Pflege am Limit: Ohne Zuwanderung geht es nicht mehr

Ohne Zuwanderung wäre der Pflegebetrieb kaum mehr möglich. Zwei Ukrainerinnen teilen ihre Erfahrungen in Österreich.
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Zusammenfassung

  • Pflegeeinrichtungen in Österreich sind auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
  • Geflüchtete Ukrainerinnen wie Nataliia Makarova und Inna Shkarupa erhalten durch Sprachkurse und Unterstützung des ÖIF Zugang zum Arbeitsmarkt.
  • Der Weg zur Anerkennung als Pflegekraft ist lang und beginnt oft mit Servicejobs, kombiniert mit Deutschkursen und Nostrifikation.

Die Personalnot in der Pflege ist längst kein abstraktes Zukunftsszenario mehr, sondern Alltag in vielen Einrichtungen. Es zeigt sich: Ohne qualifizierte Zuwanderung wäre der Betrieb vieler Pflegeeinrichtungen kaum mehr aufrechtzuerhalten. 

„Ich möchte wieder als Krankenschwester arbeiten“, sagt Nataliia Makarova. Neben ihr sitzt Inna Shkarupa. Beide flüchteten 2022 aus der Ukraine und versuchen seither in am österreichischen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Damit sind sie zwei von vielen. Rund 14.621 Ukrainerinnen und Ukrainern leben derzeit in Niederösterreich. 

Anfang war schwierig

„Am Anfang war es sehr schwierig, wir mussten das Leben ganz von neu beginnen“, erzählt Shkarupa. Besonders die deutsche Sprache ist ein großes Hindernis, berichten die Beiden. Sie meldeten sich, wie viele andere, beim Österreichischen Integrationsfond (ÖIF). Dieser organisiert Sprachkurse, unterstützt bei der Nostrifikation und stellt im Zuge der Karriereplattform den Kontakt zwischen Unternehmen und vertriebenen Jobsuchenden her. 

Dabei werden Geflüchtete bei der Bewerbung unterstützt. „Oft fehlt bei fehlenden Deutschkenntnissen der Mut, sich zu bewerben“, erklärt Ivan Hryvnak vom ÖIF. Bewerbungsschreiben und Motivationsschreiben werden gemeinsam verfasst, die Geflüchteten erhalten Unterstützung und Zuspruch. Ukrainerinnen und Ukrainer erhalten durch die Vertriebenenordnung den Vertriebenenstatus und haben somit sofort Zugang zum Arbeitsmarkt. Durch die Karriereplattform erhielten auch Shkarupa und Makarova einen Arbeitsplatz bei SeneCura. 

Ziel Arbeitsmarkt

SeneCura beschäftigt rund 3.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege in Niederösterreich. „60 Prozent sind dabei aus Österreich, 25 Prozent aus der EU und 15 Prozent aus Drittstaaten, zu der auch die Ukraine gehört“, erklärt Johannes Wallner, Unternehmenssprecher der SeneCura Kliniken- und Heimbetriebsgesellschaft m.b.H. Die beiden Ukrainerinnen arbeiten beide im Service, jedoch in unterschiedlichen Einrichtungen. Der Weg zur Nostrifikation ist lang, für viele beginnt er in unterstützenden Tätigkeiten. So deckt Nataliia Makarova heute Tische und kocht

Eigentlich ist sie ausgebildete Krankenschwester und Pharmazeutin, mit jahrelanger Erfahrung im Gesundheitswesen in der Ukraine. In Österreich ist sie zunächst im Service gelandet, mit dem Ziel sich schrittweise wieder in Richtung Pflege zu entwickeln, sagt sie. Dafür brauche es aber noch Sprachkenntnisse auf B2-Niveau und die Anerkennung ihrer Ausbildung. Ihr Alltag ist daher zweigeteilt: Vormittags Deutschkurs, nachmittags Arbeit - bis man in den erlernten Job zurückkann.

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