Plattform als Treppe für ukrainische Fachkräfte in heimische Pflegeberufe
Ukrainerinnen wurden an Ständen und von Recruitern beraten.
Sichtbar angespannt und konzentriert folgten rund 60 junge ukrainische Frauen den Geschehnissen in den Räumen des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) in der St. Pöltner Innenstadt. Alle horchten gespannt den Instruktionen der Gastgeber zu, denn bei der Veranstaltung wurde die unmittelbare Chance geboten, sofort einen seriösen Job in Österreich zu ergattern.
Der ÖIF hatte in der Vorwoche gemeinsam mit Partnern erstmalig in St. Pölten zu einer Karriereplattform eingeladen. SeneCura, Österreichs größtes Privatunternehmen für Pflege und Betreuung bot dabei den Ukrainerinnen 41 konkrete offene Arbeitsplätze in ihren Betreuungszentren an.
Win-Win-Situation
Mit 68 vom Krieg vertriebenen Frauen, die man bereits beschäftige, habe man beste Erfahrungen gemacht, sagte SeneCura-Geschäftsführer Anton Kellner. Es ergebe sich eine Win-win-Situation für beide Seiten versicherten Kellner und Cornelius Granig von „All for Ukraine“, einer Organisation, die sich um berufliche Unterstützung vertriebener Ukrainer bemüht.
Bei einem Bedarf von 200.000 Pflegekräfte bis 2050 in Österreich sei es unklug, die oft in diesem Bereich gut ausgebildeten Ukrainerinnen mit bürokratischen Hürden zu belasten, waren sich die beiden Manager einig. Der ebenfalls anwesende Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung, Andreas Achrainer, stimmte dem zu.
Hürden
Hohe Deutschkenntnis und langwierige Nostrifizierungen, also die Anerkennung der Pflegekompetenz der Ukrainerinnen, sollten gelockert werden, so die Manager. Ziel müsse es sein, den ukrainischen Vertriebenen in Österreich ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, so Achrainer.
„Dafür ist es notwendig, dass sie arbeiten können, insbesondere in ihren angestammten Berufen“, forderte er auch als Geschäftsführer der Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen (BBU). Derzeit leben rund 85.000 ukrainische Bürger in Österreich, rund drei Viertel von ihnen hätten vor in Österreich zu bleiben, schätzte Achrainer.
Tetiana Adler ist seit 4 Jahren ÖIF-Vermittlerin
Die anwesenden Experten bescheinigten den Ukrainern zumeist gute Ausbildung und viel Talent und Bemühen schnell Deutsch zu lernen. „Die ukrainische Community tauscht sich untereinander sehr intensiv aus. Das Bemühen sich zu integrieren ist groß“, schilderte Tetiana Adler.
Die Ukrainerin ist seit sieben Jahren in Österreich und seit vier Jahren als ÖIF-Vermittlerin und Sprachrohr zu ihren Landsleuten tätig.
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