Chronik | Niederösterreich
31.07.2017

NÖ: Mega-Bau als Weg aus der Stauhölle

Nach 32 Monaten Bauzeit ist am Sonntag die 155 Millionen Euro teure Umfahrung Zwettl eröffnet worden.

Wer mit dem Auto oder Lkw durch Zwettl fahren musste, benötigte bis zuletzt nicht selten Geduld und starke Nerven. Vor allem Freitagnachmittag oder Sonntagabend, wenn Tausende Pendler unterwegs sind, dauerte ein Durchkommen auf der innerstädtischen B 38 mehr als 25 Minuten.

"Kleiner Scherenschnitt mit großer Wirkung" – so lautete am Sonntag das Motto beim Festakt: Mit der Eröffnung der 10,7 Kilometer langen Umfahrungsstraße erwarten viele nun eine spürbare Entlastung der Innenstadt vom Durchzugsverkehr.

Um die Lebensqualität von 2500 lärmgeplagten Bewohnern im Stadtzentrum nach jahrelanger Geduld heben zu können, haben bis zu 250 Mitarbeiter pro Tag in Rekordzeit eines der größten Straßenbauprojekte der vergangenen Jahre in Niederösterreich aus dem Boden gestampft. Dank milder Winter konnten innerhalb von nur 32 Monaten insgesamt 21 Brücken – darunter fünf bis zu 200 Meter weite und 30 Meter hohe Talübergänge – errichtet werden. Um die Strecke in die Landschaft zu setzen, sind rund 1,3 Millionen Kubikmeter Erdreich – mit dieser Menge könnte fast die halbe Cheopspyramide in Ägypten gefüllt werden – abtransportiert worden. Etwa 35.000 Kubikmeter Beton wurden verarbeitet.

Als Finanzkonzept hat das Land NÖ ein PPP-Modell (Public-private-Partnership) gewählt, bei dem ein Baukonsortium nicht nur plant, baut und kassiert, sondern auch die Wartung für die Dauer von 28 Jahren übernimmt. Dafür zahlt das Land jährlich einen ein- bis zweistelligen Millionenbetrag, der sozusagen als "Mautgebühr" überwiesen wird. Insgesamt verschlingt das Mega-Straßenbauprojekt rund 155 Millionen Euro (inklusive Steuern).

Meilenstein

Beim Festakt vor mehr als 1000 Gästen sprachen die Ehrengäste von einem Jahrhundertprojekt im Waldviertel: "Die Umfahrung bringt jetzt einen Mehrwert für den Wirtschaftsstandort Zwettl, für die Lebensqualität und Verkehrssicherheit vieler Bewohner", sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Auf dem Weg in die Ballungszentren ersparen sich die Autofahrer jetzt 15 Minuten.

Nicht nur Bürgermeister Herbert Prinz, sondern auch Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko sprach von einer Sternstunde. "Bis 2020 investieren wir insgesamt 180 Millionen Euro in den Straßenbau im Waldviertel", sagte Schleritzko. Vor der Eröffnung gehörte die neue Umfahrung Hunderten Hobbysportlern. Sie hatten die einmalige Chance, die autofreie Strecke gefahrlos zu testen.