Hausärztin Ertl (li.) und Apothekerin Geyerhofer unterstützen sich gegenseitig.

© KURIER/Jürgen Zahrl

Schwadorf
12/29/2015

Pharmazeutin will, dass die Hausapotheke erhalten bleibt

Rückendeckung bekommt Hausärztin Claudia Ertl, doch die Apothekerkammer macht Druck.

von Jürgen Zahrl, Johannes Weichhart

Im Kampf um den Erhalt ihrer Hausapotheke bekommt Allgemein-Medizinerin Claudia Ertl aus Schwadorf, Bezirk Wien-Umgebung, Rückhalt von der neuen Apothekerin im 2,8 Kilometer entfernten Enzersdorf: Sie weigert sich, einen Antrag auf Schließung der Hausapotheke zu stellen und hat dafür plausible Gründe. Allerdings erhöht die Apothekerkammer den Druck und verlangt ein Ende durch die Bezirksbehörde.

Als Ertl im vergangenen Sommer erfahren hat, dass sie ihre Hausapotheke zusperren muss, war die Aufregung in Schwadorf groß. Bürgermeister Jürgen Maschl und viele Bewohner ärgern sich darüber, dass sich die Wegstrecke zur nächsten Apotheke (unnötig) verlängern wird. "Vor allem für ältere Menschen und Mütter mit Kleinkindern ist das traurig", sagt Medizinerin Claudia Ertl. Außerdem sei das für sie ein finanzieller Verlust, der nicht unwesentlich ist.

Um Ertls Überleben zu sichern, kämpft sogar die Pharmazeutin Monika Geyerhofer aus Enzersdorf für die Hausärztin. Ihre seit Juni 2014 offene Apotheke ist der Grund dafür, dass ein Behördenverfahren läuft. Geyerhofer ist aber überzeugt, dass Ertl nur mit ihrer eigenen Medikamenten-Ausgabe weiterhin bestehen kann und stellt deswegen keinen Antrag auf Zurücknahme der Hausapotheke. Denn "wenn es in der Nachbarschaft keinen Arzt mehr gibt, sind auch unsere Einnahmen bedroht", erklärt Geyerhofer. Trotzdem bleibt die Apothekerkammer dabei: Die Bezirkshauptmannschaft Wien-Umgebung soll dafür sorgen, dass die Hausapotheke geschlossen wird.

Rechtsmeinungen

Doch verschiedene Rechtsmeinungen machen den Fall so speziell. Während sich Ertls Anwalt Markus Lechner darauf beruft, dass die Bezirksbehörde nur nach Antrag der neuen Apotheke aktiv werden darf, und auf den exakten Wortlaut des Gesetzestextes verweist, sieht das die Apothekerkammer ganz anders. "Die Bezirkshauptmannschaft kann auch ohne Antrag agieren", sagt Rainer Prinz, Leiter der Rechtsabteilung in der Apothekerkammer und stützt seine Aussage auf Meinungen des Ministeriums und des Landes NÖ. Gleichzeitig verspricht er einen Ersatz für die Hausapotheke.

Der Konflikt ist auch deswegen so pikant, weil der Bewilligungsantrag für die neue Apotheke vor der Novelle eingeleitet wurde. Seit 2006 gilt eine Regelung für Ein-Arzt-Gemeinden, in die eigentlich auch Schwadorf fällt.

Altlengbach: Neue Apotheke könnte Arztversorgung gefährden

Eine heftige Debatte um eine öffentliche Apotheke ist auch in Altlengbach, Bezirk St. Pölten, ausgebrochen. Sie darf 2016 eröffnen, was wiederum dazu führt, dass Arzt Günther Malli seine Hausapotheke schließen wird müssen. Er zeigt dafür kein Verständnis. Patienten wie Eduard Muhr seien auf die Hausapotheke angewiesen, sagt Malli.

Muhr sitzt im Rollstuhl und will deshalb lange Wege vermeiden. „In Zukunft muss ich mir beim Herrn Malli das Rezept holen und danach schauen, wie ich zur Apotheke komme. Das ist für mich nicht optimal“, sagt er. Das betont auch Patient Franz Josef Bernhart. Malli sieht durch das Aus seiner Hausapotheke eine weitere Ausdünnung des Angebots in der Gemeinde: „Wir haben jetzt schon keinen Nahversorger, Trafik oder auch Postamt mehr.“

Die Ärztekammer rechnet mit einer baldigen Eröffnung der Apotheke: „Da Altlengbach mit 2700 Einwohnern für einen Hausarzt zu groß, für zwei Hausärzte aber zu klein ist, wird es künftig schwer werden, beide Stellen ohne Hausapotheken nachzubesetzen.“ Christoph Reisner, Präsident der nö. Ärztekammer, fordert, dass öffentliche Apotheken, ärztliche Hausapotheken und Mediziner nebeneinander existieren dürfen. Nur der Arzt könne im Akutfall schnell und ohne Zeitverzögerung helfen.

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