Pflegeheim Korneuburg: Betriebsrat kontert Missstandsvorwürfen
Lisa F. bei ihrem stillen Protest vor dem Pflegeheim.
Zusammenfassung
- Betriebsrat Patrick Haider weist die Vorwürfe einer ehemaligen Mitarbeiterin zu Missständen im PBZ Korneuburg entschieden zurück.
- Kritik wird an der Vorgehensweise der Ex-Pflegekraft geübt, die interne Meldesysteme nicht genutzt habe; ihre Entlassung sei auf eine Dienstpflichtverletzung zurückzuführen.
- Der Fall wird politisch und juristisch weiterverfolgt, das Arbeitsgericht entscheidet am 9. Juni über die Rechtmäßigkeit der Kündigung.
Die Aussagen wiegen schwer: überforderte Pflegekräfte, vernachlässigte Bewohner, ein System am Limit. Doch nach den Schilderungen der ehemaligen Mitarbeiterin Lisa F. (der KURIER berichtete), meldet sich nun der Betriebsrat Patrick Haider schriftlich zu Wort und weist die Vorwürfe entschieden zurück.
Die Anschuldigungen, Bewohner seien gefährdet oder sich selbst überlassen, seien „nicht nachvollziehbar“. Haider, selbst Pflegeassistent und gewählter Vertreter der Belegschaft, stellt klar: „Unsere Bewohnerinnen und Bewohner sind nicht gefährdet.“ Vielmehr arbeite das Team unter anspruchsvollen Bedingungen mit „hoher Motivation und sehr viel Herzblut“.
Kritik an Pflegekraft
Deutlich fällt auch die Kritik an der ehemaligen Pflegekraft aus. Diese habe laut Betriebsrat bestehende interne Wege nicht genutzt: Weder habe sie den Betriebsrat kontaktiert noch offizielle Überlastungsmeldungen eingebracht. Dabei gäbe es im Haus zahlreiche Möglichkeiten, Probleme zu adressieren, von Gesprächen mit Vorgesetzten bis hin zu strukturierten Meldesystemen. „Das haben wir als Betriebsrat nicht wahrnehmen können“, heißt es.
Die Entlassung der Mitarbeiterin sei schließlich „aufgrund einer gravierenden Dienstpflichtverletzung“ erfolgt und stehe nicht im Zusammenhang mit ihren Schilderungen. Scharfe Worte findet der Betriebsrat auch für die politische Aufladung des Falls, die SPÖ stellte sich hinter Lisa F. und sprach ihr ihre Unterstützung aus. Aussagen, wonach Menschen vernachlässigt würden oder häufiger sterben, seien „unpassend und nicht nachvollziehbar“.
Mitarbeiterin meldet sich zu Wort
Auch eine Mitarbeiterin des PBZ Korneuburg meldete sich schriftlich zu Wort. Sie arbeitet aber auf einer anderen Abteilung als Lisa F. Auch sie weist die Vorwürfe zurück. Sie beschreibt den Alltag in der Pflege manchmal zwar durchaus als „anstrengend“ und „psychisch fordernd“, jedoch lerne man auch viel über sich selbst und bekomme von den Bewohnerinnen und Bewohnern viel zurück.
Der KURIER wollte gerne mit Betriebsrat Patrick Haider zu seiner Sicht der Vorwürfe sprechen, jedoch wurde ein Gespräch von Seiten der Landesgesundheitsagentur NÖ nicht ermöglicht.
Während Lisa F. von Überlastung und strukturellen Problemen berichtet und ihre Kündigung anficht, sehen Betriebsrat und Betreiber keine systematischen Missstände. Klar ist: Der Fall wird nun nicht nur politisch, sondern auch juristisch weitergeführt. Am 9. Juni soll das Arbeitsgericht klären, ob die Entlassung rechtmäßig war – und damit auch ein Stück weit, welche Version der Ereignisse Bestand hat.
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