ÖVP hält Platz zwei vor FPÖ: Jubel über Absturz der SPÖ

ÖVP feierte in St. Pölten
Spitzenkandidat Florian Krumböck will zuerst mit rotem Wahlverlierer reden. ÖVP ist "zwischen rotem Erdbeben und blauem Erdrutsch stehen geblieben".

Wegen des dramatischen Verlusts der absoluten Mehrheit der SPÖ bei der Gemeinderatswahl in St. Pölten konnte die ÖVP mit ihrem neuen Spitzenkandidaten Florian Krumböck, 34, die eigenen Verluste leichter verschmerzen. Ja, es waren sogar Siegesgefühle spürbar. Im Cafe im Palais Wellenstein, wo das ÖVP-Team am Sonntagabend zum Feiern zusammentraf, wurde gejubelt, als letztendlich das lang erwartete vorläufige Endergebnis feststand.

Historisches Ergebnis

Nach 61 Jahren endet in St. Pölten die rote Alleinherrschaft. Für Krumböck und seine Truppe war somit ein große Ziel erreicht. "Wir haben einen historischen Wahltag erlebt. Die St. Pöltnerinnen und St. Pöltner haben die Veränderung und frischen Wind im Rathaus gewählt“, kommentierte der ÖVP-Spitzenmann das Ergebnis. Doch auch das eigene Abschneiden nahmen er und die Seinen trotz eines Minus vor der Ergebnis mit großer Genugtung an. "Ich bin wirklich sehr stolz. Wir haben dem Trend getrotzt und sind zwischen einem roten Erdbeben und einem blauen Erdrutsch stehen geblieben", sagte er im KURIER-Gespräch.

Die Volkspartei erreichte 21,38 Prozent und büßte damit 1,36 Prozentpunkte und ein Mandat ein. Sie lieferte sich bis zum Schluss ein dramatisches Kopf-an-Kopf-Rennen mit der FPÖ. Den zehnten Sitz im Gemeinderat, den die Volkspartei bei den Wahlen 2021 dazugewonnen hatte, verlor sie nun wieder. Mit Matthias Adl, der nicht mehr zur Wahl antrat, stellte sie bislang den 2. Vizebürgermeister.

Krumböck war voll des Lobes für sein Team: "So einen Wahlkampf mit dieser Kälte habe ich noch nicht erlebt. Da ist trotzdem ein 120-köpfiges Team hinter mir gestanden und ist gelaufen und hat gerackert." Stefan Klammer, der Wahlkampfleiter der Stadtpartei, habe einen unglaublichen Job geleistet, lobte Krumböck.

Nebenfront

Das Abschneiden der Volkspartei in der Landeshauptstadt zählte zu den interessanten Nebenfronten der Wahl. Zwei Jahre vor der nächsten Landtagswahl dient der Wahlgang als wichtiges Stimmungsbarometer.

Florian Krumböck

ÖVP-Spitzenkandidat Florian Krumböck ist 34 Jahre alt und ÖVP-Landtagsabgeordneter. 

Mit Krumböck, der für die ÖVP auch im Landtag sitzt, besteht eine direkte Linie zur Landes-ÖVP. Deren Repräsentanten hatten sich im Wahlkampf auffällig zurückgehalten und die St. Pöltner Schwarzen werken lassen. Besonders euphorische Erwartungen waren im Vorfeld aus der Landesparteizentrale nicht wahrnehmbar. Dazu kam, dass die Einigkeit zwischen Land und Stadt immer betont wurde.

Landesparteichefin und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner zeigte sich am Wahlabend zufrieden und gratulierte in einer Aussendung zum "respektablen Ergebnis in einem schwierigen Umfeld". Landesgeschäftsführer Matthias Zauner feierte im Wellenstein mit.  

Gegen Bundestrend

Krumböck jedenfalls stellte klar, dass seine Partei mit diesem Wahlergebnis dem Trend getrotzt habe. Dabei dürfte er nicht nur die turbulente Situation in St. Pölten gemeint haben. Vor der Wahl hatte er unter anderem auf die schwierige Ausgangslage hingewiesen. Vor der Gemeinderatswahl 2021 seien die Umfragewerte für die ÖVP um 17 Prozent besser gewesen als aktuell.

Bei den Wahlkampfthemen scheuten Krumböck und sein Team nicht vor einem Risikothema zurück: Sie kritisierten das zu rasante Wachstum der Stadt und forderten einen kurzzeitigen Zuzugsstopp. So solle Zeit gewonnen werden, damit die soziale Infrastruktur aber auch Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen nachziehen könnten.

Koalitionen 

Präferenzen für künftige Koalitionen zeigte der ÖVP-Spitzenkandidat nicht. Mit der SPÖ als weiterhin stimmenstärkste Partei wolle er als erstes Gespräche führen, kündigte Krumböck an. Er freue sich aber ebenso, mit allen anderen Fraktionen zu reden. Es komme ihm nicht darauf an, wer Bürgermeister wird, sondern wer die ÖVP-Ideen mittrage und frischen Wind zulasse.

Kommentare