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06/27/2020

NÖ: Warum Tatort-Experten Rettungskräfte schulen

Weil Verbrechensspuren manchmal unabsichtlich verwischt werden, gab es nun ein Treffen.

von Patrick Wammerl, Johannes Weichhart

Leichen, die im Wald liegen und von den Spürnasen der Suchhundestaffel aufgestöbert werden, oder schwer verletzte Verbrechensopfer, die erstversorgt oder reanimiert werden müssen – in all diesen Fällen können Ersthelfer, wie Rettungssanitäter oder Notärzte, unwissentlich wichtige Tatortspuren verwischen und womöglich wichtige Beweismittel zur Überführung eines Verdächtigen vernichten.

Dass diese Überlegungen nicht nur in der Theorie passieren, hat man diese Woche bei einem Mordprozess in Wiener Neustadt erfahren. Eine 83-jährige Passantin war vergangenen Sommer in Gloggnitz von einem 38 Jahre alten, psychisch kranken Rumänen auf offener Straße ohne jegliches Motiv erstochen worden.

Wertvolle Beweise

Im Zuge der Erstversorgung und Reanimation der Frau, wurde die Tatwaffe mit wichtigen DNA-Spuren des Mörders mehrmals von Helfern und Einsatzkräften bewegt. Das Messer wurde schließlich von der Polizei ordnungsgemäß sichergestellt. Durch die Erfahrung der Spurensicherung konnten auch in diesem Fall noch wertvolle Beweise auf dem Corpus Delicti sichergestellt werden.

Der Peiniger wurde schließlich zu lebenslanger Haft und Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt. „Es kann aber auch anders ausgehen“, sagt der Leiter der Tatortgruppe des nö. Landeskriminalamtes, Wolfgang Ostermann.

Ersthelfer

Aus diesem Grund sind die Polizei und das Rote Kreuz Niederösterreich eine Kooperation eingegangen. Seit dem Vorjahr schulen Spezialisten der Spurensicherung Rettungsmannschaften im richtigen Verhalten an Verbrechensschauplätzen. Da Ersthelfer in den meisten Fällen vor den Ermittlern an Tatorten eintreffen, hänge von deren Verhalten viel ab, meint Ostermann.

Dieser Tage war der Leiter der Tatortgruppe in der Landesverbandszentrale Tulln, um eine Fortbildung auf dem Gebiet für Lehrsanitäter abzuhalten.

Leichenstarre

Neben dem Lehrpersonal waren auch die Einsatzleiter aller Such- und Rettungshunde-Organisationen in Niederösterreich dabei. Schwerpunkt der Schulung war das Verhalten an Tatorten im Zuge von Rettungseinsätzen.

„Wenn eine Person aufgefunden wird, deren Tod augenscheinlich schon länger zurückliegt und sogar die Leichenstarre schon eingetreten ist, macht es keinen Sinn mehr Reanimationsmaßnahmen zu setzen. Das vernichtet auch wichtige Spuren“, so Ostermann.

Besonders beim Auffinden von Tatwaffen sei es wichtig, diese nicht anzufassen oder die Lage zu verändern. „Alles was medizinisch notwendig ist, hat natürlich Vorrang“, sagt der Ermittler.

Zusammenarbeit

„Als Rotes Kreuz arbeiten wir natürlich in vielerlei Hinsicht intensiv mit der Exekutive zusammen, da sich bei vielen Einsätzen unsere Wege sozusagen kreuzen“, erklärt Josef Schmoll, Präsident des Roten Kreuzes Niederösterreich (RKNÖ).

"Hervorragende Zusammenarbeit"

„In dieser Schulung geht es aber speziell um die Zusammenarbeit und das richtige Verhalten an einem Tatort, eine für uns glücklicherweise nicht alltägliche Situation“, berichtet Schmoll. Es sei jedenfalls eine sehr interessante Veranstaltung gewesen, von der die RKNÖ-Ausbildner wieder einiges für die eigenen Schulungen mitnehmen konnten.

Die Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt habe laut Schmoll „hervorragend“ funktioniert.