Stadler stärkt Bahnstandort in Niederösterreich

Eine Servicehalle des Eisenbahn-Produzenten Stadler entstand auf ehemaligen Agrana-Flächen. Züge werden hier gewartet und repariert.
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Zusammenfassung

  • Stadler eröffnete in Obersiebenbrunn eine neue 4.600 m2 große Servicehalle zur Wartung und Reparatur von Zügen, errichtet in nur sieben Monaten.
  • Die Halle soll Niederösterreich als Standort für Bahntechnologie stärken und könnte zu einem Test- und Entwicklungszentrum ausgebaut werden.
  • Österreich ist weltweit führend bei Patenten in der Bahnindustrie, und die neue Halle soll zusätzliche Impulse für Export und Wertschöpfung bringen.

Weinrote Ledersitze, helles Holz, großzügige Fensterflächen. Man sitzt gemütlich im neuen RailjetX. Bis zum Ende des Jahres sollen die neuen Doppelstock-Züge der Firma Stadler mit einer Maximalgeschwindigkeit von 200 km/h auf der Weststrecke fahren.

Derzeit ist der neue Zug jedoch noch nicht auf den Gleisen zu finden, er steht gut behütet in einer Halle in Obersiebenbrunn (Bezirk Gänserndorf). Dort hat die Schweizer Firma Stadler, die Zuggarnituren für die Westbahn und seit Neuestem auch für die ÖBB herstellt, eine neue Werkshalle eröffnet. Als Servicezentrum werden hier in Zukunft die Züge gewartet und repariert.

Vom Ackerland zur Halle

„Vor zwölf Monaten war die Fläche hier Ackerland“, betont Franz Redl, Vorstand der Strabag AG Österreich. Damit verweist er auf die kurze Bauzeit: in nur sieben Monaten wurde die Halle errichtet. Errichtet wurde die Halle vom Baukonzern Strabag, der für Auftraggeber Stadler die Umsetzung realisierte. Die Dimensionen des Gebäudes sind beachtlich: für die Wartung kompletter Zuggarnituren ist eine Hallenlänge von 225 Metern erforderlich, die Halle fasst 4.600 Quadratmeter Fläche.

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So sieht der neue RailjetX von innen aus.

Beim Bau wurden rund 230 Tonnen Stahl verbaut und über 23.000 Quadratmeter Erdreich bewegt. „Das sind ungefähr 133 Kiss-Züge“, fasst Redl zusammen. Der Begriff Kiss-Züge beschreibt eine Doppelstock-Zugfamilie von Stadler, die u. a. für den neuen „Railjet X“ eingesetzt wird.

Kein Zufall

Dass die Halle in Obersiebenbrunn, am ehemaligen Agrana-Gelände, ihren Platz gefunden hat, ist für Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner kein Zufall: „Wir haben in Niederösterreich einfach ideale Rahmenbedingungen für Unternehmen“, sagt sie. Sie argumentiert damit, wer die Firma Stadler kenne, der wisse, dass sie „sich nicht irgendwo ansiedelt“. Die Förderung der Bahntechnologie ist auch in Niederösterreichs Wirtschaftsstrategie 2030+ verankert. 

Neben der Forcierung der Weltraumtechnologie zählt sie zu einer definierten Schlüsseltechnologie. Und das scheint zu gelingen, denn Österreich hat pro Million Einwohner 41 Patente in der Bahnindustrie gemeldet und liegt somit weltweit auf Platz eins. Mit der neuen Servicehalle erhofft man sich zudem zusätzliche Impulse für Exportmärkte und Wertschöpfung.

Mobilität auf Schiene

Peter Hanke, Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, sieht die Mobilität der Zukunft auf der Schiene. Es brauche europäische Zusammenarbeit und fairen Wettbewerb, betont er. Gerade die Bahn sei ein zentraler Wirtschaftsfaktor – österreichweit mit rund drei Milliarden Euro Wertschöpfung jährlich. 

„30.000 Arbeitsplätze hängen direkt und indirekt von der Bahn ab“, sagt Hanke. „Aber vergessen Sie bitte nicht auf die S1 und die S8, Herr Bundesminister“, mahnt Mikl-Leitner. Es brauche beides, Straße und Bahn. Hanke ist davon nicht abgeneigt, er sitze zwar öfter im Zug, doch meistens in seinem Hybridauto, schmunzelt er.

Bahncluster geplant

In Zukunft möchte sich Niederösterreich weiter in der Bahntechnologie profilieren, da sind sich Land und Bund einig. Das Gelände der Halle soll dabei ausgeweitet werden und zu einem Test- und Entwicklungszentrum werden. „Damit hätten wir das erste Bahncluster weltweit“, ist Mikl-Leitner begeistert. Details zum geplanten Projekt bleiben auf Nachfrage allerdings offen.

Mit der neuen Werkhalle in Obersiebenbrunn setzt Stadler somit nicht nur ein industrielles Zeichen, sondern stärkt auch die Rolle Niederösterreichs als Standort der Bahntechnologie. Was vor einem Jahr noch als ungenutztes Areal galt, wird nun zu einem Zentrum für Wartung, Entwicklung und möglicherweise auch Forschung ausgebaut.

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