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ÖBB-Ausbau: Projekt sorgt für Lärm und Verkehrseinschränkungen

Wiener Neustadt. Nächste Intensivbauphase führt zu lauten Nachtarbeiten am Bahnhof. 170 Millionen Euro fließen in das Projekt.
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Zusammenfassung

  • Viergleisiger Ausbau der Nordeinfahrt des Wiener Neustädter Hauptbahnhofs sorgt für intensive Bauarbeiten und laute Nachtarbeiten, besonders zwischen 1. und 8. Juni.
  • 170 Millionen Euro werden in das Projekt investiert, das neben dem vierten Gleis auch neue Stützmauern, Lärmschutzwände und den Neubau von vier Eisenbahnbrücken umfasst.
  • Der Ausbau soll die Leistungsfähigkeit der wichtigen Bahnschnittstelle erhöhen, den Fernverkehr auf die Pottendorfer Linie verlagern und mehr Nahverkehr auf der Südbahn ermöglichen.

Vor einem Jahr hat der viergleisige Ausbau der Nordeinfahrt des Wiener Neustädter Hauptbahnhofes begonnen. Wie man nach 12 Monaten weiß, sind die intensiven Bauarbeiten mitten im dicht bewohnten Stadtgebiet zu der erwarteten Nervenprobe für die Anrainer geworden.

Die Bahnlinie führt durch dicht besiedeltes Wohngebiet, deshalb gehen mit dem Bau auch weitreichende Maßnahmen und Einschränkungen einher.

Nachtarbeiten

Ab Ende Mai steht die mit dem Weicheneinbau direkt hinter dem Bahnhofsgebäude die nächste Intensivbauphase ins Haus. Und das bedeutet auch intensiven Lärm, besonders in den Nachtstunden. „Wir setzen alles daran, die Unannehmlichkeiten so gering wie möglich zu halten, jedoch sind bei diesen Tätigkeiten Lärm- und Staubentwicklung unvermeidbar“, heißt es vonseiten der Bundesbahnen.

Diese Arbeiten laufen zwischen dem 1. und dem 8. Juni rund um die Uhr und daher auch nachts, so die ÖBB. Während dieser Bauphasen werden Anrainer und Interessierte laufend per Postwurf und Newsletter über die nächsten Schritte und Auswirkungen informiert, versucht man Betroffene bereits im Vorfeld zu beruhigen und zu sensibilisieren.

Fit für die Zukunft

Die Bahn will die Nordeinfahrt des Wiener Neustädter Hauptbahnhofs, ein bekanntes Nadelöhr, fit für die Zukunft machen. Wiener Neustadt gilt an der Südbahn als eine verkehrsstrategisch wichtige Drehscheibe im Wiener Umland. Am Hauptbahnhof laufen sechs Bahnstrecken ineinander. Die Stadt ist einer der Taktknoten mit den meisten Zugankünften in Österreich und bis zu 40.000 Passagieren täglich. In der Morgen- und Abendspitze halten 40 Züge pro Stunde.

Bisher verliefen in Wiener Neustadt zwei Gleise der Südbahn und ein Gleis der Pottendorfer Linie bis zum Bahnhof. Da die Pottendorfer Linie seit kurzer Zeit durchgehend zweigleisig ausgebaut ist, kommt es nun zum dringend nötigen Lückenschluss – in Form des vierten Gleises bis zum Hauptbahnhof.

Wie die ÖBB erklären, soll damit die wichtige Schnittstelle zwischen Südbahn und Pottendorfer Linie deutlich leistungsfähiger werden. „Ein Plus für Fahrgäste, für einen stabilen Betrieb und für den Bahnverkehr entlang der gesamten Südachse“, so die Bahn. In Zukunft soll der Fernverkehr auf die Pottendorfer Linie umgelegt werden, damit auf der Südbahn mehr Nahverkehrszüge fahren können.

170 Millionen Euro

Das Projekt lässt man sich einiges kosten. 170 Millionen Euro werden investiert. Neben dem Bau eines vierten Gleises kommt es zu umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen der Gleisanlagen. Bis 2029 soll in dem Abschnitt zwischen der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) und der Pöckgasse das vierte Gleis verlegt sein. Dazu kommen auf einer Länge von 1,2 Kilometern neue Stützmauern und Lärmschutzwände. 

Die große Herausforderung wird aus Sicht der Ingenieure aber etwas anderes. Und zwar müssen vier bestehende Eisenbahnbrücken (Fischauer Gasse, Warme Fischa, Pöckgasse, Kollonitschgasse) neu errichtet werden. Zwei davon liegen an den stark frequentierten Durchzugsstraßen in der Fischauer Gasse und der Kollonitschgasse an wichtigen Verkehrsadern durch das Stadtgebiet. In der Bauphase kommt es deshalb zu teilweisen Sperren und einer Umleitung des Straßenverkehrs.

Keine Unterbrechung

Für den Neubau der Eisenbahnbrücke „Warme Fischa“ sowie der darunterliegenden Geh- und Radwegunterführung war es notwendig, zwei Hilfsbrücken auf den beiden Südbahngleisen einzubauen. Eine dieser rund 30 Meter langen und jeweils etwa 80 Tonnen schweren Konstruktionen wurde vergangenen März mithilfe eines Schienenkrans eingehoben „und millimetergenau positioniert“, wie die ÖBB erklären. 

Die Hilfsbrücken sind nötig, damit der Zugsverkehr während der gesamten Bauzeit ohne Unterbrechung aufrechterhalten werden kann, „obwohl darunter sowohl die Unterführung als auch die endgültigen Eisenbahnbrücken neu errichtet werden“, erklären die Bundesbahnen.

Neuer Doppelstock-Cityjet

Ab Ende des Jahres starten die Arbeiten an den drei übrigen Brücken – Unterführung Pöckgasse bis Mai 2027, Bahnbrücke Kollonitschgasse bis Jänner 2027 und Neubau Eisenbahnbrücke Fischauer Gasse bis Mai 2027.

Als Quantensprung im ÖBB-Nahverkehr wurde dieser Tage in Wiener Neustadt der neue Cityjet Doppelstock öffentlich vorgestellt. Die neuen Doppelstockzüge aus dem Hause Stadler werden zunächst von Wien über Wiener Neustadt nach Payerbach-Reichenau (CJX 9) unterwegs sein.

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