"Grüne Zone" in Mödling vorerst abgesagt - blaue wird erweitert

Straßenmarkierung Grüne Zone Parken
Nach massiven Protesten gegen flächendeckende Kurzparkzone in Mödling, legt Stadtregierung neues Konzept vor und will genauere Daten erheben.

Es war eines der ersten Großprojekte der seit Februar 2025 regierenden rot-grünen Rathaus-Koalition in Mödling: die Einführung einer flächendeckenden Parkraumbewirtschaftung in der Stadt. Zusätzlich zur bestehenden, blau markierten Kurzparkzone sollte eine "Grüne Zone" - wie etwa in Baden und Wiener Neustadt bereits seit Längerem bestehend - etabliert werden.

Doch der Aufschrei war groß. Rasch bildete sich eine Protestbewegung gegen ein "Parkpickerl" in Mödling. FPÖ und ÖVP machten gegen die Pläne von Grünen und SPÖ mobil. Die haben ihr Vorhaben daraufhin noch einmal überdacht - und legen nun einen neuen Plan für die Parkraumbewirtschaftung vor.

Demnach soll zunächst die bestehende Kurzparkzone in der Innenstadt erweitert und vereinheitlicht werden. "Es gibt da zur Zeit einen Fleckerlteppich mit unterschiedlichen Parkzeiten und Gebühren. Das wollen wir ändern und mehr Kurzparkzonenplätze schaffen", sagt Mobilitätsstadtrat Tim Pöchhacker (Grüne). Künftig wird die maximale Stehzeit auf drei Stunden festgelegt, pro halber Stunde ist ein Euro zu bezahlen. Beibehalten wird das Gratis-Parken für 15 Minuten. Beides habe man auf Wunsch der städtischen Wirtschaft so entschieden.

Notwendig sei die Erweiterung, weil der Parkdruck vor allem im Zentrumsbereich angestiegen ist, begründet Pöchhacker. Zu Spitzenzeiten gebe es kaum freie Parkplätze.

Kurzparkzone: Zwei Stunden Mittagspause

Die Gebührenpflicht soll nun in der Innenstadt einheitlich an Wochentagen von 8 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 8 bis 12 Uhr gelten, bezahlt werden kann an Parkscheinautomaten, mit klassischen Parkscheinen zum Ausfüllen oder mittels Handy-Parken. Ausnahmebewilligungen gibt es für Anrainer zum Preis von 147,90 Euro pro Jahr, bzw. 237,90 für zwei Jahre. Diese können allerdings nicht in den "klassischen Einkaufsstraßen" (siehe Plan unten) beantragt werden.

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Die neue Kurzparkzone in der Mödlinger Innenstadt.

Zum Zeitplan: Rot-grün strebe einen Beschluss des neuen Konzeptes im Gemeinderat am 27. März an, sagt Pöchhacker. Danach wolle man das Konzept mehrere Monate lang evaluieren und anhand der bis dahin gesammelten Daten über die weitere Vorgangsweise entscheiden. Wie diese aussehen könnte? "Das können wir zum aktuellen Zeitpunkt wirklich noch nicht sagen", stellt SPÖ-Klubsprecher Stephan Schimanowa klar. "Grüne Zonen" - also Kurzparkbereiche, in denen länger und zu günstigeren Tarifen geparkt werden kann - seien nach wie vor möglich, aber nicht fix vorgesehen. Auch deren Größe könne je nach Ergebnissen der Erhebungen unterschiedlich ausfallen.

Bürgerbeteiligung

Im übrigen sei dann auch eine nochmalige Ausweitung der blauen Zone - oder auch deren Reduzierung - möglich, fügt Stadtrat Pöchhacker hinzu. "Je nachdem, was die Daten ergeben." Diese wolle man in weiteren Bürgerbeteiligungsveranstaltungen präsentieren und diskutieren. Bei den bisherigen Terminen sei die Wirksamkeit einer grünen Zone von Bürgern bezweifelt worden, man habe aber Bereiche mit hohem Parkdruck definiert, in denen eine Parkraumbewirtschaftung gewünscht werde. So etwa im Stadtteil "Schöffelstadt" rund um das Krankenhaus.

Zwei Männer stehen in der Mödlinger Fußgängerzone.

Die beiden Stadträte Tim Pöchhacker (li.) und Stephan Schimanowa.

Positive Rückmeldungen zu diesem neuen Konzept habe man bereits von Vertretern der Wirtschaftskammer sowie der Geschäftsleute der Innenstadt erhalten, sagt Stadtrat Schimanowa, der zugibt: "Der Start dieses Prozesses war holprig und extrem emotionsgeladen. Er wurde von vielen Mödlingern als überfallsartig empfunden." Man wolle daher nun "langsamer und aufgrund aktueller Daten" weiter vorgehen, so Schimanowa, der betont: "Das ist aber kein Rückzieher der Koalition."

Parkleitsystem

"Einstimmigkeit im Gemeinderat bei diesem Thema wird es vermutlich leider nie geben, aber wir hoffen auf eine konstruktive Diskussion", so Pöchhacker. Geplant sei außerdem die Einführung eines Parkleitsystems in Mödling, das die verfügbaren Stellplätze anzeigt, kündigt er an: "Wir haben dafür Budgetmittel reserviert."

Der Einsatz habe sich „bezahlt gemacht“, nahm Mödlings FPÖ-Bezirksobmann Stadtrat Harald Thau am Mittwoch die Nachricht vom überarbeiteten Parkraumkonzept in der Stadt erfreut zur Kenntnis. Die Freiheitlichen haben im Vorjahr auf die Pläne für eine flächendeckende Gebührenpflicht in Mödling mit der Initiative „Nein zur Grünen Zone“ reagiert. Diese wird von der ÖVP und der Bürgerliste "Wir für Mödling" unterstützt. 

"Mit Argusaugen betrachten"

Der Plan der Stadtregierung verlagere das Parkplatzproblem nur, ist Thau überzeugt. „Die Einführung einer Grünen Zone geht unweigerlich mit der Einführung eines Parkpickerls einher. Nur dieses Pickerl garantiert keinen Stellplatz, dafür aber zusätzliche Kosten.“

Man werde nun auch das neue Konzept „mit Argusaugen betrachten und beurteilen“, sagt der FPÖ-Chef. „Wir Freiheitliche  erteilen der Abzocke der  Bürger eine klare Absage.“ Daher läuft auch die Unterschriftensammlung für eine mögliche Volksbefragung auf www.neinzurgruenenzone.at weiter.

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