Chronik | Niederösterreich
02.12.2018

ÖBB-Tickets vom Greißler: Wie das Konzept funktioniert

Steigende Online-Verkäufe lassen die Bahn ihr Service an Partner auslagern. Ein Lokalaugenschein in Hollabrunn

Hilfe beim Ticketkauf oder Beratung bei den schnellsten Strecken von A nach B – geht es nach den Befürchtungen des Pensionistenverbands sowie der SPÖ NÖ könnte das bald der Vergangenheit angehören. Denn die ÖBB prüfen, an mehreren Bahnhöfen die Ticketschalter zu schließen. Die Aufregung ist groß.

„Nicht jeder hat die Möglichkeit, Bahnkarten im Vorfeld über Handy oder Internet zu kaufen. Gerade auch Pensionisten haben mit Käufen bei Automaten Probleme – die Politik darf in dieser Causa nicht wegschauen“, mahnt SPÖ-Landtagsabgeordneter Gerhard Razborcan. Der Erhalt der Personenkassen seien wichtig für die Stärkung des ländlichen Raums. Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) hat sich in der Causa bereits mit Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) in Verbindung gesetzt und auf den Erhalt der Personenkassen gepocht.

Derzeit gibt es in NÖ 23 Bahnhöfe mit Personenkassen. Schließungen werde es aber laut ÖBB-Sprecher Christopher Seif nicht geben. „Wir lassen sicher keine Senioren im Regen stehen. Es wird keine bestehende Personenkassa geschlossen, ohne eine alternative Betriebskooperation“, sagt er. Tatsächlich prüfen die ÖBB derzeit österreichweit, den Ticketverkauf an manchen Standorten an Vertriebspartner wie Bahnhof-Shops, Tourismusbüros, Post oder Trafiken auszulagern. Diese müssen sich nicht zwangsläufig beim Bahnhof befinden, ausschlaggebend für den Standort seien die Kundenströme, erklärt Seif. Anfang nächsten Jahres soll der Wechsel zu einem Vertriebspartner in Mistelbach und Melk der Fall sein. In Wolkersdorf, Bezirk Mistelbach, und Pöchlarn, Bezirk Melk, wird überlegt, den Ticketverkauf an die Post auszulagern. In Hollabrunn sei das Konzept mit dem Bahnhofsgreißler als Partner bereits seit 5. November umgesetzt.

Schulungen

Für die SPÖ ist dieser Service zu wenig. Die Mitarbeiter der Partner-Betriebe könnten nie die Beratungsleistung eines ÖBB-Mitarbeiters erbringen, heißt es. Das kann Seif nicht nachvollziehen. Die Zuständigen würden zu ÖBB-Angeboten, Verkauf und Verkehrsgeografie geschult. „Die werden dann das Wissen haben, diese Tickets zu verkaufen.“ Dass sich Leute beim Fahrkartenkauf hinter jenen anstellen müssen, die etwa ihren Kaffee zum Mitnehmen bestellen, sei nicht der Fall. Es gebe einen eigenen Schalter für Ticketkäufe. Auch Automaten stünden ja weiter zur Verfügung.

Beim Lokalaugenschein in Hollabrunn zeigt sich, dass es zwar einen Schalter, aber nur eine Mitarbeiterin gibt. Dennoch funktioniere das Prozedere gut. Auch zu Stoßzeiten könne man die Doppelfunktion als Greißler und Ticketverkaufsstelle gut bewältigen, bestätigt die Frau. „Zu Beginn haben wir eine Schulung bekommen und ein Mitarbeiter der ÖBB war vor Ort, um uns das System zu erklären. Da haben wir beim Verkauf noch etwas länger gebraucht. Aber je länger man es macht, desto besser läuft es.“ Ärger gibt es jedoch bei einer Kundin, die eine Streifenkarte für Wien kaufen wollte. „Das hat aber nicht funktioniert, weil es diese nur beim Automaten und in Wien gibt.“

Bei den ÖBB begründet man die Umstellung mit steigenden Online-Verkäufen bei Tickets. „Wir sind verpflichtet, wirtschaftlich zu handeln.“