ereifert: „Eine überhebliche und unanständige Selbstinszenierung. Es fehlt Frau Suchan-Mayr an Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Respekt – und das sind Eigenschaften, die man in der Kommunalpolitik aber braucht.“

Die so Attackierte hält die Reaktion für „überzogen“ und sieht die Retuschier-Aktion sportlich: Gerade die ÖVP sei bekannt dafür, gerne eigene Fotos ohne Politiker anderer Parteien zu schießen. „Wer im Glashaus sitzt ...“, so Suchan-Mayr.

Und Andreas Pum? Der ist mittlerweile wieder aufgetaucht und sagt: „In der Gemeindepolitik geht es um Gemeindearbeit und nicht um Selbstinszenierung.“ Die Bürgermeisterin könne gerne „in ihrer Parteizeitung nur Fotos von sich abdrucken“. In St. Valentin aber gebe es neben der SPÖ auch ÖVP, FPÖ und Grüne. Aktionen wie die aktuelle Bildbearbeitung „tragen nicht zu mehr Gemeinsamkeit bei“.