Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Pfarrer müssen vom "Übermensch-Image" weg

Gerald Gump, 41, ist Gründungsmitglied der "Pfarrer-Initiative", die den "Aufruf zum Ungehorsam" startete. Er ist seit 1999 Pfarrer in Schwechat und ein kircheninterner Querdenker.

Im KURIER-Gespräch erklärt Gump, warum die Kirche ein Personalproblem hat und weshalb er keinen neuen Job braucht.

KURIER: Haben Sie sich in den vergangenen Tagen Job-Inserate angeschaut? Wurde Ihnen der Ausschluss aus der Kirche angedroht?
Gerald Gump:
Jetzt sind mal Gespräche dran, und das ist gut so. Von einem Ausschluss hat Schönborn nichts gesagt.

Konsequenzen wurden aber angekündigt.
(lacht.) Konsequenzen ja. Aber daraus einen angekündigten Ausschluss zu kreieren, ist schlicht und einfach frivol. Wir sind am Anfang von Gesprächen und nicht am Ende.

Derzeit läuft alles auf ein Match Schüller versus Schönborn hinaus. Läuft die Diskussion nicht zu personalisiert ab?
Ein Krieg zwischen Schüller und Schönborn klingt für Medien offenbar interessanter, als zu schauen, was wirklich diskutiert wird.

Eine Forderung ist die Abschaffung des Pflichtzölibats. Wären somit die Kirchen wieder voll?

Es wird deshalb nicht alles gut, wie viele Blauäugige das meinen. Ich hoffe vor allem, dass die Priester eine gesündere Breite bekommen. Ich sage es mit einem technischen Ausdruck: Es würde sich die "Personalqualität" ändern. Derzeit werden nur jene Priester, die männlich, akademisch gebildet und bereit sind, zölibatär zu leben. Das ist eine extrem kleine Gruppe unter jenen, die sich für die Kirche engagieren wollen. Es gibt viele mehr, die geeignet wären.

Das würde die Kirche auf den Kopf stellen ...
Ein wichtiger Punkt wäre, dass die Pfarrer damit vom Heiligen-Übermensch-Image wegkommen. Er wäre nicht mehr so weit weg, weil auch er viele dem Menschen naheliegende Alltagssituationen erlebt.

Wie war das Feedback der Mitglieder der Initiative und in Ihrer Pfarre?

Die Reaktionen in der Initiative waren zustimmend bis ablehnend. Wir haben vier ausgetretene Priester, dafür sind zwanzig eingetreten. Die Reaktionen in der Pfarre gehen von "gut, dass ihr das sagt" bis "hoffentlich passiert euch nichts".

Der Aufruf wurde nicht von den Mitgliedern, sondern vom Vorstand beschlossen. Ist das demokratisch?

Demokratisch ist es. Der Vorstand ist in der Generalversammlung abwählbar. Der Aufruf ist ja praktisch nichts Neues zu unserem Grundsatzprogramm.

Glauben Sie tatsächlich, dass die Botschaft in Rom ankommen wird?
Mein Eindruck ist, dass Rom das Problem sieht, aber nicht die Brisanz. Ich hoffe, dass unsere Bischöfe die Realität gut beobachten und daraus ähnliche Schlüsse ziehen wie wir, und das nach Rom mitnehmen. Dass kirchliches Leben in vielen Bereichen durch manche Regelungen ausgehungert wird, diese Dramatik, ist den Verantwortlichen in Rom nicht bekannt.

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