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Chronik Niederösterreich
08/09/2019

Öffi-Ausbau: S-Bahn statt U-Bahn nach Wien?

Die Verlängerung der U-Bahn ins Umland ist unwahrscheinlich. Warum Experten in einer neuen Studie nun für einen Ausbau der S-Bahn plädieren.

von Martin Gebhart

Die jüngsten umfangreichen Parkpickerl-Vorschläge von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) haben nicht nur die Wiener Stadtpolitik aufgescheucht, sondern auch die vielen Pendler aus Niederösterreich und dem Burgenland unsicher gemacht.

Womit gleichzeitig der Ausbau des öffentlichen Verkehrs nach, rund um und in Wien wieder einmal zum Thema geworden ist. Geht man nach den Experten, liegt die Lösung weniger in einer Verlängerung der U-Bahnen nach Niederösterreich.

Sondern mehr in einem Ausbau des S-Bahn-Netzes. In Verbindung mit einer neuen Stammstrecke mitten durch Wien.

Ein Milliarden-Wunsch. Allein diese Stammstrecke würde für die Errichtung über zwei Milliarden Euro verschlingen. Im Vergleich zu einer Verlängerung des U-Bahnnetzes wäre das aber die bei weitem günstigere Variante.

10 Milliarden für U-Bahn

Acht Strecken waren in einer – noch nicht veröffentlichten – Studie bereits im Vorjahr vom Verkehrsexperten Friedrich Zibuschka untersucht worden.

Nach Mödling, Purkersdorf, Klosterneuburg, Korneuburg, Deutsch-Wagram, Groß-Enzersdorf, Schwechat und Himberg. Für diese zusätzlichen U-Bahn-Kilometer müssten insgesamt mehr als zehn Milliarden Euro aufgetrieben werden. Allein für eine U-Bahn-Strecke zum Flughafen Wien-Schwechat wurden 1,2 Milliarden Euro kalkuliert.

Entscheidung ausständig

In der Landespolitik ist noch keine Entscheidung gefallen, welche Variante weiter verfolgt wird. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat lediglich immer davon gesprochen, dass das Verkehrs-Nadelöhr in Wien beseitigt werden muss.

Und dass die Pendler möglichst rasch und bequem zum Verkehrsnetz in Wien – hauptsächlich den U-Bahnen – gelangen sollen.

Das wäre auch mit Verbesserungen bei der S-Bahn möglich, sagen die Experten. Auf der einen Seite haben die ÖBB schon angekündigt, wie sie das bestehende S-Bahnnetz attraktivieren wollen.

Auf der anderen Seite bedarf es eben einer neuen Stammstrecke – trotz des engen Taktes von derzeit drei Minuten – weil das derzeitige Netz keine zusätzlichen Züge mehr verträgt.

Neue Strecke durch Wien

Schon unter dem damaligen nö. Verkehrslandesrat Karl Wilfing war eine Variante für so eine Strecke durchgedacht worden: Von Niederösterreich zum Franz-Josefs-Bahnhof, von dort unter der Wiener Innenstadt zum Hauptbahnhof, weiter zum Flughafen und dann nach Bruck an der Leitha bzw. Hainburg.

Darauf könnte wieder zurückgegriffen werden. In Wien wird die Trasse zwangsweise unter der Erde geplant, der Rest verläuft im Freien. Mit dem bestehenden U-Bahnnetz soll es eine enge Verknüpfung geben.

Klärungsbedarf

Entscheidend sind jetzt die Gespräche zwischen den Landeshauptleuten, damit mit dem Ausbau rasch begonnen werden kann. Vor allem muss geklärt werden, wer was zahlt – und wie weit der Bund mitspielen wird.

Derzeit scheint Wien diesen Milliarden-Wünschen noch ziemlich reserviert zu begegnen. Allerdings wird kaum ein Weg an einer großen Lösung vorbeiführen, wenn der Pendlerverkehr mit dem Auto eingedämmt werden soll.