Pendeln in NÖ: Wie das Land den Umstieg auf die Schiene erleichtern will
Niederösterreich und Wien verbindet viel. Nicht zuletzt mehrere hochrangige Verkehrsachsen, auf denen es sich jeden Tag in die Bundeshauptstadt hinein und später wieder hinaus staut. Denn was den Arbeitsmarkt angeht, sind die Landesgrenzen in beide Richtungen fließend; rund 180.500 Menschen aus dem flächengrößten Bundesland arbeiten in der Hauptstadt, im Gegenzug pendeln von dort aus zirka 80.000 Personen nach NÖ, vor allem in die Städte.
Die Frage, die sich somit für alle Pendlerinnen und Pendler nach Wien stellt, ist jene nach dem Verkehrsmittel. Wobei bei Weitem nicht alle von ihnen in den Genuss einer guten öffentlichen Anbindung nach Wien kommen; für viele ist der Weg in die Arbeit alternativlos mit einer Autofahrt verbunden – zumindest bis zum nächsten Bahnhof.
Und genau diese Umstiegsmöglichkeiten vor den Toren Wiens will die Landespolitik attraktiver machen: Durch ein dichtes Angebot an Bahnverbindungen in die Bundeshauptstadt und aus ihr heraus, aber auch durch entsprechende Parkmöglichkeiten an den Bahnhöfen. Das Ziel: Die Pendlerinnen und Pendler abfangen, bevor sie mit dem Auto bis nach Wien fahren.
Mehr Parkplätze
Im Weinviertel ist ein solcher Umschlagpunkt die Park&Ride-Anlage in Korneuburg. Das Einzugsgebiet reicht weit über die Stadt hinaus und umfasst nahezu den gesamten Bezirk Korneuburg, sowie Teile der Bezirke Mistelbach, Tulln und Hollabrunn. Das Parkangebot ist knapp, die Parkplatzsuche oft frustrierend.
„Das neue Parkdeck ist ein gezielter Schritt, um Verkehr dort abzufangen, wo es sinnvoll ist, am Rand der Ballungsräume.“
FPÖ-Verkehrslandesrat
Nach einem Beschluss der Landesregierung wird nun um 18,8 Millionen Euro ein neues Parkdeck in Korneuburg gebaut. Die ÖBB übernimmt dabei 50 Prozent der Kosten, das Land NÖ 35 Prozent und die Stadtgemeinde Korneuburg 15 Prozent. Das Park&Ride-Angebot wird damit um 150 Stellplätze erweitert, insgesamt stehen ab Herbst 2028 1.042 Parkplätze zur Verfügung.
„Viele Pendler steigen in Korneuburg auf den Zug der Nordwestbahn um. Mit dem neuen Angebot wird der Umstieg deutlich einfacher und verlässlicher“, so FPÖ-Verkehrslandesrat Udo Landbauer. Und das ist für viele ein Knackpunkt, denn der Weg über die Donauufer-Autobahn oder sogar noch weiter über die Tangente ist so gut wie jeden Tag mit Staus verbunden – nicht zuletzt zulasten all jener Bewohnerinnen und Bewohner, die in der Nähe der Verkehrsachsen wohnen.
Das Weinviertel liebt Wien
Korneuburg ist das nächste große Projekt im Wiener Ballungsraum nach Wiener Neustadt und Hollabrunn. Auch dort wurde in neue Parkdecks investiert. Das Weinviertel hat laut Statistik dabei einen besonderen Stellenwert: Die Region ist die stärkste Pendlerregion in Niederösterreich.
Rund 21.500 jener Menschen, die im Bezirk Gänserndorf wohnen und in einem anderen Bundesland arbeiten, pendeln nach Wien. Das sind rund 75 Prozent aller Pendlerinnen und Pendler. Noch höher ist dieser prozentuale Wert im Bezirk Korneuburg; rund 19.000 Menschen fahren dort zur Arbeit in die Bundeshauptstadt und damit rund 77 Prozent. Über 10.000 Menschen fahren aus dem Bezirk Mistelbach nach Wien in die Arbeit (62 Prozent der Gesamtzahl). Geografisch weiter abgelegen ist der Bezirk Hollabrunn, dennoch pendeln dort rund 5.800 Menschen und somit 50 Prozent aller Pendlerinnen und Pendler aus der Region nach Wien.
Traditionell viel Austausch gibt es zwischen Wien und den Industrieviertel-Bezirken, nicht zuletzt aufgrund großer Industriebetriebe und dem Flughafen Wien-Schwechat (Bezirk Bruck an der Leitha). 23.300 Menschen aus dem Bezirk Mödling arbeiten in Wien, gefolgt von Bruck an der Leitha mit 20.900. In beiden Fällen sind somit rund 75 Prozent der Auspendler aus diesen Bezirken in Wien beschäftigt. Der Bezirk Baden hat zwar die höchste Gesamtpendlerzahl, nach Wien zieht es jedoch nur etwa die Hälfte davon, rund 18.200 Menschen. Die Zahlen zeigen: Je weiter die Bezirke von Wien entfernt liegen, desto weniger wird dorthin gependelt.
Dieser Trend lässt sich auch gesamt auf NÖ umlegen; für die angrenzenden Bezirke im Zentralraum, Tulln und St. Pölten-Land ist Wien als Arbeitsort noch interessant. Vor allem viele Tullnerinnen und Tullner nutzen das Arbeitsangebot (rund 17.000 Arbeitende, 66 Prozent der Pendlerinnen und Pendler in der Region).
Keine Einbahnstraße
Im Waldviertel wird hingegen sehr viel innerhalb der Bezirke gependelt, Wien spielt für die Bewohner nur eine untergeordnete Rolle. Im Mostviertel dominiert ein anderes Bundesland: Durch die Lage nahe Oberösterreich zieht es viele dorthin, rund 21.500 Menschen pendelten zu den Nachbarn. Doch auch hier gehen die Verkehrsströme in beide Richtungen; rund 10.200 Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher verbringen ihren Arbeitsalltag in NÖ.
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