Pitten: Missbrauch in Heim aufgeflogen

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Als der Skandal publik wurde, wechselte der verdächtige Betreuer sogar noch in ein Kinderdorf ins Burgenland.

Zuerst galten die Missbrauchsfälle als verjährt und es schien so, als würde die Causa bei den Akten landen. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft hat jedoch eine Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen einen Erzieher des Kinderheimes Pitten im Bezirk Neunkirchen erreicht. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt bereitet eine Anklage wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs gegen den 47-jährigen Gerald T. vor.

Die Volkshilfe Wien betreibt in Pitten ein Heim für Kinder, die aus schwierigen familiären Verhältnissen stammen. T. war dort 19 Jahre lang Betreuer, bis im Sommer 2010 ein neun- und ein zehnjähriger Bursche bei sexuellen Handlungen erwischt wurden. Bei der Befragung gaben die Kinder an, die Sachen bei ihrem Erzieher „gesehen“ und „gelernt“ zu haben. Die Volkshilfe Wien beteuert, darauf hin sofort reagiert zu haben. „Es wurde im August eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft geschickt und das Dienstverhältnis mit dem Betreuer aufgelöst“, erklärt die Sprecherin der Volkshilfe Wien, Christine Penz.

Abfertigung

Trotz der schweren Vorwürfe wurde das Dienstverhältnis mit dem Betreuer einvernehmlich aufgelöst und er bekam oben drein noch eine Abfertigung für 19 Dienstjahre. Zudem ist es Gerald T. nach dem Skandal in Pitten sogar noch gelungen ist, in einem Kinderdorf im Burgenland anzuheuern. Erst als man von den Ermittlungen gegen ihn Wind bekam, wurde er auf die Straße gesetzt. Bis dato soll es drei Opfer aus den 90er-Jahren und zwei weitere von 2010 geben. Die Burschen wurden bereits einvernommen. Unterdessen kommen in Leoben fünf Pädagogen wegen Quälens Unmündiger vor Gericht. Das hat am Donnerstag das Oberlandesgericht Graz entschieden. Die fünf Sozialpädagogen und Erzieher sollen bis 2010 in der Obersteiermark Kinder misshandelt haben. Laut Anklage haben die Kinder bei der von der Trägerorganisation Pro Juventute betreuten Pflegefamilie etwa barfuß im Schnee stehen und Essensentzug erleiden müssen.

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Erstellt am 13.01.2012