© Kulturverein- Opernaufführungen Königin von Saba

Chronik Niederösterreich
09/13/2019

Oper in Kirche: Regisseur verteidigt Nacktheit und goldenen Dildo

Pornografische Darstellungen hätten in der Kirche nichts verloren, sagt die Leitung des Stifts Klosterneuburg.

von Katharina Zach

Eine sexualisierte Szene in der Aufführung von Karl Goldmarks Friedensoper „Die Königin von Saba“ hat im Stift Klosterneuburg für heftigen künstlerischen Disput gesorgt.

Stein des Anstößigen war die Figur des Dämon Astaroth, der in der Inszenierung von Regisseur Peter P. Pachl von einer nackten Schauspielerin samt überdimensioniertem goldenen Dildo dargestellt wurde. Nach der öffentlichen Voraufführung Mittwochabend forderte die Stiftsleitung eine Änderung der Inszenierung, sonst könne die Oper nicht aufgeführt werden, sagt Pachl. Schließlich wurde die Figur bekleidet samt Schlange gezeigt.

Beim Stift betont man, dass vertraglich festgelegt worden sei, dass in der Kirche nichts Unpassendes gezeigt werde. Was auch der Veranstalter, der „Kulturverein – Opernaufführungen Königin von Saba“ von Konrad Melchers bestätigt. Das habe das Stift im Vorfeld der Aufführung überprüft sowie das Drehbuch gelesen. Auch in den persönlichen Gesprächen hätte nichts auf diese Darstellung hingewiesen.

„Dann haben wir mit Entsetzen festgestellt, dass sich pornografische, sexualisierte Erotik wiederfindet. Das hat in einer Kirche nicht verloren“, betont Stift-Sprecher Walter Hanzmann. Im Vorfeld sei man nicht zu den Proben eingeladen worden. Nach der Voraufführung habe es dann Beschwerden von Gläubigen sowie von Musikern gegeben.

Eingriff in künstlerische Freiheit

Regisseur Pachl hingegen spricht von einem Eingriff in die künstlerische Freiheit. Immerhin handle es sich bei dem mythologischen Dämon Astaroth um einen Hermaphrodit, eine manchmal weibliche und manchmal männliche Figur.

Das sei mit Nacktheit sowie dem goldenen Phallus dargestellt worden. Bei den Proben seien zudem Stiftsmitarbeiter anwesend gewesen. Verantwortliche extra einzuladen, sei nicht üblich. „Alle Proben wurden schriftlich vereinbart. Wir haben ja nicht heimlich geprobt“, sagt Pachl.

Nacktheit in der Kirche

Den sakralen Rahmen verletzte die Darstellung aus seiner Sicht nicht. Auch in der Stiftskirche gebe es Darstellungen von Nacktheit und Putten. Die Aufführungen selbst hätten dem Publikum trotz der geänderten Szenen gefallen. Veranstalter Melchers ist sogar zufrieden mit der Weiterentwicklung. Es gebe auch keine wesentliche Änderung der Inszenierung.

Ob Regisseur Pachl noch einmal ein Stück im Stift aufführen wird, ist fraglich. Hanzmann spricht sich dagegen aus. Er finde es schade, dass nun nur über die pornografische Darstellung gesprochen werde und nicht über das Stück, sagt er. „Ich finde das zutiefst erschütternd.“

Generell habe Pachl provozieren wollen. Der Regisseur sieht das gelassener. Über Geschmack könne man streiten. Er räumt selbst ein, dass kontroverser Diskurs sein Markenzeichen sei.