Pendlerzüge auf die Turbo-Schiene

"Schneller ans Ziel": Politiker hoffen nach Interventionen im Ministerium, dass ihre Forderungen im ÖBB-Fahrplan 2012 berücksichtigt werden.
Foto: KURIER/Reinhard Vogel

Mit Fertigstellung der Trasse durch das Tullnerfeld, sollen auch Pendlerzüge nach Wien brausen, hofft man im Bezirk Melk.

Es war ein Gespräch unter (Partei-)Freunden. Josef Jahrmann (Loosdorf), Anton Sirlinger (Ybbs), Franz Reidl (Leiben) und Franz Eder (Hofamt Priel) statteten vergangene Woche ÖBB-Managern im roten Bundesministerium einen Besuch ab. Die Politiker kamen freilich nicht nur zum Kaffeekränzchen, sie hatten auch einen Forderungskatalog mit im Gepäck. Konkret geht es um eine Verbesserung für Tausende Pendler in der Region.

Jahrmann und Co. wollen, dass künftig auch die Pendlerzüge auf der neuen Westbahnstrecke (nach der Fertigstellung der Trasse durch das Tullnerfeld) Richtung Wien brausen können. Im ÖBB-Fahrplan, der Ende 2012 fertiggestellt wird, soll diese Forderung bereits umgesetzt werden. "Dadurch könnten Pendler, die etwa in Ybbs einsteigen, um 25 Minuten schneller in der Bundeshauptstadt sein", sagt Jahrmann. Auf einen ganzen Tag gerechnet, käme man so fast auf eine Stunde Zeitersparnis. "Das bedeutet für jeden Einzelnen nicht nur mehr Lebensqualität, es steigt auch die Attraktivität die Bahn zu benützen", ist sich Sirlinger sicher.

Fahrplan

Dass die Abordnung schon jetzt im Ministerium anklopfte, hat einen ganz einfachen Grund. Denn schon jetzt wird an den Fahrplänen für 2012 gefeilt.

Ebenfalls verbessert werden soll der Schienenersatzverkehr für Regionalzüge beim Verkehrsknoten Amstetten. "Vor allem in Richtung Linz läuft vieles noch nicht optimal", berichtet Jahrmann.

Aus seiner Sicht seien die Gespräche auf "fruchtbaren Boden" gefallen. Die Hoffnung ist groß, dass im Bezirk Melk noch mehr Menschen vom Privat-Pkw auf den Zug umsteigen. "Schon jetzt sei der Trend sehr positiv. Man braucht sich nur die übervollen Park&Ride-Anlagen bei den Bahnhöfen anschauen", sagt Sirlinger. Im Herbst will man jedenfalls nochmals in der Causa intervenieren.

Bezirk Lilienfeld: Region will Güterverkehr selbst stemmen
Eine Welle der Empörung schwappte durch den Bezirk Lilienfeld, als die ÖBB bekannt gaben, dass sie den Güterverkehr zwischen Freiland und St. Aegyd am Neuwalde stoppen wollen. Geplant war die Sperre mit Juli, doch nun fahren die Züge doch noch bis Dezember weiter.
Hintergrund: Die Region, das Land (ecoplus) und die betroffenen Firmen wollen die Bahnstrecke weiterbetreiben. Doch dafür braucht man noch Zeit, um die notwendigen Konzepte zu entwickeln. "Wir sind auf einem sehr guten Weg, alle Unternehmen sind mit an Bord", berichtet Lilienfelds Bürgermeister Herbert Schrittwieser, der auch als Obmann der Region Traisental-Gölsental fungiert. Für die Abwicklung des Güterverkehrs in den kommenden Jahren könnte die Rail Cargo Austria (RCA) beauftragt werden. "Weil die einfach das nötige Know-how haben", meint Schrittwieser.

Umstellungen

Keine Illusionen macht sich der Politiker über die Wirtschaftlichkeit des Projekts. Man müsse mit "einem Abgang rechnen". Zudem seien einige Umstellungen erforderlich, damit nicht im tiefroten Bereich weitergefahren werde. "Deshalb wurde auch ein Logistikcluster gestartet, bei dem alle Beteiligten Ideen und Vorschläge einbringen können", berichtet der Regionsobmann.
Die jährlichen Kosten für die Fortführung des Güterverkehrs, die so gering wie möglich gehalten werden sollen, schätzt Schrittwieser auf "mehrere Hunderttausend Euro". In den kommenden Wochen und Monaten soll ein Konzept auf dem Tisch liegen, damit die Bahn gerettet werden kann.

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?